Sein großes Verdienst war es, nach der deutschen Wiedervereinigung von 1990 bis 1994 als Justizminister in Thüringen eine auf rechtsstaatlicher Grundlage beruhende Justiz aufzubauen. 

Zu seinem 80. Geburtstag sagte er in einem Interview, dass er Pensionär sei und keine Zeit habe. Er begründete dies damit, dass er viel lese, sich Gedanken mache und schreibe. Keinen Bestseller – auch keine Memoiren über sein bewegtes Leben. Vielmehr Erinnerungen, die für die Familie gedacht waren, die der Rechtswissenschaftler Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Jentsch seiner Familie hinterlässt. Der emeritierte Professor, Oberbürgermeister a. D. und Ehrenbürger der Landeshauptstadt Wiesbaden ist am 28. März im Alter von 83 Jahren gestorben.

„Die Nachricht über seinen Tod macht uns traurig. In diesen schmerzvollen Stunden sind unsere Gedanken bei seiner Familie. Wir sind alle tief betroffen und bedauern diesen Verlust zutiefst.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Professor Jentsch bleibe den Wiesbadener Bürgern vor allem als Initiator der Kurhausrenovierung in Erinnerung. Ihm war es damals gelungen, den Internistenkongress trotz der Renovierungsarbeiten und gegen den Willen des damaligen Kongresspräsidenten in Wiesbaden zu halten.
Professor Hans-Joachim Jentsch, der in Fürstenwalde/Spree bei Frankfurt/Oder im heutigen Landkreis Oder-Spree in Brandenburg geboren wurde und 1957 in Melsungen Abitur gemacht hat, wurde 1976 für die CDU Mitglied des Deutschen Bundestages. 1982 wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung in Wiesbaden zum Oberbürgermeister. Als Nachfolger von Georg-Berndt Oschatz hatte er dieses Amt inne, bis er aufgrund von veränderten Machtverhältnissen nach der Hessischen Kommunalwahl 1985 vorzeitig aus dem Amt wieder abberufen wurde. Später war er Mitglied des Hessischen Landtags. Im November 1990 wurde er in Thüringen zum Minister der Justiz sowie für Bundes- und Europaangelegenheiten ernannt. Im Jahr 1996 wurde Professor Jentsch vom Bundesrat zum Richter des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2005 aus.

„Professor Jentsch hat sich herausragende Verdienste für die Landeshauptstadt Wiesbaden, aber auch weit darüber hinaus erworben. Er hat sich über Jahrzehnte hinweg in seiner beruflichen Laufbahn mit großem persönlichen Engagement für Demokratie und Freiheit in Deutschland eingesetzt.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Zahlreiche Ehrungen wurden Professor Jentsch zuteil: Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Oberbürgermeisters wurde er 1988 mit dem Verdienstkreuz am Bande sowie nach dem Ende seiner Amtszeit als Minister der Justiz im Freistaat Thüringen mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2005 folgte das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband für den ausgeschiedenen Richter des Bundesverfassungsgerichts. Durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 21. September 2006 wurde der Jurist zum Ehrenbürger der Stadt Wiesbaden ernannt, 2010 erhielt er für seine Verdienste um die Deutsche Einheit die Wilhelm Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen.

Abschied nehmen

Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat auf der städtischen Homepage ein virtuelles Kondolenzbuch eingerichtet. Dort haben Bürger die Möglichkeit, einen Abschiedsgruß zu hinterlassen. Als Zeichen der Trauer wurden die Fahnen am Rathaus mit einem Trauerflor versehen.

Für Hans-Martin Kessler: Wiesbaden Fahne mit Trauerflor vor dem Rathaus

Wiesbaden trauert … Fahne mit Trauerflor vor dem Rathaus. ©2021 Sebastian Wenzel

Foto oben: Joachim Sobek

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Das Kondolenzbesuch der Landeshauptstadt finden Sie unter www.wiesbaden.de

 

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