Dylan & Harper eröffnet in Wiesbaden. Parzellenkaffee, Direkthandel und zwei Cuvées prägen das neue Café-Konzept in der Passage.
Wo früher Tassen, Postkarten und Interieur über den Tresen gingen, zieht jetzt Kaffeeduft durch die Passage. Das Café Dylan & Harper übernimmt die Fläche, die lange das Einrichtungsgeschäft „Innen Leben“ prägte und zuletzt kurzzeitig von Buresi bespielt wurde. Nun stehen Siebträger, Mühlen und Bohnen im Mittelpunkt. Die große Fensterfront lässt von allen Seiten viel Licht herein, und die Heizung kämpft noch mit dem Winter, doch die Espressobar läuft.
Blick in die Karte
Bei unserem Test hat das kleine französische Frühstück – Milchkaffee mit Croissant – 8,50 Euro gekostet.
Ein Blick in die Karte fiolgt.
Gründer Duje Dadic greift zu, als sich die Gelegenheit bietet. Eigentlich plante er den kleineren Laden gegenüber. Das ehemalige Le Petit Belge, das kurzzeitig von einer Sportsbar betrieben wurde. Der Hausverwalter überzeugte ihn letztendlich vom größeren Raum. Andere Interessenten standen bereit, doch er erhielt den Zuschlag. Jetzt serviert er hier Kaffee – und verfolgt eine Mission.
Parzellenkaffee statt Standardmischung
Seit zwölf Jahren röstet Dadic im Rheingauviertel Kaffee. Er startet in der Wallufer Straße, zieht 2018 in die Rüdesheimer Straße um. Standorte an zwei verschiedenen Stelle wurde am Ende zu viel – auch der kosten wegen. Kurzerhand verlegte Kaffeeexperte seine Rösterei in den Keller in der Rüdesheimer Straße und bündelt dort Produktion und Bar. Jetzt erweitert er das Konzept.
Dylan & Harper arbeitet mit fünf Farmern in Indien, El Salvador, Brasilien und Mexiko zusammen. Direkt, ohne Zwischenhandel. „Parzellenkaffee“ nennt Dadic das. Er kauft nicht nur aus einem Land oder einer Region, sondern von klar definierten Parzellen. Wie im Weinbau unterscheidet er Lage, Varietät und Aufbereitung. Ja, richtig gelesen: Die Kaffeebohne entwickele je nach Witterung, Boden, Lage – sonnig oder schattig – eine besondere Charakteristik.
Kent heißt beispielsweise eine Sorte aus Indien. Catuai eine aus Brasilien – in roter und gelber Kirschfarbe. Natural, Pulp Natural oder Washed beschreiben die Aufbereitung. Dadic erklärt das ruhig, fast didaktisch. Er will, dass Kaffee als Genussmittel wahrgenommen wird, so selbstverständlich wie Riesling oder Spätburgunder. Deutschland zählt inzwischen rund 1300 Röstereien – vor zwei Jahrzehnten sind es kaum 40. Die Bewegung wächst, und er will sie in Wiesbaden vorantreiben.
Zwei Cuvées, viele Ideen
In der neuen Bar verzichtet er bewusst auf Nerd-Tiefe. Die gebe es in der Rüdesheimer Straße. Dort in der Rösterei diskutiere er mit Kaffeeliebbhabern und Kunden Lagen und Eisenböden. In der Arcade serviert er konstante Sorten, konstante Tassen. Der Dylan-Cuvée ist eine Mischung aus 60 Prozent brasilianische Arabica – von den Dutra-Brüdern, sowie zwei Catuai-Varietäten – mit 40 Prozent indischem Robusta. Damit bilde er den Körper für die klassische Espresso-Note. Ein Harper-Cuvée, in Anlehnung an den Namen des Kaffes, kündigt er an. Und der saisonale Espresso wechselt regelmäßig.
Dazu kommen Croissants und Pain au Chocolat von Les Deux Messieurs, am Wochenende Konditoreiwaren von Ludwig. Brunch plant er nicht. Er konzentriert sich auf Kaffee.
Musik, Bücher, Perspektive
Der Name Dylan & Harper enstand ursprünglich aus einer Modeidee. Dylan steht für Hitze und Röstfeuer, Harper für Textilien, und damit sprcht Dadic bewusst beide Geschlechter an. Die Pandemie setzte dem Bekleidungskonzept den Schlussplunkt. In den raumhohen Regalen stehen dafür jetzt neben Bohnen, Coffee-Table-Books über Rembrandt, Leonardo da Vinci und Caravaggio, Modebände über Issey Miyake – viele aus dem Hause Taschen. Daneben Vinyl: „Point of Departure“ von Andrew Hill, dazu Kenny Dorham und Eric Dolphy. Dadic denkt gleich weiter. Vielleicht spielt bald ein Plattenspieler. Vielleicht kehrt Harper in anderer Form zurück.
Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende bis 17 Uhr. Wenn die Sonne kommt, will er draußen Tische stellen. Bis dahin wärmen Menschen den Raum. Und der Kaffee.
Foto ©2026 Volker Watschounek
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