Der Fernverkehr wird großzügig umgeleitet. Die Mainzer Straße wird über Rampen zur A 66 umgeleitet. Der Bahnverkehr steht erst einmal still.

Eine Woche ist es her, seit das südliche Brückenbauteil der A 66 in Fahrtrichtung Frankfurt an der Salzbachtalbrücke abgesackt ist und sich ein Pfeiler verschoben hat. Dadurch ist eine starke Rissbildung im Schadbereich aufgetreten, weshalb es zu weitreichenden verkehrlichen Einschränkungen im Großraum Wiesbaden-Mainz durch Vollsperrungen von Verkehrswegen gekommen ist.

„Die Dramatik dieser Situation kann man kaum noch übertreiben. Es ist für Wiesbaden ein verkehrstechnischer Alptraum. Wiesbaden ist ohne eigenes Zutun in diese Misere geraten. Das hat sicherlich etwas mit jahrzehntelanger Vernachlässigung der Infrastruktur zu tun.“ – OB Gert-Uwe Mende

Unmittelbar nach Eintritt des Schadens haben Experten der Niederlassung West der Autobahn GmbH zusammen mit einer Vielzahl weiterer Institutionen begonnen, Lösungen für die sich stellenden Probleme zu finden. Kurzfristig wurden Festlegungen entwickelt, wie beide Brückenbauteile (südliches Brückenbauwerk – Fahrtrichtung Frankfurt; nördliches Brückenbauwerk – Fahrtrichtung Rheingau) gesichert werden können.

Video: Ulrich Neuroth zur Salzbachtalbrücke

Weiterhin wurden Maßnahmen festgelegt, die zu verkehrlichen Entlastungen im Straßen- und Schienennetz führen. Für die Autobahn GmbH bedankte sich Ulrich Neuroth, Direktor der Niederlassung West, bei allen Beteiligten für die kooperative Zusammenarbeit.

„Für mich einziger Lichtblick der ganzen Sache ist, dass bisher kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Man hätte sich das aufgrund der Ereignisse von vergangener Woche auch anders vorstellen können.“ – OB Gert-Uwe Mende

Aktuell werden zur Entzerrung der Verkehrsströme im Autobahnnetz großräumige Umleitungen über dynamische Anzeigetafeln ausgewiesen. Im Bereich des Schiersteiner Kreuzes gilt künftig ein Verbot für LKW über 3,5 Tonnen, um die Anschlussstelle Wiesbaden-Biebrich zu entlasten. Die A 66 wird ab Schiersteiner Kreuz bis AS Wi-Biebrich für Lkw mit einem Gewicht von mehr als 3,5 t gesperrt. Für die B 263 sowie die angrenzenden Geh- und Radwege wird ein Bypass in beide Fahrtrichtungen hergestellt. Die B 263 wird über die Rampen der AS Wi-Mainzer Straße und die A 66 über den geöffneten Mittelstreifen geführt. Die Autobahnzufahrt an der AS Wiesbaden-Biebrich wird in Fahrtrichtung Rüdesheim vereinfacht.

„Es werden im Moment Tausende von Stunden in Staus vergeudet, die im Moment leider unvermeidbar sind.“ – OB Gert-Uwe Mende

Im Stadtgebiet von Wiesbaden wird die wegweisende Beschilderung auf die aktuelle Situation angepasst: Nicht erreichbare Ziele werden ausgekreuzt, Ampelschaltungen werden angepasst. Im Bereich Siegfriedring / B 455 soll der Wirtschaftsweg Berliner Straße, als Zufahrt auf die B 455 umgebaut werden (Rechtsabbieger), um die Linksabbieger zu entlasten.

„Abzuwägen gilt es, den Schutz der Verkehrsteilnehmer und aller am Bau Beteiligten zu gewährleisten sowie die Verkehre auf allen gesperrten Verkehrswegen wieder sicher zu ermöglichen – auch vor dem Hintergrund der zeitlichen Wirkung aller zu treffenden Maßnahmen.“ – Ulrich Neuroth

Zurzeit ist die Stabilisierung der Südbrücke das vordringliche Ziel, um weitere unkontrollierte Bewegungen des Südüberbaus zu verhindern. Es besteht derzeit eine Sicherheitszone, sodass notwendige Arbeiten nur mithilfe spezieller Techniken möglich sind und der gesamte Bereich für den Straßen- sowie dem Bahnverkehr gesperrt bleiben muss. Für den anstehenden Abbruch wird die Brücke in den nächste zwei Monaten für die Sprengung vorbereitet. Durch die Sprengung der beiden Brückenbauwerke ist von einem deutlichen Zeitgewinn bei der Fertigstellung im Vergleich zu früheren Planungen zu rechnen. Wurde bislang davon ausgegangen, dass die Sanierung resp. der Neubau der Salzbachtalbrücke bis 2026 abgeschlossen wird, gehen die Experten bei der neuen Lage davon aus, dass dies jetzt in zwei bis drei Jahren der Fall sein kann, also Ende 2023. Die Vorarbeiten für eine mögliche Sprengung können erst nach Abschluss dieser Sicherungsarbeiten starten.

„80000 Fahrzeuge, die täglich die Salzbachtalbrücke queren, lösen sich nicht in Luft auf. Das heißt, die Sprengung beider Brückenteile bedeutet für Wiesbaden über Monate und Jahre eine Zeit mit massiven Verkehrsproblemen. Sie werden Wiesbadens Straßen verstopfen und die Nerven aller auf äußerste strapazieren.“ – OB Gert-Uwe Mende

Die Autobahn GmbH verfolgt nach erfolgreicher Sprengung das Ziel, mit dem südlichen Neubau im Herbst 2021 zu beginnen. Die Fundamentierungen der neuen Brückenpfeiler sind bereits hergestellt. Eine Fertigstellung innerhalb eines Jahres gilt sodann als realistisch. Bis dahin bleiben die bekannten Einschränkungen im Zuge der A 66 voraussichtlich bestehen und somit die Salzbachtalbrücke gesperrt.

Foto oben ©2020 Archivfoto

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Offizielle Informationen zur Salzbachtalbrücke finden Sie auf der Internetseite der Auotobahn GmbH.

 

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