Am zweiten Jahrestag des Anschlags von Hanau ist in Wiesbaden der Opfer erinnert worden. Zuerst auf dem Luisenplatz, dann vor dem Rathaus.

Der Ausländerbeirat Wiesbaden hat sich am Samstagabend auf dem Derwischen Gelände mit einem Stillem Gebet an dem Gedenken an die Opfer des Anschlags vom 19. Februar 2020 in Hanau beteiligt. Bei dem rechtsextremen Terrorakt wurden eine Bürgerin und acht Bürger mit familiärer Migrationsgeschichte ermordet.

„Nicht zuletzt aufgrund der räumlichen Nähe zwischen unseren Städten hat uns dieser Anschlag auch in Wiesbaden traurig, bestürzt und fassungslos gemacht.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Der Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI) hatte mit seinen Mitgliedern, Netzwerken und zivilgesellschaftlichen Organisationen bei der Stadt angefragt, ob sie sich übers Wochenende auch beteiligen möchte – an dem Gedenken, an dem Erinnern in diverse Veranstaltungen und unterschiedlichen Formaten um an den Anschlag zu erinnern und zum Widerstand gegen Rassismus und rechte Gewalt aufzurufen.

„Wir gedenken heute den ermordeten Menschen – und sind in Gedanken bei ihren Familien. Rechte Gewalt und Antisemitismus scheinen in Teilen unserer Gesellschaft wieder hoffähig zu sein. Aber für Hass und Hetze darf in diesem Land kein Platz sein.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Veranstaltungen und Formate folgen dem Anliegen der Angehörigen, die in den sozialen Medien Pandemie bedingt um dezentrale Aktionen gebeten haben und bitten, der Opfer zu gedenken und Solidarität mit ihnen auszudrücken. In der Landeshaupt- stadt Wiesbaden wurde zu diesem Anlass am Samstagabend eine Lichtprojektion die Porträts der Opfer mit Schriftzügen und Botschaften zum Attentat auf eine Leinwand am Rathaus (Dern’sches Gelände) projiziert. Träger der Aktion sind der BZI, die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen – Landes- ausländerbeirat (agah-LAB) und der Ausländerbeirat Wiesbaden.

„Wir Deutschen tragen – mehr noch als alle anderen Nationen – die Verpflichtung in uns, eine Rückkehr von Intoleranz, Hass und Gewalt mit allen Kräften zu verhindern. Und eines möchte ich betonen: die Landeshauptstadt Wiesbaden steht fest und unverrückbar im Kampf gegen Ausländerfeind- lichkeit, Antisemitismus und rechte Gewalt.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Der Landesvorsitzender der agah-LAB Enis Gülegen ergänzte, dass Hanau leider ein weiterer trauriger Höhepunkt in der langen Kette rassistischer Morde an Bürgern mit Migrationshintergrund sei. Man verkenne auch zwei Jahre danach die Zusammenhänge. Viele nähmen Rassismus nur dann wahr, wenn er Menschenleben gekostet habe. Man ignoriere, dass diese Morde eine Legitimationsebene haben. 

„Der Täter gab seinen Opfern nach Äu- ßerlichkeiten einen Namen: Fremd. Genau dieser Gedanke gegen das ‚Fremde‘ darf unter uns nicht Ober- hand gewinnen. Auch wenn der rassistische Anschlag in Hanau tiefe Gräben hinterlassen hat, ist es stets unsere Aufgabe zu reflektieren, welche menschenverachtenden Folgen diese Art der Denke haben kann.“ – Ibrahim Kızılgöz, Vorsitzender des Ausländerbeirats Wiesbaden

Wer akzeptiere, dass Menschen im Arbeitsleben, auf dem Wohnungsmarkt, in der Schule, überall im Alltag diskriminiert, anders behandelt, benachteiligt würden, der liefere die Legitimation für rassistische Übergriffe. In der letzten Konsequenz kosten diese verbrecherischen Taten Menschenleben. Wenn wir nicht mit aller Kraft das Grundübel, die Diskriminierung und Andersbehandlung bekämpfen, werden wir bald die nächsten Morde zu beklagen haben. Dann wird es ein anderer Ortsname sein, mit dem wir das Undenkbare, das Unmenschliche, das Verbrecherische verbinden. Diese traurige Gewissheit ist auch das Furchtbare an den Morden in Hanau zwei Jahre danach, so Galgen weiter.

Stilles Gedenken

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Photo oben @2022 Volker Watschounek

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Die offizielle Internetseite vom Ausländerbeirat Wiesbaden finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

 

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