Die AWO Wiesbaden übernimmt die Erziehungsberatung im Schelmengraben – und setzt auf Kontinuität, Nähe und neue Impulse.
Veränderungen im System wirken oft abstrakt. Doch im Schelmengraben geht es um konkrete Lebensgeschichten. Um Kinder, die nicht mehr sprechen wollen. Um Eltern, die ratlos werden. Und um Fachkräfte, die genau dann zuhören. Seit Mai führt die AWO Wiesbaden die Erziehungsberatungsstelle weiter, die zuvor von der Diakonie getragen wurde. Für viele Beteiligte zählt dabei vor allem eines: dass der Übergang kaum spürbar bleibt.
„Die Gespräche bleiben – das ist entscheidend“
Eine Beraterin, die seit Jahren im Schelmengraben arbeitet, beschreibt den Wechsel nüchtern: „Für die Familien ist wichtig, dass sie weiterhin jemanden erreichen. Die Gespräche bleiben – das ist entscheidend.“ Auch organisatorisch habe sich wenig verändert. Termine laufen weiter, bekannte Gesichter sitzen in den Räumen. Vertrauen, das sich oft langsam entwickelt, soll nicht neu aufgebaut werden müssen.
Wenn Eltern an Grenzen stoßen
Ein Vater, der das Angebot nutzt, formuliert es direkter: „Man denkt ja immer, man kriegt das alleine hin. Aber irgendwann merkt man, dass man Unterstützung braucht.“ Er habe gezögert, einen Termin zu vereinbaren. Heute sagt er: „Es hilft, wenn jemand von außen draufschaut. Nicht bewertet, sondern versteht.“ Genau hier setzt die Erziehungsberatung an. Sie greift Themen auf, die im Alltag entstehen – Konflikte, Trennungen, schulische Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten. Und sie versucht, Wege aufzuzeigen, bevor sich Situationen festfahren.
„Die Nachfrage steigt spürbar“
Auch die Stadt beobachtet die Entwicklung genau. Sozialdezernentin Patricia Becher betont: „Wir sehen, dass die Nachfrage nach Beratungsangeboten wächst. Deshalb war es wichtig, eine stabile Lösung zu finden.“ Die Entscheidung für die AWO sei deshalb bewusst gefallen. Sie bringe Erfahrung mit und könne das Angebot weiterentwickeln.
Neue Impulse – ohne das Bewährte zu verlieren
AWO-Geschäftsführer Bastian Hans blickt nach vorn: „Wir übernehmen nicht nur, wir wollen auch gestalten.“ Prävention spiele dabei eine größere Rolle. Man wolle früher ansetzen, enger mit Schulen kooperieren und neue Zugänge schaffen. Ein zusätzlicher Standort im Westend soll genau das erleichtern. Wege werden kürzer, Hemmschwellen sinken.
Ein Angebot, das trägt
Für eine Mutter, die regelmäßig Beratung in Anspruch nimmt, zählt vor allem die Verlässlichkeit: „Es ist gut zu wissen, dass man wiederkommen kann. Dass jemand da ist, der die Situation kennt.“ Die Trägerschaft hat gewechselt. Die Gespräche aber gehen weiter. Und vielleicht ist das die eigentliche Nachricht: Dass Hilfe bleibt – auch wenn sich Strukturen verändern.
Symbolfoto ©2026 KI-generiert
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