Für 1592 Passanten bleiben während der Pandemie das Einkaufen und der Einzelhandel die wichtigsten Gründe um in die Innenstadt zu kommen.

Wiesbadens Innenstadt steht vor großen Herausforderungen. Das ist länger bekannt. Mit der Corona-Pandemie werden sie jetzt allerdings sehr viel deutlicher. Wiesbadens Oberbürgermeister sagt, dass Corona vielerorts zeige, in welche Richtung sich Innenstädte entwickeln würden, wenn der Strukturwandel weiter voran schreite und nicht aktiv gegengesteuert wird. Was jeder bei seinem Streifzug durch die Innenstadt beobachtet, belegt das Forschungsprojekt Wiesbadener Innenstadt im Wandel. Die Daten des Forschungsprojekts wurden von Juni bis August 2021 durch das Amt für Statistik und Stadtforschung und dem  Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erhoben.

Die gezielte Steuerung des Wandels war mir schon vor der Pandemie ein großes Anliegen. Im Dezernat haben wir hierzu den „Masterplan Innenstadt“ entwickelt und daraus hervorgehend das „Restart City-Programm“ gestartet. So konnten wir mit punktuellen Einzelaktionen die Innenstadt (wieder-)beleben und die positive Entwicklung einleiten.“ – Bürgermeister Oliver Franz

Etliche Besucher beklagen in den Einkaufsstraßen einen einseitigen Branchenmix und den Trend zu großen Ketten. Damit einherginge ein Verlust an Individualität. Das zeige sich auch im Stadtbild. Der Einzelhandel und die Gastronomie selbst sehen neben den Ladenschließungen, pandemiebedingt vereinsamten Fußgängerzonen. Eine weitere Herausforderung neben dem nicht ausgewogenen Branchenmix seien die Digitalisierung – und das obwohl bereits 86 Prozent des Einzelhandels online präsent sind.

„Auch wenn die Wiesbadener Innenstadt weiter ein Ort des Einkaufens und Konsumierens bleiben wird und soll, wollen wir einer zunehmenden Monotonie entschieden entgegentreten.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe so Mende.

Image und Atmosphäre, beispielsweise durch mehr Sauberkeit, eine ansprechendere Gestaltung des öffentlichen Raums oder besseres Parkmanagement sind für die professionellen innerstädtischen Akteure wesentliche Rahmenbedingungen für den Erfolg. Sie sorgen nicht nur für mehr Leben in der Innenstadt sondern auch dafür, den pandemiebedingten Umsatzrückgang von mindestens 25 Prozent bei mehr als der Hälfte der Einzelhändler aufzufangen. Ein weiterer wesentlicher Faktor aus Sicht der Befragten, seien innovative und alternative Geschäfts- und Ladenkonzepte, denen jedoch ein großes Hindernis im Wege steht: das innerstädtische Mietniveau. 94 Prozent der Einzelhändler empfinden die Mietkosten als gewisse oder große Belastung. Entsprechend deutlich ist der Wunsch nach niedrigeren Mieten.

„Der vorliegende Bericht bietet hierfür eine gute wissenschaftliche Grundlage und Ergänzung zum Masterplan Innenstadt.“ – Bürgermeister Dr. Oliver Franz 

Eine pro-aktive Innenstadtentwicklung und ein kreativer Umgang mit unvermeidbaren Leerständen, der die Chancen sieht und nicht die Probleme in den Vordergrund stellt, wird für Wiesbaden in den kommenden Jahren von großer Bedeutung sein, ergänzt der Oberbürgermeister.

1600 Passanten und 130 Unternehmen

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden durch 106 Studierende des Geographischen Instituts der Universität Mainz insgesamt rund 1600 Passanten interviewt, circa 130 Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Gastronomie geführt und der Status Quo der Wiesbadener Innenstadt in Karten und Fotografien dokumentiert. Flankiert wurde diese Arbeit durch eine Online-Befragung des Wiesbadener Einzelhandels durch das Amt für Statistik und Stadtforschung, an der sich 106 Einzelhändlerinnen und Einzelhändler beteiligten.

Archivbild ©2022 Volker Watschounek

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Die Wiesbadener Stadtanalyse können Sie sich unter www.wiesbaden.de herunterladen.

 

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