Häusliche Gewalt hat viele Formen. Sie bezeichnet Gewalttaten zwischen Menschen, die in einer häuslichen Gemeinschaft leben oder lebten. In einem Frauenhaus findet Frauen, meist das schwächere Geschlecht, Hilfe und Unterstützung.

Im Januar 2020 wurde hier der erste Spatenstich gesetzt, und jetzt steht das neue Wiesbadener Frauenhaus, in Trägerschaft des Diakonischen Werks. Trotz vieler Corona-Auflagen gab es während der Bauzeit keine Lieferengpässe und so gut wie keine Verzögerungen, sodass schon in wenigen Wochen Frauen und Kinder sowie das Team um Frauenhaus-Leiterin Birte Prawdzik in das neue Haus einziehen können

„Ich denke wir haben jetzt eines der modernsten Frauenhäuser im gesamten Rhein-Main-Gebiet.“ – Agim Kaptelli, Leiter des Diakonischen Werks Wiesbaden

Das gut 500 Quadratmeter große Haus bietet künftig Platz für zehn Frauen und rund 20 Kinder. Die Appartements mit eigenen Küchenzeilen und Bädern sind unterschiedlich groß und auf zwei Stockwerke verteilt. Es ist hell, die umlaufenden Flure sind lichtdurchflutet, es gibt viele Nischen für Begegnung und Gespräche. Im sichtgeschützten Innenhof ist eine Art Wandelgang entstanden. Ein Spielzimmer, große Therapie- und Besprechungsräume sowie Büros im Erdgeschoss ergänzen den Wohnbereich.

„Unsere Mitgliedsgemeinden haben sich bereits im März 2019 einstimmig für den Neubau des Frauenhauses auf unserem Grundstück ausgesprochen.“ – Werner Ott, Vorsitzender der Gesamtgemeinde

Der genaue Standort des Frauenhauses muss aus Sicherheitsgründen geheim bleiben, denn die Frauen, die hier einen Zufluchtsort suchen, sind vor häuslicher Gewalt geflohen. Im Frauenhaus finden sie eine anonyme Unterkunft, werden beraten und bekommen Hilfe für die weitere Lebensplanung. Gebaut hat das Haus die Evangelische Gesamtgemeinde, die Solidargemeinschaft von elf Wiesbadener Kirchengemeinden, auf ihrem eigenen Grundstück, nicht weit entfernt von der Innenstadt.

Es macht nicht nur uns, sondern auch die Architekten stolz, dass alle trotz Corona mit den allen Handwerksbetrieben und Zulieferern im Zeitplan geblieben sind.“ Werner Ott, Vorsitzender der Gesamtgemeinde

Die Kosten für den Gesamtbau, der nach allen Standards der Nachhaltigkeit errichtet wurde, betragen rund 4,5 Millionen Euro, sagt Werner Ott, Vorsitzender der Gesamtgemeinde. Mit einer Spende der Paulinenstiftung von 80000 Euro an das Diakonischer Werk konnten große Teile der Innenausstattung finanziert werden.
Ott ist froh, dass es bereits im Vorfeld der Planungen viel Aufgeschlossenheit für das Projekt gab:

„Es ist natürlich ein riesiges Geschenk, wenn man ein Frauenhaus von Anfang an so planen kann, dass alle Wünsche und Bedarfe berücksichtigt werden.“ – Agim Kaptelli, Leiter des Diakonischen Werks Wiesbaden

Dass es gelungen ist, dass Kirche und Diakonie so ein Projekt gemeinsam realisiert haben, mit der Stadt, für die Stadt und für die Frauen, die hier hoffentlich einen Zufluchtsort finden werden – das freut Agim Kaptelli. Es sei schön, dass die Kirche mit so einem starken sozial-diakonischen Impuls ins Gemeinwesen hineinwirke. Insbesondere, da das alte Frauenhaus, ursprünglich mal ein normales Wohnhaus, mit seinem geringen Platzangebot schon seit Jahren nicht mehr geeignet ist: eine Küche und zwei Bäder für alle Bewohnerinnen, kein Spielzimmer, wenig Gemeinschafträume.

Das Haus war von seiner Aufteilung her einfach nicht ideal für das, was an Arbeit hier geleistet wird.“ – Agim Kaptelli, Leiter des Diakonischen Werks Wiesbaden

Das neue Gebäude ist architektonisch sehr gelungen: Von außen unauffällig, zurückhaltend und verschlossen wirkt das Gebäude nach innen offen und hell. Dem beauftragten Architekturbüro Mayer Jenner Oumar ist es gelungen, Elemente aus dem Kirchenbau zu integrieren, etwa der Wandelgang im Innenhof, der an einen Kloster-Kreuzgang erinnert. Ein besonderer Ort mit kirchlichen Wurzeln –  das spiegelt sich tatsächlich in der Architektur wider, findet Kaptelli und hofft, dass das Haus mit dazu beiträgt, dass Frauen hier zur Ruhe kommen können, dass sie ein Stück Frieden finden.

Hintergrund

Das Wiesbadener Frauenhaus ist Mitte der 80er-Jahre entstanden: Damals besetzten Frauen aus Wiesbaden eine kleine Villa im Nerotal. Das politisches Gerangel, was daraus entstand, hatte Folgen: Man war sich einig, dass an der Notwendigkeit eines Frauenhauses für Wiesbaden kein Weg mehr vorbeiführt. Und so eröffnete das Diakonische Werk am 1. Mai 1986 das erste Frauenhaus in der hessischen Landeshauptstadt. Die Frauen, die im Haus für Frauen in Not Zuflucht suchen, stammen aus Sicherheitsgründen meistens nicht aus Wiesbaden. Im Schnitt sind die Bewohnerinnen zwischen 30 und 40 Jahre alt. Es gibt auch immer mal sehr viel jüngere Frauen, genauso wie ältere. Die Verweildauer der Frauen im Haus schwankt stark – einige bleiben wenige Tage, andere bis zu einem Jahr oder länger, im Schnitt sind es drei bis sechs Monate.

Bild oben Wiesbadener Frauenhaus. ©2021 Andrea Wagenknecht /Ev. Dekanat Wiesbaden

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Eine Internetseite mit Informationen für Frauen in Not finden Sie unter dwwi.de.

 

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