Die Kita Pauline erhält die Marte-Meo-Zertifizierung – und zeigt, wie genaues Hinsehen pädagogische Arbeit nachhaltig verändert.
Wiesbaden erlebt eine Premiere: Die Kita Pauline ist als erste evangelische Einrichtung der Stadt mit der Marte-Meo-Zertifizierung ausgezeichnet worden. Ein Schritt, der nicht laut daherkommt – aber Wirkung zeigt. Und zwar im Alltag, zwischen Bauklötzen, Bilderbüchern und leisen Aha-Momenten.
Was ist Marte Meo?
Marte Meo bedeutet „aus eigener Kraft“. Die Methode entstand in den 1970er-Jahren durch die niederländische Pädagogin Maria Aarts. Sie setzt auf Videoanalyse alltäglicher Situationen, um gelingende Interaktionen sichtbar zu machen und gezielt zu stärken. Heute findet sie Anwendung in Kitas, Schulen, Jugendhilfe – und sogar in der Altenpflege
Alles begann vor neun Jahren mit einem Fachtag. Ein Termin wie viele – und doch einer, der blieb. Für die stellvertretende Leiterin Bettina Rosenstiel und ihr Team wurde daraus ein Prozess, der sich nicht mit einer Fortbildung erledigte, sondern Schritt für Schritt in den Alltag hineinarbeitete.
Das Team lernte, filmte, reflektierte. Es hielt inne, schaute genauer hin, diskutierte – und veränderte dabei die eigene Perspektive. Marte Meo wurde kein Zusatz, sondern Teil der Haltung. Eltern bezog die Kita bewusst ein, erklärte, zeigte, machte transparent.
Sehen, was gelingt
Die Methode wirkt unspektakulär: kurze Videoaufnahmen aus dem Alltag, analysiert im Team. Doch genau darin liegt ihre Kraft. Sie zeigt nicht, was fehlt, sondern was funktioniert. Und sie fragt: Wie lässt sich das verstärken. „Es geht darum, in die Welt des Kindes einzutauchen“, erklärte Rosenstiel. Wer genau hinschaut, erkennt Signale, versteht Bedürfnisse, reagiert gezielter. Die Methode trainiert nicht nur den Blick – sie verändert ihn.
Mehr als ein Zertifikat
Für Niclas Wlochowitz vom Evangelischen Dekanat spiegelte die Auszeichnung vor allem eines: eine Haltung. „Man sieht, wie hier mit Kindern gearbeitet wird“, sagte er – und meinte damit nicht Methoden, sondern Menschen. Auch Pfarrer Johannes Lösch ordnete die Entwicklung ein. Das Konzept passe zum christlichen Menschenbild, das jedes Kind in seiner Einzigartigkeit ernst nehme. In der Kita Pauline ist dieser Anspruch nicht Theorie geblieben.
Alltag mit Haltung
107 Kinder besuchen derzeit die Einrichtung, betreut von einem multiprofessionellen Team. Der Leitsatz „Entdecke die Goldmine in mir und Dir“ wirkt dabei weniger wie ein Slogan als wie eine Einladung – zum Hinschauen, zum Zutrauen, zum gemeinsamen Wachsen. Die Zertifizierung markiert keinen Abschluss. Sie zeigt vielmehr, dass Entwicklung Zeit braucht – und Menschen, die bereit sind, sie auszuhalten.
Foto – Mit Videoanalysen und geschultem Blick stärkt die Kita Pauline Kinder gezielt in ihrer Entwicklung. ©2026 Evangelisches Dekanat
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