Frühe Klassik live: Cremonesi und Mindus führen durch eine Epoche im Umbruch – ein Sinfoniekonzert voller Entdeckungen im Kurhaus Wiesbaden.
Es knistert, es tastet sich vor, es probiert aus – und genau darin liegt der Reiz: Das 6. Sinfoniekonzert des Hessisches Staatsorchester Wiesbaden springt mitten hinein in eine Zeit, in der Musik ihre Richtung neu erfindet. Am 15. April hebt sich im Kurhaus Wiesbaden der Vorhang für eine klangvolle Expedition in die „Frühe Klassik“.
Staatstheater Wiesbaden
6. Sinfoniekonzert – Raritäten aus dem 18. Jahrhundert
Eintritt: ab 9,00 Euro
Wann: Mittwoch, 15. April 2026, ab 19:30 Uhr
Wo: Kurhaus Wiesbaden, Kurhauspl. 1, 65189 Wiesbaden
Wer glaubt, Klassik sei geschniegelt und geschniegelt geblieben, wird hier eines Besseren belehrt. Dirigent Attilio Cremonesi greift beherzt zu Partituren, die noch suchen, stolpern, glänzen. Er lässt Musik entstehen, die sich gerade erst sortiert.
Cremonesi kennt sich aus mit Übergängen. Er dirigiert nicht nur, er gräbt. Er holt Werke ans Licht, die sonst im Archiv Staub sammeln. Und plötzlich hört man, wie aus barocken Formen etwas Neues wächst – lebendig, überraschend, manchmal fast frech.
Stimmen, die Geschichten erzählen
Mitten im Geschehen: Josefine Mindus. Die Sopranistin singt nicht einfach Arien – sie spielt, formt, erzählt. Ihre Stimme schwebt durch die Konzertarien von Hasse und Johann Christian Bach, sie setzt Akzente, sie riskiert Emotion. Das Wiesbadener Publikum kennt sie bereits. Es applaudierte ihr als Nachtigall, staunte über ihre Schneeflöckchen-Leichtigkeit. Jetzt kehrt sie zurück – und bringt die barocke Oper gleich mit.
Musik im Werden
Das Programm bewegt sich durch eine Epoche, die selten so klar zu hören ist. Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Joseph Martin Kraus und Joseph Haydn zeigen, wie sich die Sinfonie erst formt, dann festigt. Hier entsteht Struktur aus Neugier. Hier probieren Komponisten, verwerfen, setzen neu an. Und genau das macht den Abend spannend: Man hört Musik beim Denken zu.
Ein Abend für Entdecker
Das Sinfoniekonzert lädt nicht nur ein – es fordert auch heraus. Wer sich einlässt, erlebt keine glatte Perfektion, sondern Bewegung. Musik, die lebt, weil sie sich gerade erst erfindet. Oder anders gesagt: Wer wissen will, wie Klassik klingt, bevor sie „klassisch“ wird, sollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen.
Foto – Gerhard Oppitz und Anna-Maria Helsing verwandeln das Kurhaus in einen Klangraum voller Feuer, Licht und nordischer Weite. ©2026 Has-Dieter Göhre / Timo Heikkala
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