Kubicki stärkte der FDP in Wiesbaden den Rücken – mit klaren Worten zu Wirtschaft, Bildung und Citybahn im Endspurt der Kommunalwahl.
Gut zwei Wochen vor der Kommunalwahl am 15. März suchte die Freie Demokratische Partei in Wiesbaden die große Bühne – und fanden sie im festlich ausgeleuchteten Schloss Henkel. Zwischen hohen Decken, Marmorboden und diskretem Kronleuchterlicht versammelten sich Parteimitglieder, Unterstützer, Vertreter aus Wirtschaft und Stadtgesellschaft. Die Botschaft des Abends: Die FDP wollte zeigen, dass sie nicht nur kommunal dachte, sondern bundespolitisch eingebunden blieb.
Wolfgang Kubicki, zur Person
Wolfgang Kubicki, geboren am 3. März 1952 in Braunschweig, zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Gesichtern der Freien Demokraten. Bereits 1971 trat er mit 19 Jahren der FDP bei. Seine politische Laufbahn begann 1972 als stellvertretender Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbands, 1975 übernahm er den Landesvorsitz der Jungdemokraten in Schleswig-Holstein. Von 1976 bis 1988 gehörte er dem Landesvorstand der FDP Schleswig-Holstein an, später führte er den Kreisverband Rendsburg-Eckernförde und wurde 1989 Landesvorsitzender. Mehrfach war er Mitglied des FDP-Bundesvorstands. Seit 1990 zog er viermal in den Deutschen Bundestag ein. Von 2017 bis 2025 amtierte er als Vizepräsident des Bundestags. Kubicki studierte Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft in Kiel und arbeitet seit 1985 als Rechtsanwalt.
Als Gastredner trat Wolfgang Kubicki ans Mikrofon – scherzhaft, polemisch, kampfeslustig. Ein bundespolitisches Schwergewicht, das seiner Partei im Wahlkampf sichtbar Rückhalt gab.
Diers eröffnete – Kubicki zündete
Zunächst sprach Christian Diers, Spitzenkandidat der Wiesbadener Liberalen. Er zeichnete das Bild einer Stadt am Wendepunkt. Wiesbaden stehe wirtschaftlich unter Druck, kämpfe mit steigenden Kosten, Leerstand in der Innenstadt und wachsender Unzufriedenheit über die Verkehrspolitik. Diers erzählte von einem leeren Schaufenster nahe der Bonifatiuskirche, vom Traditionsgeschäft Listmann, das nach 136 Jahren in den vergangenen Wochen geschlossen hatte. Kein Skandal, kein Knall – sondern ein schleichender Prozess. „Die Innenstadt stirbt nicht auf einmal. Sie stirbt langsam“, mahnte er.
Die FDP wolle gegensteuern: mehr Parkraum statt Parkplatzabbau, schnellere Genehmigungen, sichtbare Stadtpolizei, bessere Beleuchtung, digitale Verkehrssteuerung. Vor allem aber wolle sie „ideologische Experimente“ beenden. Die Kommunalwahl entscheide darüber, wie Wiesbaden 2031 aussehe.
Dann übernahm Kubicki – und hob die Debatte auf eine größere Bühne.
Kubicki: Angriffslustig, pointiert, bundespolitisch
Kubicki begann mit Dank, wechselte aber schnell in den Angriffsmodus. Zwischen Ironie und Zuspitzung entfaltete er eine Grundsatzrede über Marktwirtschaft, Staat und Freiheit. Subventionen, so seine These, retteten keine schlechten Produkte. Wer Innovation wolle, müsse Wettbewerb zulassen. Er erzählte von technischen Umbrüchen, von Smartphones, die sich nicht wegen staatlicher Förderung, sondern wegen Qualität durchgesetzt hätten. Der Staat solle Rahmen setzen, nicht Ergebnisse planen.
Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund. Er kritisierte eine Politik, die aus seiner Sicht zu stark reguliere und zu schnell Verbote ausspreche. Freiheit bedeute, Menschen Entscheidungen zuzutrauen – im Markt, im Alltag, im Netz. Immer wieder griff er aktuelle Debatten auf: Meinungsfreiheit, Altersgrenzen für soziale Medien, staatliche Kontrolle. Er warnte davor, politische Probleme mit immer neuen Gesetzen lösen zu wollen.
Das Publikum reagierte mit Applaus, aber auch mit konzentrierter Stille. Kubicki sprach schnell, setzte Pointen, schob persönliche Anekdoten ein. Er erinnerte an seine Zeit als Anwalt, betonte Leistungsgedanken in Bildung und Wirtschaft und stellte die Frage, wie Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit sichern wolle, wenn es Bürokratie ausbaue statt abbaue.
Bildung, Integration, Leistung
Einen breiten Raum nahm die Bildungspolitik ein. Kubicki kritisierte marode Schulgebäude, unzureichende Investitionen und sinkende Leistungsstandards. Deutschland investiere im internationalen Vergleich zu wenig in Bildung, obwohl dort die Grundlagen für Wohlstand und Verteidigungsfähigkeit entstünden. Er forderte klare Sprachstandards vor der Einschulung und stärkere Leistungsorientierung.
Auch die Integrationspolitik sprach er offen an. Wer dauerhaft in Deutschland leben wolle, müsse die Sprache beherrschen und sich integrieren. Einbürgerung ohne ausreichende Sprachkenntnisse lehnte er ab. Die liberale Handschrift zeige sich im Rechtsstaat, in klaren Regeln und im Vertrauen auf individuelle Verantwortung.
Seitenhieb auf die Citybahn
Am Ende holte Kubicki die Bundespolitik zurück in die Wiesbadener Gegenwart. Das Thema Citybahn ließ er nicht aus. Diers Worte hallten nach, erinnerte er doch an den Bürgerentscheid von 2020 und erklärte, mit der FDP werde es keine Neuauflage geben. Große Infrastrukturprojekte, so sein Argument, versprächen Fortschritt, könnten aber Städte jahrelang belasten, mahnte Kubicki.
Mit einem Seitenblick nach Berlin erwähnte er jüngste Sabotagefälle, bei dem Stromkabel durchtrennt wurden und Straßenbahnstrecken lahm legten. Mit einer Anekdote aus seiner Hamburger Zeit schilderte er, wie Schnee und Eis den Verkehr lahm legten, und Straßenbahnen nicht fuhren, weil Weichen eingefroren waren. Seine Pointe: Technik allein garantiere keine Verlässlichkeit.

Signal nach innen und außen
Der Abend im Schloss Henkel wirkte wie ein doppeltes Signal. Nach innen demonstrierte die FDP Geschlossenheit und Kampfbereitschaft. Nach außen setzte sie mit auf das bundespolitisches Profil. Kubicki verlieh dem Wahlkampf Schärfe, gab ihm Richtung und Emotionalität.
Ob die Mischung aus wirtschaftsliberaler Grundsatzrede und kommunalpolitischen Forderungen die Parteimitglieder und ihre Freunde überzeugen konnten, blieb offen. Klar wurde: Die FDP wollte im Endspurt der Kommunalwahl nicht moderat verwalten, sondern deutlich opponieren – gegen Subventionspolitik, gegen neue Regulierungen, gegen eine Wiederbelebung der Citybahn.
Die Veranstaltung schloss mit einem 30-minütigen Speed-Dating, bei dem sich die FDP-Kandidaten in persönlichen Runden den Fragen der Wähler stellten: Christian Diers, Sylvia Schob, Dr. Lucas Schwalbach, Sebastian Rutten und Alexander Winkelmann.
Der Applaus im Schloss Henkel fiel kräftig aus. Am 15. März sollte sich zeigen, wie weit er trug
Foto – Wolfgang Kubicki im Schloss Henkel ©2026 Volker Watschounek
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