Am 13. August jährt sich der fünfzigste Jahrestag des Mauerbaus. Spuren dieses historischen Ereignisses finden sich auch in Wiesbaden. Eine Zeitreise.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Die berühmten Worte des damaligen Staatschefs der DDR Walther Ulbricht sind tief ins kollektive Gedächtnis der Deutschen gerutscht. Dass Ulbricht auf der berüchtigten Pressekonferenz vom 15. Juni 1961 nicht wirklich bei seinem Wort blieb, zeigte sich knapp zwei Monate später: Straßensperren, Stacheldrahtzaun, aufgerissene Straßenzüge und patrouillierende Soldaten der Nationalen Volksarmee in Berlin wiesen schon in den frühen Morgenstunden des Tages auf eine schmerzhafte Teilungsgeschichte der Deutschen hin. Glaubten alle damals fest daran, dass sich die Amerikaner das nicht bieten lassen werden, endete die Mauergeschuichte erst nach fast 28 Jahren friedvoll. Am 13. August 1961 wurde der westliche Teil Berlins komplett von der westlichen Welt abgeschnitten. Offiziell wurde die Mauer als antifaschistischer Schutzwall interpretiert. Hinter den Kulissen sollte die Mauer vor allem den stetigen Abwanderungsstrom aus Ost-Berlin, die sogenannte Abstimmung zu Fuß, in den Westen aufhalten.

Spuren der Mauer in Wiesbaden

Weit im Westen Deutschlands, fast sechshundert Kilometer entfernt von der gesamtdeutschen Hauptstadt, finden sich heute Teile dieser deutschen Geschichte wieder. Genauer gesagt auf dem Platz der Deutschen Einheit in Wiesbaden. Dort steht seit 2009 ein Berlin Original, ein Stück Berliner Mauer, welches im Zuge einer Aktion der Bild-Zeitung dem Land Hessen überlassen wurde. Auch die anderen Bundesländer erhielten damals ein Stück der Berliner Mauer, das Boulevardblatt titulierte sie damals als Denkmäler der Freiheit. Zur Einweihung auf dem Platz der Deutschen Einheit kam der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und 200 Schüler der nahen Elly-Heuss-Schule. Koch bezeichnete damals das Stück Mauer als „Stein des Anstoßes“.

Berliner Mauer, Kollage

Foto Bundesarchiv, Bild 173-1321 / Helmut J. Wolf | Wiesbaden lebt! | Bundesarchiv, Bild 183-88574-0004 / Stöhr / CC-BY-SA 3.0 | Jungmeister Eigenes Wer CC BY-SA 4.0

Der markante Namen Platz der Deutschen Einheit geht nebenbei bemerkt auf den Volksaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR zurück. 1958 veranlasste der damalige hessische Innenminister Heinrich Schneider (SPD) die Namensänderung, als Ausdruck der Hoffnung auf ein irgendwann wieder vereintes Deutschland. Davor schmückte ihn der Name eines preußischen Generals, Julius Graf von Bose. Den preußischen Dunst verlor der Platz mit der Namensänderung.

Bis heute ziert das unauffällige Mauerstück den Platz zwischen Elly-Heuss-Schule und der neu erbauten Sporthalle samt Einkaufsgalerie. Dunkle Bäume umschließen mittlerweile den historischen Überrest von dem, was einst das Symbol deutscher Teilung war. Ein moosbewachsener Sockel inklusive gelegentlicher leerer Bierflaschen zieren den knapp 3,60 Meter hohen und 2,7 Tonnen schweren Gedächtnisstein und lassen ihn so erscheinen, als sei er von den Bauarbeitern beim Umbau des Platzes vergessen worden.

Spuren der Mauer in der Welt

Dabei lohnt es sich durchaus, solchen Artefakten der Geschichte Aufmerksamkeit zu schenken. Wiesbaden ist nicht der einzige Ort, an dem Mauerstücke zu finden sind. Neben den anderen deutschen Landeshauptstädten haben sich die Spuren der in Einzelteile zerlegten Mauer mittlerweile auf der ganzen Welt verstreut. International ausgerichtete Projekte wie the-wall-net.org haben sich zum Ziel gesetzt, diese Spuren zurückzuverfolgen, die Standorte der einzelnen Mauerstücke auf einer digitalen Karte sichtbar zu machen und zu dokumentieren. Darunter finden sich auch exotische Orte wie die arabische Halbinsel, Südkorea, die Karibik und Chile. So entsteht eine Karte des Erinnerns, der Einheit und des Gedenkens. Praktisch das genaue Gegenteil dessen, wofür die Mauer 28 Jahre lang stand.

Bild oben ©2021 Volker Watschounek Mauerstück Blickrichtung Ost West auf dem Platz der Deutschen Einheit

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Wen es interessiert: In seiner Mediathek dokumentiert das ZDF szenisch und eindrucksvolle  den Mauerbau: Ein Tag im August

 

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