Joos van de Plas folgt im Museum Wiesbaden den Spuren Maria Sibylla Merians und verwandelt Forschung, Reise und Natur in starke Bilder.
Im Museum Wiesbaden begegnen sich aktuell zwei Künstlerinnen, die Jahrhunderte trennen und doch ein gemeinsamer Blick verbindet. Joos van de Plas nähert sich dem Werk von Maria Sibylla Merian nicht ehrfürchtig aus der Distanz. Sie folgt ihr, widerspricht ihr, denkt sie weiter – mit Farbe, Bewegung und einem leisen Staunen.
Museum Wiesbaden, kurz gefasst
Sonderausstellung – Rotonde in het Oerwoud – Der Kreisel im Dschungel
Neueröffnung des Dauerausstellungsbereichs zum Wandel in der Natur
Eintritt: 12,00 Euro, ermäßigt 9,00 Euro
Öffnungszeiten:
Mo geschlossen | Di, Mi, Fr 10:00—17:00 Uhr | Do 10:00—21:00 Uhr
Sa, So, Feiertage 10:00—17:00 Uhr
Wo: Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur, Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Ein frühes Bild, das bleibt
Die Geschichte beginnt unspektakulär. Ein Besuch bei der Tante in Mainz, ein Blick auf Merians Arbeiten – und etwas setzt sich fest. Van de Plas schaut genauer hin, liest Linien, verfolgt Formen. Was zunächst wie Illustration wirkt, entfaltet für sie eine Welt: Metamorphosen, Kreisläufe, Übergänge. Kunst wird hier nicht Dekoration, sondern Erkenntnis.
Diese frühe Begegnung lässt sie nicht los. Sie reist später selbst nach Suriname, dorthin, wo Merian forschte. Sie sieht nicht nur Pflanzen und Insekten, sie erlebt Bewegung, Hitze, Verdichtung. Aus dieser Erfahrung entsteht ihr Bilderzyklus Rotonde in het Oerwoud – Der Kreisel im Dschungel.
Bilder, die sich drehen
Im Museum Wiesbaden hängt dieser Zyklus nicht still an der Wand. Er fordert den Blick heraus. Farben kreisen, Linien ziehen den Raum auf, Motive verschieben sich. Wer stehen bleibt, merkt schnell: Diese Bilder wollen nicht betrachtet werden, sie wollen erlebt werden.
Van de Plas greift Merians Interesse an Verwandlung auf, löst es jedoch aus der reinen Beobachtung. Sie übersetzt es in Bewegung. In der Installation Butterfly Cloud verdichten sich Formen zu einem flirrenden Feld, das zugleich Ordnung und Auflösung zeigt. Filmische Arbeiten wie Triptych Wake treiben diese Dynamik weiter: Bilder fließen, kippen, entstehen neu.
Ein Dialog über Disziplinen hinweg
Das Museum setzt diesen Zyklus bewusst an den Anfang der naturhistorischen Sammlung. Es zwingt keinen Gegensatz zwischen Kunst und Wissenschaft auf. Es öffnet einen Dialog. Wer hier eintritt, begegnet nicht nur Objekten, sondern Denkweisen.
Merians akribische Studien treffen auf van de Plas’ freie Bildsprache. Beide suchen Erkenntnis – die eine mit dem Stift, die andere mit malerischer Bewegung. Dazwischen entsteht ein Raum, der Fragen stellt: Wie sehen wir Natur? Wie erzählen wir sie?
Ein Haus in Bewegung
Die Macher der Ausstellung nutzen die besondere Lage zwischen Rheinregion und niederländischem Kulturraum. Es knüpft Verbindungen, die historisch gewachsen sind, und führt sie weiter. Bereits früh zeigte es Werke von van de Plas, nun verankert es sie dauerhaft im Ausstellungskonzept.
Auch der Maria-Sibylla-Merian-Preis, der erstmals zugleich an Kunst und Naturwissenschaft geht, unterstreicht diesen Anspruch. Hier geht es nicht um Abgrenzung. Hier geht es um Übergänge.
Und vielleicht liegt genau darin die Stärke dieses Ortes: Er hält die Dinge nicht fest. Er lässt sie kreisen – wie einen Gedanken, der sich erst im Weiterdenken entfaltet.
Bild – Ausstellungsansicht mit Komodowaran. ©2026 Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
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Mehr vom Museum Wiesbaden finden Sie unter museum-wiesbaden.de.



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