Doppelspitzen sind in der Theaterlandschaft nicht neu. Nach dem Vorbild des Hessischen Landestheaters in Marburg übernehmen in Wiesbaden zwei Intendantinnen zur Spielzeit 24.25 die Führung am Staatstheater.

Ich stand in der S-Bahn erzählt Beate Heine und ich im Regionalzug fährt Dorothea Hartmann dazwischen. Zwischen Wiesbaden und Frankfurt nimmt Heine den Ball wieder auf. Wie das halt so ist, wenn man wieder wegfährt –. Das ging ganz schnell, wirft Hartmann ein. Die Szene spielt nicht auf der Bühne, doch aber im Hessischen Staatstheater und wir befinden uns am Ende der gemeinsamen Pressekonferenz von Stadt und Land, bei der Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kultur und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende am Freitagvormittag Wiesbadens Doppelspitze vorgestellt und den künftigen Intendantinnen die Gelegenheit bot, sich vorzustellen.

„Es ist eine Innovation, dass wir eine Doppelspitze hier im Haus haben. Das war keine Bedingung. Es ist eine große Chance. Theater lebt von der Innovation, von Kreativität und von Leidenschaft.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Mal Heine mal Hartmann. im Dialog erzählen die Intendantinnen, wie und so sie davon erfahren haben, dass sie sich in der dritten Runde des Bewerbungsverfahrens um die Leitung des Hessischen Staatstheaters mit ihrem Konzept und ihren Ideen durchgesetzt haben. Wir saßen nicht in der gleiche Bahn. Wir waren nicht so gut erreichbar, berichtet die Hamburgerin Heine. Ministerin Dorn habe sie dann aber erreicht –. ,Sie sind in der Bahn, also lassen sie es uns versuchen. – Sitzt Frau Hartmann neben ihnen‘. Dem war nicht so. Sie ist in einem anderen Zug –. Und können sie sich trotzdem freuen– ? Einwurf Hartmann: Ja! Und danach hat Frau Dorn mit mir gesprochen.

„Kunst braucht immer wieder Aufbruchstimmung. Es ist erlesene Kunst, wann immer ein Stück wieder neu anfängt. Diese Aufbruchstimmung ist nach meinem Dafürhalten in den beiden Intendantinnen gegeben.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Vorausgegangen waren die Ausschreibung und das intensive Bewerbungsverfahren des Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Gesucht wurde die Nachfolge für Eric-Uwe Lauffenberg, der das Staatstheater nach der Spielzeit 2023.2024 verlassen wird und dessen Position so vakant geworden ist. Zum Bewerbungsschluss im Mai hat 40 Personen und Teams ihre Unterlagen eingereicht. 10 schieden gleich aus. 30 genügten den formalen Anforderungen: In dem Verfahren um die Nachfolge wurden 9 Bewerbungen von Teams (Männer und Frauen), 6 Bewerbungen von Frauen allein und 15 Bewerbungen von Männern allein aufgenommen. Acht davon wurden am Ende zu persönlichen Gesprächen nach Wiesbaden eingeladen. Drei davon für die Abschlussrunde ausgewählt. Der Dialog zeigt: Dann ging es ganz schnell. Wir haben uns nach intensiver Diskussion mit absoluter Übereinstimmung am Ende gemeinsam so entschieden, lässt Gert-Uwe Mende in die Karten der Findungskommission schauen. Die zeitgenössische Handschrift des Duos Heine/Hartmann und das innovative Leitungskonzept haben entschieden.

Innovative Leitungskonzept

Die designierten Intendantinnen haben am Freitag keine Zweifel daran gelassen, dass sie sich als Team beworben haben, so wie sie sich als Team verstehen – und auf Nachfrage erklärt, dass es sie nur als Team/Duo gebe. So wie die beiden sich im Foyer des Staatstheaters finden und ergänzen, nur so funktioniere das vorgestellte Konzept. Die Basis seien Dialog und Diskurs. Es gebe keine Machtposition. Am Ende entscheiden die besseren Argumente.

Generationenkonflikt, Thema der Spielzeit 2024.2025

Mit ihren Erfahrungen verkörpern Heine/Hartmann ein Mehrsparten-Duo. Das möchten sie mit von 2024.2025 mit spartenübergreifenden Projekten und interdisziplinäre Arbeit zeigen; neue Formate entwickeln, die im besten Fall ein neues jüngeres Publikum generieren. Ohne weiter auf Details einzugehen, was seriöser Weise am Freitagvormittag nicht möglich gewesen wäre, gaben Hein/Hartmann eine erste inhaltliche Richtung vor. Im Hessischen Staatstheater möchten sie in ihrer ersten Spielzeit den Dialog zwischen Generationen aufnehmen. Sie möchten ältere und jüngere Menschen ins Gespräch bringen. Zentralen Fragen wie (1) Was hinterlässt die ältere Generetion?; (2) Was bedeutet soziale Gerechtigkeit? (3) Was bedeutet gerechte Verteilung von Ressourcen? nachgehen. Aktuelle Themen in den Fokus setzen, künstlerisch inszenieren und für die Gesellschaft mögliche Antworten zusammenzustehen gilt.

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Zur Person Dorothea Hartmann

Dorothea Hartmann gehört seit 2012 zum Leitungsteam der Deutschen Oper Berlin, wo sie als Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der zweiten Spielstätte Tischlerei eine der wichtigsten Plattformen für neue Formen und die Öffnung des Musiktheaters etabliert hat. Als Dramaturgin verbindet sie eine enge Zusammenarbeit mit Künstlern der internationalen Opernszene wie Sir Donald Runnicles, Marc Albrecht, Alessandro de Marchi, Benedikt von Peter, Marie-Eve Signeyrole, Christof Loy oder Claus Guth. Ihre Theaterlaufbahn begann Dorothea Hartmann an den Häusern in Mannheim und Linz, ab 2006 war sie Opern- und Konzertdramaturgin an der Staatsoper Hannover. Regelmäßig unterrichtet sie seit zehn Jahren an den Musikhochschulen in Berlin, München und Leipzig. Dorothea Hartmann verfasste zahlreiche Libretti für Kinder- und Jugendstücke und ist in zahlreichen Gremien tätig, unter anderem als Jurorin für den Deutschen Theaterpreis Der Faust und als Kuratoriumsmitglied für das Kinder- und Jugendtheaterzentrum Deutschland. Sie ist seit 2016 im Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft und wurde 2021 in die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste gewählt.

Zur Person Beate Heinen

Beate Heine, in Hamburg geboren, ist seit vielen Jahren in Leitungsfunktionen als Chefdramaturgin und Stellvertretende Intendantin an verschiedenen namhaften Staats- und Stadttheatern tätig – unter anderem am Thalia Theater Hamburg, am Staatstheater Dresden und am Schauspiel Köln. Aktuell ist sie Stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Nach Beendigung ihres Studiums der Theaterwissenschaft, Germanistik und Romanistik in Berlin arbeitete sie zunächst als Journalistin und Autorin, bis sie als Dramaturgin an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gerufen wurde und später unter anderem an der Schaubühne am Lehniner Platz tätig war. Beate Heine verfügt über ein weitgefasstes Netzwerk in die deutschsprachige Theaterlandschaft und in die internationale europäische Theaterszene. Zuletzt war sie unter anderem Vorstandsmitglied des internationalen Theaternetzwerkes Union des Théâtres de L´Europe. Sie arbeitet interdisziplinär und spartenübergreifend mit überregional bekannten Regisseuren und Künstlern zusammen. Außerdem fördert sie junge Regie- sowie Autorinnen- und Autorentalente.

Foto oben ©2022 Volker Watschounek

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Die Internetseite des Hessischen Staatstheaters finden Sie unter www.staatstheater-wiesbaden.de.

 

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