Junge Liberale kritisieren das Hessische Feiertagsgesetz und fordern weniger Verbote am Karfreitag sowie mehr persönliche Freiheit.
Karfreitag gilt als stiller Feiertag. Das regelt das Hessisches Feiertagsgesetz. Es untersagt unter anderem Tanzveranstaltungen, bestimmte Sportevents oder öffentliche Unterhaltungsformate. Für viele gehört das zur religiösen Tradition.
Für andere wirkt es wie ein Relikt aus einer Zeit, in der der Staat stärker in das Privatleben eingriff. Und genau hier setzen die Jungen Liberalen an. Sie protestierten am Karfreitag nicht leise, sondern sichtbar – und wählten dafür eine Bühne über den Köpfen der Stadt. Wer nach oben schaute, las schnell, worum es geht: Das Lesen von dem, was verboten ist, scheint länger zu dauern als von dem, was erlaubt ist.
„Der Staat trauert nicht für mich“
Der Landesvorsitzende Ajeet Ahmad formulierte es klar: Der Staat sollte keine Gefühle verordnen. Wer trauern wollte, dürfe das tun – aber freiwillig. Die Liberalen argumentierten, dass das Feiertagsgesetz in seiner aktuellen Form nicht mehr zur pluralen Gesellschaft passe.
Sie kritisierten vor allem pauschale Verbote. Diese griffen nicht nur in das Nachtleben ein, sondern auch in Kultur, Sport und öffentliche Veranstaltungen. Der Karfreitag würde damit zu einem Tag, an dem weniger das individuelle Verhalten zähle als staatliche Vorgaben.
Mehr Freiheit oder weniger Rücksicht?
Die Forderung der Jungen Liberalen sind deutlich: Das Gesetz soll liberalisiert werden. Weniger pauschale Verbote, mehr Eigenverantwortung. Die Jungen Liberalen sehen darin keinen Angriff auf religiöse Traditionen, sondern eine Anpassung an gesellschaftliche Vielfalt.
Doch die Gegenposition ist ebenso klar: Kritiker warnen, dass stille Feiertage ohne Schutz ihren Charakter verlieren könnten. Rücksichtnahme lasse sich nicht allein dem Markt oder dem individuellen Ermessen überlassen.

Ein Streit mit Symbolkraft
Die Banneraktion wirkt wie ein Sinnbild für eine größere Frage: Wie viel Regulierung verträgt eine offene Gesellschaft – und wo beginnt Bevormundung? Fest steht: Die Debatte um das Hessische Feiertagsgesetz gewinnt wieder an Höhe. Und diesmal nicht nur im übertragenen Sinn.
Foto – Banner auf dem Schlossplatz vor der Marktkirche ©2026 Junge Liberale
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Weitere Informationen von den Jungen Liberalen Wiesbaden.



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