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Ausstellungserföffnung im Rathausfoyer: Mebsch bleiben

Krieg und Hoffnung: Wiesbaden zeigt Kunstprojekt „Mensch bleiben“

Im Wiesbadener Rathausfoyer wurde am Dienstagabend die Ausstellung „Mensch bleiben. Positiv sein in dunklen Zeiten.“ eröffnet. Künstlern aus Wiesbaden sowie aus Kfar Saba und Beit Berl in Israel treten dabei miteinander in Dialog – über Krisen, Hoffnung und die Kraft der Kunst.

Volker Watschounek 3 Stunden vor 0

Kunst aus Israel und der Region begegnet sich – und fragt nach Menschlichkeit in Krisenzeiten.

Im Rathausfoyer von Wiesbaden begann am Dienstagabend alles mit einem Satz, der größer wirkt als jede Begrüßungsformel: Mensch bleiben. Positiv sein in dunklen Zeiten. Der Titel der neuen Ausstellung klingt wie ein Appell, fast wie eine Selbstverpflichtung. Und genau so versteht sich auch das Projekt, das Künstler aus Wiesbaden, Kfar Saba und Beit Berl in Israel zusammenführt. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende übernommen.

Neues Rathaus, kurz gefasst

Ausstellung Mensch bleiben. Positiv sein in dunklen Zeiten
Eintritt: frei
Wann: Dienstag, 17. März bis Freitag 28. März 2026
Vernissage: Dienstag, 17. März 2026, 18:00 Uhr
Öffnungszeiten: Mo–Fr 7:00 – 18.30 Uhr, Sa 9:00 – 15:00 Uhr
Wo: Rathaus, Rathausfoyer, Schloßplatz 6, 65183 Wiesbaden

An der Ausstellung beteiligt sind Julia Belot, Sibel Gueler, Georg Habs, Sigrid Holighaus, Ute Kilian, Veronika List, Tslila Melnick, Mor Peled, Karin Tettenborn, Amnon Tischler, Rolf Toyka, Etty Sharony und Erez Uzan. Zusammen zeigen sie eine Schau, die in einer politisch und menschlich aufgewühlten Zeit nicht ausweicht, sondern den Blick bewusst auf Verbindung, Austausch und Widerstandskraft richtet.

Kunst gegen Sprachlosigkeit

Gerade der Krieg im Nahen Osten verleiht dieser Ausstellung eine zusätzliche Schwere – und zugleich eine besondere Dringlichkeit. Ursprünglich war geplant, dass die beteiligten Künstler aus Kfar Saba und Beit Berl ihre Arbeiten persönlich nach Wiesbaden bringen, hier gemeinsam aufbauen, diskutieren und die Ausstellung begleiten. Kunst sollte Begegnung sein, ein Austausch von Blicken, Gesprächen und Erfahrungen.

Doch die Realität der vergangenen Monate hat diese Pläne durchkreuzt. Reisen wurden unmöglich, Transporte unsicher, persönliche Begegnungen zu riskant. Die Künstler aus Israel konnten nicht nach Wiesbaden kommen. Auch ihre Werke konnten die Reise nicht antreten. Und doch steht die Ausstellung nun im Rathausfoyer.

Die Arbeiten aus Israel sind in Form hochwertiger Fotoprints zu sehen – Reproduktionen der Originale, sorgfältig gefertigt, präzise inszeniert. Sie tragen eine stille Botschaft in sich: Nicht alles ist normal. Nicht alles funktioniert, wie es funktionieren sollte. Die Bilder zeigen Zeichnungen, Malerei, Siebdrucke, Fotografien und Reliefs, – aber zugleich auch die Abwesenheit der Künstler, die sie geschaffen haben. Zu sehen sind auch Leerstellen, bewusst gesetzte Akzente.

Es fehlen aber keine Bilder. Die Leerstellen sind Teil der Ausstellung. Sie erinnern daran, dass Kunst immer auch aus Lebenswirklichkeiten entsteht – aus Hoffnung, aus Angst, aus politischen Umständen, die sich nicht einfach ausblenden lassen. Während Besucher durch das Rathausfoyer gehen, begegnen sie also nicht nur künstlerischen Positionen, unterschiedlichen künstlerischen Handschriften, sondern auch einer Realität, die im Hintergrund mitschwingt.

Städtepartnerschaft, die mehr sein will als Symbolik

Das Projekt knüpft an eine Reihe bilateraler Kunstprojekte an, die seit 2013 Künstler aus Wiesbaden und der israelischen Partnerstadt Kfar Saba verbinden. Damit zeigt die Ausstellung auch, was Städtepartnerschaften leisten können, wenn sie nicht bei offiziellen Grußworten stehenbleiben.

Dieser Abend hat mehrfach betont, wie sehr solche Verbindungen vom Engagement der Zivilgesellschaft leben. Freundeskreise, Kulturakteure, Künstler halten den Kontakt, selbst dann, wenn Reisen ausfallen, Transporte scheitern und politische Umstände Begegnungen erschweren.

Hoffnung ohne Kitsch

Das Bemerkenswerte an Mensch bleiben. Positiv sein in dunklen Zeiten. ist, dass die Ausstellung Hoffnung zeigt, ohne ins Harmlose zu kippen. Sie blendet Gewalt, Angst und Verlust nicht aus. Aber sie besteht darauf, dass Menschlichkeit trotzdem möglich bleibt.

So wird das Rathausfoyer für einige Wochen zu einem Raum, in dem Kunst nicht bloß betrachtet, sondern als Haltung lesbar wird: differenziert, solidarisch und offen. Oder, einfacher gesagt: als Versuch, in dunklen Zeiten nicht dunkler zu werden.

Symbolfoto – Malven, Öl auf Leinwand ©2026 Julia Belot

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