Mit neuem Vorstand starten die Jusos Wiesbaden in eine politisch entscheidende Phase – und fordern klare Kante bei den Koalitionsgesprächen.
Die JUSOS Wiesbaden haben sich neu sortiert – und dabei nicht nur Personalfragen geklärt, sondern auch politisch deutlich Position bezogen. Auf ihrer Jahreshauptversammlung Ende April verabschiedeten die Mitglieder ihren langjährigen Vorsitzenden Carl Gibis mit langanhaltendem Applaus. Der Moment wirkte wie ein sauber gesetzter Schlusspunkt – und zugleich wie ein Auftakt.
Direkt im Anschluss wählten die Jusos eine neue Doppelspitze: Anou Kaiser und Adrian Kämpfer übernehmen künftig die Führung. Unterstützt werden sie von Amina Salihagic sowie einem breit aufgestellten Team, das von Pressearbeit bis Kassenführung alle Aufgaben neu verteilt. Ein Generationswechsel, der weniger leise daherkommt, als man es von Parteijugenden manchmal kennt.
Klare Ansagen zur Stadtpolitik
Personalentscheidungen blieben an diesem Abend nicht das eigentliche Thema. Vielmehr nutzten die Jusos Wiesbaden die Bühne, um sich in die laufenden politischen Sondierungen einzumischen – und das mit Nachdruck.
Sie argumentieren: Das bisherige Mehrheitsbündnis sei keineswegs abgewählt worden. Im Gegenteil, rechnerisch bestehe weiterhin eine Alternative zu einer Großen Koalition. Diese Ausgangslage verstehen die Jusos als Auftrag – nicht als Einladung zum politischen Komfort.
Die Bilanz der vergangenen Jahre lesen sie als Erfolgsgeschichte: Investitionen in Bildung, Ausbau sozialer Infrastruktur, neue Wohnungen, stabile Arbeitsmarktentwicklung. Wer jetzt leichtfertig andere Bündnisse prüfe, riskiere mehr als nur politische Nuancen.
Streitpunkt Sozialpolitik
Besonders scharf formulieren die Jusos ihre Kritik an möglichen Partnern, die im sozialen Bereich Einsparungen ins Spiel bringen. Hinter Begriffen wie „Goldstandard“ sehen sie keine nüchterne Haushaltsdebatte, sondern einen Angriff auf das Fundament der Stadt.
Kitas, Schulen, Jugendzentren, Hilfsangebote – all das verstehen sie als tragende Säulen. Wer hier kürzen wolle, stelle den gesellschaftlichen Zusammenhalt infrage. Entsprechend deutlich fällt die Ansage aus: Sozialabbau werde es mit den Jusos nicht geben.
Das klingt kämpferisch – und soll es offenbar auch sein. Denn die Jugendorganisation fordert von der SPD-Spitze, Verhandlungen nicht nur zu führen, sondern sie „mit maximaler Härte“ zu gestalten. Zugleich warnen sie davor, bestimmte Parteien vorschnell als gesetzt zu betrachten.
Politik als Haltung – nicht als Rechenaufgabe
Was bleibt, ist ein politisches Signal, das über Wiesbaden hinausweist: Die Jusos verstehen sich nicht als Begleitmusik, sondern als Korrektiv. Sie wollen Druck erzeugen, Debatten zuspitzen und die eigene Partei festnageln. Dabei geht es ihnen weniger um taktische Spielchen als um eine grundsätzliche Frage: Wie viel soziale Sicherheit darf – oder muss – sich eine Stadt leisten?
Die Antwort der Jusos fällt eindeutig aus. Wiesbaden soll investieren, nicht sparen. Zusammenhalt stärken, nicht verwalten. Und vor allem: Politik nicht als bloße Rechenaufgabe begreifen, sondern als Haltung. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich diese Haltung in den Verhandlungen durchsetzt – oder ob sie zum Prüfstein für die neue Führung wird.
Symbolbild ©2026 Wiesbaden lebt!



Krimi trifft Realität: Diskussion zu „Tatort rechtsaußen“
Kabarett kocht heiß im Pariser Hof Wiesbaden
Freiräume öffnen Bühne für Experimente
Buch-Experiment: Lesen, reden, staunen: Hooked on a Book
Gedenkstunde zum Kriegsende am 8. Mai 
