Beim Ordensabend der Dacho werden jene gewürdigt, die die Fastnacht tragen: Ehrenamtliche, Familien und Vereine, ohne die keine Kampagne gelingen würde.
Der Festsaal füllte sich früh an diesem Mittwochabend. Rund 160 Fastnachter waren gekommen, um jene zu feiern, die das närrische Brauchtum tragen, organisieren und über Jahre hinweg am Leben halten. 48 von ihnen standen im Mittelpunkt des Abends: Sie erhielten den Närrischen Stadtorden der Dacho – eine Auszeichnung für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement. Es war ein Abend des Lachens und des Schmunzelns. Vor allem aber war es ein Abend, der sichtbar machte, wie viel Arbeit, Zeit und Verantwortung hinter jeder gelungenen Kampagne stecken.
Humor mit Haltung
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende eröffnete die Veranstaltung mit einer Rede, die leichtfüßig begann und ernst endet. Er spielte mit Jubiläumszahlen, griff Kampagnenmotti auf, jonglierte mit närrischer Symbolik – und traf doch einen Punkt, der über den Abend hinausweist. Fastnacht, sagte Mende, sei mehr als Unterhaltung. Sie trage Gemeinschaft, gerade in Zeiten sozialer und politischer Spannungen.
„Sie alle stehen seit Jahrzehnten für gelebte Fastnacht“, betonte der OB. „Sie pflegen Traditionen, verbinden Generationen und zeigen, dass Lachen und Zusammensein auch dann tragen, wenn die Welt lauter wird.“ Der Saal hörte zu, lachte an den richtigen Stellen, applaudierte – und erkannte sich wieder, wenn Mende über die besondere „Feierzeit“ sinnierte, die sich in diesem Jahr aus 75, 77 und weiteren närrischen Zahlen zusammensetzen würde.
Kritik mit Witz – ein demokratischer Raum
Fastnacht, so Mende weiter, lebte vom kritischen Blick. Sie nehme Macht aufs Korn, kommentiere das Zeitgeschehen und halte der Gesellschaft den Spiegel vor – bunt, frech, manchmal brachial, aber immer gemeinschaftlich. Wenn Mächtige „auf die Schippe kommen“, sei das keine Respektlosigkeit, sondern gelebte Demokratie. Der Saal nickte, klatschte, und für einen Moment wurde spürbar: Fastnacht ist nie nur Folklore. Sie ist Teil der politischen Kultur.
Das Ehrenamt – sichtbar und unsichtbar
Im Zentrum des Abends standen jene, die lange vor dem ersten Tusch beginnen und weit nach dem letzten Helau weitermachen. Menschen, die Bühnen aufbauen, Kostüme nähen, Kinder betreuen, Protokolle schreiben, Tänze einstudieren, Reden vorbereiten, Wagen ziehen oder LKWs steuern. Über 40 Ehrenamtliche ehrten der OB und der Wiesbadens Stadtverordnetenvorsteher mit der Dacho an diesem Abend – und Mende verlor dabei auch jene nicht aus dem Blick, die meist unsichtbar bleiben.
Dazu gehören Familien, Partnerinnen und Partner, die Rückhalt geben, Termine ermöglichen und Ausfälle kompensieren. „Fastnacht ist ein Gemeinschaftswerk“, sagte Mende sinngemäß – und meinte damit mehr als den Verein allein.
Würdigung mit Namen und Geschichten
Nach dem Oberbürgermeister übernahm Simon Rottloff, Vorsitzender der Dacho. Er fungierte am 4. Februar zugleich als Protokollant des Abends, nannte Namen, zeichnete Biografien nach und zeigte die beeindruckende Bandbreite des Engagements in den Wiesbadener Vereinen auf. Er dankte Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Verwaltung – und hob ausdrücklich hervor, dass Wiesbaden die Kosten der Straßenreinigung beim Fastnachtszug nicht auf die Vereine abwälze.
„Diese Unterstützung ist nicht selbstverständlich“, sagte Rottloff. „Sie ist ein Zeichen von Wertschätzung.“ Ein Satz, der hängen bleibt.
Wenn die Jüngsten den Ton angeben
Mit dem Kinderprinzenpaar Viktoria I. und Noah I. zog frischer Wind in den Saal. Ihr gereimtes Protokoll war charmant, pointiert und überraschend souverän vorgetragen. Sie erzählten vom Traum, einmal Kinderprinzenpaar zu sein – und von der Verantwortung, die plötzlich mit Konfetti, Kamelle und öffentlicher Bühne einhergeht. Sie dankten Sponsoren, Vereinen und der Stadt, bevor sie den Saal mit drei kräftigen Helau eroberten. Der Applaus war laut, herzlich und ehrlich.

Ein Bild der Vielfalt
Als sich die Dachogarde formierte, verdichtete sich das Gefühl eines großen Ganzen. Junge Frauen aus zahlreichen Vereinen standen nebeneinander, trugen ihre Farben, repräsentierten ihre Gruppen – und zeigeen, wie viele Wege in Wiesbaden zu einem gemeinsamen Ziel führen können. Rottloff stellte jede Tänzerin, jede Trainerin, jede Betreuerin einzeln vor. Es dauerte – und niemanden störte es, denn diese Aufmerksamkeit gehört zur Würdigung.
Im Anschluss begann dann der Reigen der Ehrungen. Die Närrischen Stadtorden wurdenvon Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und dem Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr überreicht. Jeder Name wurde aufgerufen, jede Leistung kurz gewürdigt, jeder Applaus bewusst gesetzt. Der Akt war feierlich, aber nicht steif – so, wie es zur Fastnacht passt.
Die stillen Trägerinnen der Fastnacht
Seit elf Jahren steht Sabrina Neeb für jene Form von Engagement, die selten auf Bühnen landet, aber jede Veranstaltung zusammenhält. Aufbau, Abbau, Kinderbetreuung, Organisation hinter den Kulissen – sie hilft, bevor man sie fragt, und bleibt, wenn andere längst gegangen sind. Ihre Ehrung wirkt wie ein leiser Dank an all jene, die die Fastnacht im Hintergrund tragen, hieß es in der Laudatio.
Auch Samantha Neeb ist seit elf Jahren aktiv. Ihr Weg führt von der Kindergruppe über die Showtime-Formation bis in organisatorische Verantwortung. Heute leitet sie Dienste, strukturiert Abläufe und trainiert den Nachwuchs. Beide Laudationen erzählen davon, wie Tradition in Familien weitergegeben wird – behutsam und zugleich kraftvoll, ging es weiter.
Rückgrat, Verantwortung und Verlässlichkeit
Eine zentrale Rolle spiele Natascha Niebling, die seit Jahren tanze, trainiere, organisiere und Strukturen stabilisiere. Sie würde Garden zusammenhalten, fange Ausfälle auf und sorge dafür, dass Abläufe tragen würden. Der Applaus für sie fiel besonders herzlich aus – wohl auch, weil viele im Saal wissen, wie oft sie im Hintergrund Probleme gelöst hat.
Exemplarisch sei auch der Weg von Dominic Hummel, der als Moderator auf Kindersitzungen begonnen hätte und heute einen Verein leiten würde. Sein Engagement zeigte, wie Ehrenamt Menschen wachsen ließe – und wie Verantwortung Schritt für Schritt entstünden. Stefanie Boyd wiederum wurde für ihre Arbeit als Betreuerin und Organisatorin geehrt: für ihre Fähigkeit, Gruppen durch schwierige Phasen zu führen und Gemeinschaft zu stiften, ohne viel Aufhebens darum zu machen.
Technik, Logistik und die Unsichtbaren
Nicht minder entscheidend sind jene, die Fastnacht technisch und logistisch möglich machen. Christian Schulte sorge als Techniker dafür, dass Abende reibungslos laufen – oft unbemerkt, immer zuverlässig. Manuel Fey unterstütze seit 2012 Auf- und Abbau, begleitet Veranstaltungen und übernehme Aufgaben, die niemand sehe, aber alle spüren.

Besonders still wurde es bei der Ehrung von Steffen Gurdulic, der seit Jahren LKWs samt Fahrern für den Fastnachtszug stellt – aus eigener Tasche. „Du hältst die Fastnacht am Laufen – im ganz wörtlichen Sinne“, sagte Rottloff. Der Applaus wirkte wie ein kollektives Nicken. Auch Frauke Kappesser wurde als Möglichmacherin gewürdigt, die Sponsorenkontakte knüpfe, Logistik stärke und Vereinen helfe, Projekte überhaupt realisieren zu können.
Mehr als ein Orden
Die Verleihung der Närrischen Orden im Festsaal feierte nicht das schrille Spektakel, sondern das Fundament. Er zeigte eine Stadt, die ihr Ehrenamt ernst nimmt – und eine Fastnachtsgemeinschaft, die sich nicht über Lautstärke definiert, sondern über Zusammenhalt, Humor und Vielfalt.
Als der Saal schließlich in ein letztes „Helau“ fiel, bleibt ein Eindruck zurück, der klarer kaum sein könnte: Fastnacht lebt, weil Menschen sie leben.
Bild – Einzug von Viktoria I. und Noah I. ©2026 Volker Watschounek
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