Wiesbaden trotzt Unterzahl, Aue verzweifelt. Das 2:2 besiegelt den historischen Abstieg der Gastgeber trotz später Hoffnung.
Der SV Wehen Wiesbaden hat im Erzgebirge ein Spiel geprägt, das am Ende nicht nur Punkte verteilte, sondern auch über ein Schicksal entschied. Beim 2:2 gegen FC Erzgebirge Aue hielt Wiesbaden selbst in Unterzahl dagegen – und besiegelte damit den historischen Abstieg der Gastgeber.
Die Partie begann verhalten, fast zäh. Doch Wiesbaden nutzte früh den ersten klaren Moment. Nach einem schnellen Angriff schob Moritz Flotho überlegt zur Führung ein. Aue reagierte sofort, suchte den Weg nach vorn und glich wenig später aus. Das Spiel nahm Fahrt auf, ohne jedoch an Struktur zu gewinnen.
Spiel kippt – aber nicht zugunsten von Aue
Nach der Pause drückte Wiesbaden stärker, spielte mutiger, zielstrebiger. Dann der Wendepunkt: Niklas May sah Gelb-Rot, Wiesbaden musste mit zehn Mann weitermachen. Was nach einem Vorteil für Aue aussah, verpuffte erstaunlich schnell.
Stattdessen traf Tarik Gözüsirin – und zwar spektakulär. Seine Ecke segelte direkt ins Tor. Ein Moment, der die Stille im Stadion greifbar machte. Aue lief nun erneut einem Rückstand hinterher, obwohl ein Mann mehr auf dem Platz stand.
Später Ausgleich, keine Rettung
Aue kämpfte, warf alles nach vorn, traf schließlich durch Moritz Seiffert zum 2:2. Doch der Treffer kam zu spät. Die letzten Minuten liefen hektisch, geprägt von Zufällen, geblockten Schüssen und einer wachsenden Nervosität.
Ein Aufbäumen blieb aus. Wiesbaden verteidigte diszipliniert, hielt die Räume eng und ließ kaum noch klare Chancen zu. Als der Schlusspfiff ertönte, breitete sich Stille aus. Für Aue endete die Drittligazeit – erstmals nach 80 Jahren.
Wiesbaden mit Charakter
Für den SV Wehen Wiesbaden bedeutete das Remis sportlich wenig, doch es zeigte Haltung. Die Mannschaft spielte trotz Unterzahl mutig, blieb konzentriert und nutzte ihre Momente konsequent. Ein Auftritt, der Selbstvertrauen geben kann – auch mit Blick auf das Pokalfinale.
Stimmen zum Spiel
Stritzel beschrieb das Spiel aus seiner Perspektive als zwiespältig. Die Rückkehr auf den Platz habe ihm spürbar gutgetan, die Atmosphäre im Stadion habe er bewusst aufgenommen. Gleichzeitig blieb ein Gefühl von verpasster Gelegenheit. Das Remis sei bitter, weil Wiesbaden die Führung in der zweiten Halbzeit nicht verteidigen konnte. Gerade nach dem 2:1 habe er gehofft, den Vorsprung ins Ziel zu bringen. Stattdessen nutzte Aue seine wenigen Chancen konsequent. Mehrfach seien die Gastgeber gefährlich vor seinem Tor aufgetaucht und hätten daraus Kapital geschlagen.
Auch Daniel Scherning ordnete die Partie ohne Umschweife ein. Er sah ein Spiel mit Licht und Schatten und erkannte durchaus die Möglichkeiten seiner Mannschaft. Wiesbaden habe es jedoch nicht geschafft, nach den eigenen Treffern Kontrolle zu gewinnen und die Führung zu stabilisieren. Genau darin habe der Schlüssel gelegen, um das Spiel zu entscheiden.
Tabelle 3. Liga, 35. Spieltag
| Pl. | Team | Sp. | S | U | N | Tore | Diff. | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | VfL Osnabrück | 35 | 22 | 7 | 6 | 58:28 | 30 | 73 |
| 2 | Rot-Weiss Essen | 34 | 18 | 10 | 6 | 72:56 | 16 | 64 |
| 3 | Energie Cottbus | 34 | 18 | 9 | 7 | 66:48 | 18 | 63 |
| 4 | MSV Duisburg | 35 | 18 | 9 | 8 | 63:47 | 16 | 63 |
| 5 | Hansa Rostock | 35 | 16 | 12 | 7 | 64:42 | 22 | 60 |
| 6 | SC Verl | 35 | 16 | 10 | 9 | 75:47 | 28 | 58 |
| 7 | Alemannia Aachen | 35 | 17 | 6 | 12 | 66:55 | 11 | 57 |
| 8 | TSV 1860 München | 35 | 15 | 10 | 10 | 52:47 | 5 | 55 |
| 9 | SV Waldhof Mannheim | 35 | 15 | 6 | 14 | 56:63 | -7 | 51 |
| 10 | SV Wehen Wiesbaden | 35 | 14 | 8 | 13 | 49:47 | 2 | 50 |
| 11 | FC Viktoria Köln | 34 | 14 | 5 | 15 | 48:47 | 1 | 47 |
| 12 | Jahn Regensburg | 35 | 13 | 7 | 15 | 52:55 | -3 | 46 |
| 13 | FC Ingolstadt 04 | 35 | 11 | 10 | 14 | 55:49 | 6 | 43 |
| 14 | VfB Stuttgart II | 34 | 12 | 7 | 15 | 43:56 | -13 | 43 |
| 15 | TSG Hoffenheim II | 35 | 11 | 7 | 17 | 61:65 | -4 | 40 |
| 16 | 1. FC Saarbrücken | 34 | 8 | 14 | 12 | 42:49 | -7 | 38 |
| 17 | SSV Ulm 1846 Fußball | 35 | 9 | 5 | 21 | 46:72 | -26 | 32 |
| 18 | TSV Havelse | 34 | 7 | 8 | 19 | 50:75 | -25 | 29 |
| 19 | Erzgebirge Aue | 35 | 5 | 12 | 18 | 42:65 | -23 | 27 |
| 20 | 1. FC Schweinfurt 05 | 35 | 5 | 4 | 26 | 31:78 | -47 | 19 |
Archivfoto – Moritz Flotho ©2026 Volker Watschounek
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