Ver.di erhöht den Druck. Busse bleiben im Depot, Beschäftigte kämpfen um Besitzstände.
Der Warnstreik geht in Wiesbaden in die nächste Runde. Am Freitag, 20. Februar 2026, ruft die Gewerkschaft ver.di die rund 1.200 Beschäftigten der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH zum Ausstand auf. Die Arbeitsniederlegung beginnt mit der Frühschicht und endet mit der letzten Schicht – selbst wenn sie erst am Folgetag ausläuft. Wiesbaden muss sich erneut auf erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen.
Unerwartete Wendung in der Tarifrunde
Auslöser des Warnstreiks ist eine überraschende Wende in der dritten Verhandlungsrunde zum Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) in Hessen. Kurz vor einem möglichen Abschluss legen die Arbeitgeber neue Bedingungen auf den Tisch. Sie wollen eine seit über zehn Jahren geltende Zulage zur Mitarbeitergewinnung kürzen und mit künftigen Tariferhöhungen verrechnen. Außerdem stellen sie die tariflich vereinbarte Aufstockung des Krankengelds infrage.
Philipp Schumann, Gewerkschaftssekretär von ver.di, spricht von einem „aggressiven Angriff auf die Besitzstände“. Die Beschäftigten hätten bereits signalisiert, dass sie diese Linie nicht akzeptieren. Nun folge der nächste Warnstreik in Wiesbaden.
Es geht um mehr als Geld
In der Tarifrunde geht es nicht um lineare Gehaltserhöhungen. Der hessische TV-N ist an den TVöD gekoppelt. Die Kernfragen betreffen vielmehr die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Personen-Nahverkehr.
ver.di fordert, Zuschläge künftig auf Basis der individuellen Entgeltstufe zu berechnen. Bei einer Höhergruppierung sollen Beschäftigte ihre Erfahrungsstufe behalten können. Derzeit verlieren viele faktisch Geld, wenn sie befördert werden – ein Paradox, das im Alltag für Kopfschütteln sorgt.
Hinzu kommen Forderungen nach einer Ballungsraumzulage für alle Mitarbeitenden, einer Erhöhung des Leistungsbudgets auf zwei Prozent sowie einer Schicht- und Wechselschichtzulage für sämtliche Beschäftigtengruppen. Bislang profitieren vor allem Werkstattmitarbeiter von entsprechenden Zulagen. Der Fahrdienst gilt tariflich nicht als Schichtarbeit – obwohl Busse im Morgengrauen starten und oft erst spätabends einrücken.
Wiesbaden im Ausnahmezustand
Für die Fahrgäste bedeutet der Warnstreik vor allem eines: Geduld. Pendler müssen Alternativen suchen, Schüler ihre Wege neu organisieren. Der öffentliche Nahverkehr in Wiesbaden steht erneut im Zentrum einer Auseinandersetzung, die längst über reine Lohnfragen hinausgeht.
Die Fronten verhärten sich. ver.di kündigt an, auch nach Freitag weiter Druck auszuüben. Ob die Arbeitgeber einlenken, bleibt offen. Sicher ist nur: Der Warnstreik in Wiesbaden markiert keinen Schlusspunkt – sondern ein deutliches Signal in einer festgefahrenen Tarifrunde.
Archivfoto – Streik, Tor in der Gartenfeldstraße © 2020 Volker Watschounek
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