Die ausgezeichnete Autorin Dorothee Elmiger kommt nach Wiesbaden und bringt einen Roman mit, der Grenzen verschiebt und Fragen offenlegt.
Wenn Dorothee Elmiger liest, entsteht kein ruhiger Abend. Ihre Texte treiben voran, sie graben, sie lassen kaum Halt. Am 30. April stellt sie ihren Roman „Die Holländerinnen“ im Villa Clementine vor – und die Nachfrage zeigt, wie sehr dieses Schreiben bewegt: Der Vorverkauf ist bereits erschöpft.
Literaturhaus Wiesbaden, kurz gefasst
Lesung – „Die Holländerin“
Eintritt: 18,00 Euro, ermäßig 14,00 Euro (günstiger im Vorverkauf)
Wann: Donnerstag, 30. April 2026, 19:30 Uhr
Wo: Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65183 Wiesbaden
Elmiger erzählt nicht einfach eine Geschichte. Sie öffnet Räume. In „Die Holländerinnen“ beginnt alles mit einem Anruf: Ein Theatermacher bittet eine Schriftstellerin, das Verschwinden zweier Touristinnen zu rekonstruieren. Doch statt den Fall zu lösen, weicht der Roman aus, biegt ab, sucht andere Wege. Er reist in die Tropen, taucht ein in die Geschichte des Kolonialismus und stellt eine Frage, die größer ist als jede Handlung: Wie lässt sich erzählen, wenn die Wirklichkeit selbst brüchig wird?
Zwischen Recherche und Fiktion
Elmiger schreibt tastend und zugleich entschieden. Sie verknüpft Dokumente, Stimmen, Bilder. Sie löst Grenzen zwischen Fakt und Erfindung auf und zwingt ihre Leser, mitzudenken. Gerade darin liegt die Kraft des Romans. Er verlangt Aufmerksamkeit – und belohnt sie mit Perspektiven, die sich nicht sofort ordnen lassen.
Dass das Publikum dicht gedrängt sitzen wird, überrascht kaum. Wer keinen Platz mehr im Saal erhält, kann auf die Videoübertragung im Nebenraum ausweichen. Auch dort dürfte es eng werden. Denn Elmigers Werk hat in kurzer Zeit eine Resonanz erzeugt, die weit über literarische Zirkel hinausreicht.
Ein Abend, der Fragen offen lässt
Moderiert wird die Lesung von der Literaturkritikerin Wiebke Porombka. Sie wird das Gespräch lenken, nachhaken, vielleicht auch bremsen, wenn Elmigers Gedanken zu weit ausschweifen. Doch ganz einfangen lassen sie sich wohl nicht.
Gerade das macht den Reiz dieses Abends im Villa Clementine aus: Hier geht es nicht um klare Antworten. Hier geht es um Literatur, die sich weigert, einfach zu sein.
Foto – Dorothee Elmiger auf der Frankfurter Buchmesse (2025) ©2026 Harald Krichel – CC BY-SA 4.0
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