Der Streik geht weiter: Einheitliche Regelungen bundesweit. Dringlich notwenige Nachwuchsförderung. Einheitliche Sonderzahlungen und Urlaubsregelungen. Ist das so schwer? 

Der erste Warnschuss wurde gelinde gesagt überhört. So kündigen die Arbeitnehmervertreter von ver.di frei nach dem Motto, wer nicht hören will muss fühlen, für Dienstag (6. Oktober) den nächsten Streik an. In dem Tarifkonflikt geht es primär um die Arbeitsbedingungen. Das Nachwuchsförderung, Entlastung sowie den Ausgleich von Überstunden und Zulagen für Schichtdienste auf Landesebene unterschiedlich geregelt wird, ist vielen ein Dorn im Auge. Damit stehe die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in Hessen auf dem Spiel, so Mathias Venema, Fachbereichsleiter.

„Es ist angesichts des drohenden Fachkräftemangels unverantwortlich einheitliche Regelungen zur Entlastung für die Beschäftigten zu verweigern.“ – Mathias Venema, Fachbereichsleiter

Fahrgäste könnten das Vertrauen verlieren, denn Personalmangel und hohe Krankenstände führten immer häufiger zu Fahrtausfällen. Wer immer wieder erlebe, dass er vergeblich an der Haltestelle stehe oder der Anschluss nicht komme, verliere irgendwann  das Vertrauen in den ÖPNV, so Venema weiter. Ein gewisse Enttäuschung über die Reaktion der Arbeitgeber schwingt hier mit. Und das werde sich auch nicht so schnell nicht ändern. Bern Meffert, Vorsitzender des Bezirksvorstands, geht daher auch von einem längeren Arbeitskampf aus. Vielleicht bis in den Winter hinein. Wenn es so kommt, tue es ihm für die Fahrgäste leid. Seit fünf Jahre habe man an dem Streik gearbeitet und ursprünglich sollte er am 1. Juni beginnen. Doch kam aber Corona dazwischen.

„Anders als der Hessische Rundfunk berichtet, wird der Streik in Wiesbaden nur einen Arbeitstag lang dauern. Bayern streikt aber schon am Montag, Hessen und der Norden erst am Dienstag.“ – Bernd Meffert, Vorsitzender des Bezirksvorstands

Hintergrund: Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Zahl der Beschäftigten um 18 Prozent geschrumpft. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Fahrgäste um ein Viertel gestiegen hat. Wegen der gestiegenen Arbeitsbelastungen komme es zu überdurchschnittlich hohen Krankenständen. Darüberhinaus baut jeder Busfahrer ein großes Überstundenkonto auf. Die Situation droht sich weiter zu verschärfen. Das Durchschnittsalter in den Unternehmen beträgt 49 Jahre. Damit geht bis 2030 jeder zweite Beschäftigte in den Ruhestand.

Streik am Dienstag

Wenn ver.di am kommenden Dienstag zum zweiten Warstreik aufruft, werden in Kassel Bahnen und Busse, in Wiesbaden Busse und in Frankfurt U-Bahnen und Straßenbahnen mit Beginn der Frühschicht für 24 Stunden stehen bleiben.

Forderungen von ver.di

ver.di fordert in dem Tarifkonflikt für bundesweit 87000 Beschäftigte einheitliche Regelungen in Fragen wie Nachwuchsförderung, Entlastung sowie den Ausgleich von Überstunden und Zulagen für Schichtdienste. Darüber hinaus soll die Ungleichbehandlung in den Bundesländern beendet und zentrale Regelungen wie 30 Urlaubstage oder Sonderzahlungen künftig bundesweit vereinheitlicht werden. Mit einer Forderung für Auszubildende sollen Anreize zum Einstieg in den Beruf und zur Nachwuchsförderung geschaffen werden. Seit März fordert die Gewerkschaft hierzu die Verhandlung eines bundesweiten Rahmentarifvertrages.

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Die offizielle Internetseite der Gewerkschaft Ver.di finden Sie unter wiesbaden.verdi.de.

 

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