Es ist ein Termin, der in Wiesbaden feststeht. Die Tatsache, dass das Mahnmal an der Bahnhofstraße im Moment abgebaut ist, ändert daran nichts. So steht der Termin auch 2026 im Kalender des Erinnerns: Am 8. März gedenkt die Stadt der Deportation der Wiesbadener Sinti nach Auschwitz-Birkenau. Nicht in der Bahnhofstraße, sondern im Rathaus, denn: Was 1943 geschah, verschwindet nicht im Strom der Geschichte.
Wiesbadener Sinti, kurz gefasst
Gedenkstunde – gemeinsames gedenken und erinnern am 83. Jahrestag
Teilnahme: frei
Wann: Sonntag, 8. März 2026, 16:30 Uhr
Wo: Stadt Wiesbaden Rathaus, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden
Am Sonntag, 8. März, laden der Hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma und die Landeshauptstadt Wiesbaden zur Gedenkstunde ins Rathaus ein. Die Erinnerung folgt keinem Zufall. Sie folgt einem Datum, das sich tief eingeschrieben hat: 8. März 1943. Damals rissen die Nationalsozialisten Wiesbadener Familien aus ihren Wohnungen, deportierten sie und lieferten viele von ihnen dem Tod aus.
Adam Strauß, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Hessen, und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende sprechen Grußworte. Gemeinsam erinnern sie an die entrechteten, verfolgten und ermordeten Sinti und Roma aus Wiesbaden, aus Deutschland und aus Europa. Das June Heilig Ensemble begleitet die Gedenkstunde musikalisch und verleiht dem Erinnern einen würdigen Rahmen.
Geschichte, die nicht verstummt
Sinti leben seit über 600 Jahren im deutschsprachigen Raum, Roma seit rund 200 Jahren. Trotzdem erkennen viele sie bis heute nicht als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft an. Adam Strauß warnt vor politischen Tönen, die ausgrenzen. Demokratie lebt nur, wenn Menschen sie verteidigen. Wer die Vergangenheit kennt, erkennt, wie zerbrechlich Freiheit bleibt.
Auch Mende betont, dass Erinnerung kein Ritual ohne Folgen sein darf. Wenn Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus wieder lauter auftreten, braucht es klare Haltung. Die Stadt stellt sich an die Seite der Betroffenen. Sie schließt in ihr Gedenken auch andere Minderheiten ein, etwa die Jenischen, die unter derselben Ideologie litten.
Erinnerung als Verpflichtung
Der 8. März steht in Wiesbaden nicht nur für Trauer. Er steht für Verantwortung. Der jährliche Termin im Kalender des Erinnerns fordert die Gegenwart heraus. Er fragt, wie wir heute handeln. Er verlangt Respekt, Mut und Aufmerksamkeit.
Die Gedenkstunde im Rathaus öffnet Raum für Stille und für Gespräch. Sie lädt Bürgerinnen und Bürger ein, gemeinsam innezuhalten. Wiesbaden zeigt damit: Die Geschichte der Wiesbadener Sinti gehört zur Stadtgeschichte. Und wer sie erzählt, schützt die Demokratie.
Symbolbild – Mahnmal in der Bahnhofstraße, im Moment abgebaut ©2024 Volker Watschounek
Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Mitte lesen Sie hier.
Die offizielle Internetseite des Landesverbandes der Sinti und Roma finden Sie unter www.sinti-roma.com.



Nächste Leseparty: Lesen statt Tanzen
Umweltladen verschenkt Nistkästen für Singvögel
Festkonzert zum Geburtstag Frédéric Chopins im Kulturforum
41. Bürgersprechstunde mit Oberbürgermeister Mende im Rathaus
Chez Madlen: Ein Hauch Paris in der Neugasse
Wir stehen an eurer Seite“ – Wiesbaden gedenkt der Ukraine 
