Christian Naujoks erhält das Follow Fluxus-Stipendium. In Wiesbaden erforscht er Klang, Wahrnehmung und Fragilität des Hörens.
Manchmal genügt ein leiser Ton, um Gewissheiten ins Rutschen zu bringen. Wiesbaden setzt in diesem Jahr genau auf diese Irritation. Das Follow Fluxus-Stipendium 2025/26 geht an Christian Naujoks – einen Künstler, der sich nicht damit zufriedengibt, Klang zu erzeugen. Er zerlegt ihn, verschiebt ihn, stellt ihn in Frage.
Follow Fluxus-Stipendium
Seit 2008 vergibt die Stadt gemeinsam mit dem Nassauischen Kunstverein das Follow Fluxus-Stipendium. Es richtet sich an internationale Positionen, die den Geist der Fluxus-Bewegung aufnehmen und weitertragen. Fluxus, das war nie abgeschlossen. Fluxus wollte Bewegung, Offenheit, Spiel – und genau darin liegt bis heute seine eigentliche Kraft.
Hören als fragile Erfahrung
Naujoks nimmt den Impuls der Fluxus-Bewegung auf und führt ihn in eine Gegenwart, die vom permanenten Rauschen geprägt ist. Seine Arbeiten kreisen um das Hören selbst. Nicht als passiven Vorgang, sondern als etwas, das entsteht, sich verändert, manchmal auch scheitert.
Ausgehend von eigenen Erfahrungen mit Tinnitus entwickelt er eine künstlerische Praxis, die das Fragile nicht verbirgt, sondern sichtbar – oder besser: hörbar – macht. Klänge kippen, übersteuern, lösen sich auf. Räume beginnen zu vibrieren. Und plötzlich stellt sich eine einfache Frage neu: Was hören wir eigentlich – und warum?
Wiesbaden als Resonanzraum
Von Juni bis August wird Naujoks in Wiesbaden arbeiten. Die Stadt wird dabei mehr als Kulisse sein. Sie wird Resonanzraum. Orte werden zu Bühnen, Besucher zu Teilnehmenden. Klanginstallationen treffen auf performative Elemente, Beteiligung wird Teil der Erfahrung.
Das Verfahren selbst hat sich in diesem Jahr geöffnet. 408 Bewerbungen gingen ein, erstmals konnten sich Künstler direkt bewerben. Die Jury entschied einstimmig – ein seltenes Zeichen in einer Zeit, die sich gern im Dazwischen verliert.
Fluxus lebt – leise und bestimmt
Was bleibt, ist kein fertiges Werk, sondern ein Prozess. Eine Einladung, genauer hinzuhören. Vielleicht auch, sich selbst beim Hören zu beobachten.
So kehrt Fluxus nach Wiesbaden zurück – nicht als historische Referenz, sondern als Haltung. Leise, präzise, fast beiläufig. Und gerade deshalb so wirksam.
Zur Person Christian Naujoks
Christian Naujoks (geboren 1980, lebt in Berlin) ist Komponist, Musiker und Künstler. Seine Arbeiten waren international in einer Vielzahl von Kontexten zu hören und zu sehen wie zum Beispiel im Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft, der Galerie Max Mayer, Düsseldorf, den KW Institute for Contemporary Art, Berlin, im Museum of Contemporary Art Santa Barbara, Kalifornien, bei Sonic Somatic, Florenz sowie in der Elbphilharmonie, Hamburg und der Royal Academy of Arts, London. Seine künstlerische Forschung präsentiert er dieses Jahr am Rhythmic Music Conservatory, Kopenhagen. Er veröffentlichte mehrere Alben bei dem Berliner Label Dial Records und wurde 2019 mit dem Villa Romana-Preis ausgezeichnet. Werke von Christian Naujoks befinden sich unter anderem in der Sammlung des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21.
Foto oben © 2026 LH Wiesbaden
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