Abseits des Instagram-Mainstreams tummelt sich eine lebendige Wiesbadener Foto-Szene. Vorne mit dabei: @mywiesbadenmoments. Seit nunmehr sieben Jahren postet Anne-Sophie regelmäßig Bilder der Landeshauptstadt auf der Seite. Was treibt sie an?

Hey Anne-Sophie, erzähl doch anfangs bitte etwas über dich.

Gerne. Ich bin Anne-Sophie, 28 Jahre alt und habe einen Master of Science in Architektur. Ich lebe in Wiesbaden und arbeite hier in einem Architekturbüro. In meiner Freizeit fotografiere ich gerne, gehe spazieren oder wandern und wenn nicht gerade Corona sehr stark unser Leben bestimmt, gehe ich liebend gerne ins Museum und Theater, treffe mich mit Freunden in Cafés, plane Städtetrips und nehme an InstaWalks teil.

Seit wann betreibst du die Instagram-Seite? Wie wurde die Idee geboren?

Die Seite entstand im Frühjahr 2014 – das sind bald sieben Jahre – gleich zu Beginn meines Architekturstudiums. Ich war auf dem Weg zur Dokumentation eines Gebäudes und staunte nicht schlecht über die Fassaden und ihre vielen schönen Details.

Ist das nicht ein ästhetisches Aushängeschild der Stadt?

Ja, durchaus! Es war sozusagen eine spontane Idee nach dem Motto: Hey, warum nicht? Wiesbaden hat doch viel zu bieten.

In Wiesbaden spiegeln sich eine Vielzahl architektonischer Seiten wieder. (©Anne-Sophie Brenner)

In Wiesbaden spiegeln sich eine Vielzahl architektonischer Seiten wieder. (©Anne-Sophie Brenner)

Betreibst du die Seite alleine oder bekommst du Hilfe?

Witzigerweise höre ich diese Frage nicht das erste Mal. Häufig denken die Leute, dass hinter @mywiesbadenmoments mehrere Personen stecken. Doch bis auf die Sonntagscollagen sind alle Bilder, Texte und Ideen von mir. Im Sommer 2018 habe ich mit zwei Freundinnen – Nicole (@ngutsche) und Sandra (@cest_la_wi) -den @wiesbadenwalk gegründet. Wir organisieren InstaWalks, also gemeinsame Fotospaziergänge, durch die Landeshauptstadt – was derzeit leider nicht möglich ist.

Wenn ich das Schlagwort Wiesbaden in die Suchleiste auf Instagram gebe, erscheinen mehr als ein Dutzend verschiedener Instagram-Seiten. Was unterscheidet deine Seite vom Rest? Steht dahinter eine Art Philosophie?

Ich denke, meine Follower schätzen die Kontinuität meines Accounts. Ich poste seit sieben Jahren fast regelmäßig, teile gerne Beiträge anderer Accounts in meinem Feed oder meiner Story und antworte auf alle Kommentare oder Nachrichten. Oft habe ich einen anderen Blick auf die alltäglichen Dinge und entdecke gerne neue Perspektiven.

Ein Auge für Details also.

Genau. Wenn ich zurückblicke, war mein Account einer der ersten, die Wiesbaden auf Instagram präsentierten. Außerdem glaube ich, dass ich mit meinen Posts bestimmt die eine oder andere Anregung gegeben habe, Wiesbaden „neu“ zu entdecken oder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Wie nimmst du deine Bilder auf?

Ich fotografiere hauptsächlich mit dem Handy. Bei geplanten Touren und Events nehme ich zusätzlich meine Kamera mit. Die neusten Fotostrecken wie beispielsweise die Wintermomente und Eiszeit in Wiesbaden oder das Hochwasser am Rhein habe ich bewusst mit der Kamera fotografiert. Ich versuche mich wieder vermehrt darauf zu konzentrieren.

Wie hat sich die Seite seither entwickelt? Gab es einen Zeitpunkt, an dem die Seite einen Durchbruch erlebte oder ist sie konstant gewachsen?

Die Seite ist kontinuierlich gewachsen.

Anfangs hast du die Seite anonym betrieben. Erst vor kurzem betreibst du sie öffentlich und unter deinem Namen. Was hat dich zu diesem Schritt veranlasst? Wie sahen die Reaktionen aus?

So richtig anonym habe ich die Seite nie betrieben. Mein Name stand von Anfang an in meiner Insta-Bio, doch ich habe mich nie als Person gezeigt. Die Aufnahmen sollten im Fokus stehen. Instagram hat sich allerdings über die Jahre verändert. Die Menschen wollen wissen, wer hinter dem Profil steckt – so auch ich. Daher habe ich mich entschlossen, etwas mehr über mich preis zu geben und ein Bild von mir zu posten. Die Reaktion der Community war sehr positiv. Viele haben mir persönlich geschrieben und ihren Zuspruch geäußert.

Nerobergbahn an der Bergstation auf dem Neroberg

Besonders im Herbst zeigt sich Wiesbaden von seiner goldenen Seite. (©Anne-Sophie Brenner)

Kann man für deine Seite Fotos einreichen?  Gibt es Aktionen und Mitmachwettbewerbe?

Im Sommer 2014 habe ich die Aktion Momente aus Wiesbaden mit dem Hashtag #mywiesbadenmoments ins Leben gerufen. Die schönsten und interessantesten Aufnahmen teile ich sonntags in einer Collage, die mittlerweile den Titel #wilovesundays trägt. Ab und an starte ich kleine Challenges, um den Fokus auf bestimmte Dinge in Wiesbaden zu lenken. Hierbei kann jeder kreativ werden und die Bilder mit der Community teilen. Um die Adventszeit herum verlose ich mit Unterstützung verschiedener Wiesbadener Unternehmen auch kleine Geschenke an meine Follower.

Hast du ein übergeordnetes Ziel, das du mit der Seite verfolgst?

Es war schon immer mein Ziel den Bewohnern von Wiesbaden und natürlich auch denjenigen von außerhalb, die Stadt mit ihrer Vielfalt an architektonischen und landschaftlichen Besonderheiten ein Stück näher zu bringen.

„Die Landeshauptstadt bietet mehr als die All-Time-Favorites, die jeder kennt. Auch abseits von Neroberg,  Kurhaus und Kochbrunnen gibt es viel zu entdecken. Kleine, versteckte Details, Gebäude und ihre Geschichten.“ – Anne-Sophie, @mywiesbadenmoments

Was zeichnet denn Wiesbaden als Fotostadt aus? Hast du ein paar Insider-Tipps?

Wiesbaden bietet eine Vielfalt an Architektur – Historismus, Jugendstil, Nachkriegsmoderne, imposante Straßenzüge und Alleen sowie Fachwerkhäuser in den Vororten. Es gibt so viele schöne Ecken, da fällt es schwer, sich festzulegen. Ich bin gerne am Biebricher Schloss und auf dem Neroberg unterwegs. Mein Tipp: Rausgehen, die Ortsbezirke auf eigene Faust entdecken und durch die kleinen Seitenstraßen ziehen. Hierbei nicht vergessen, an der ein oder anderen Fassade genauer hin – oder auch mal hochzuschauen. Es lohnt sich!

Hast du Lieblingsfotomotive, auf die du immer wieder zurückkommst?

Neben der Architektur und ihren Details sind es Natur- und Landschaftsaufnahmen, die mich immer wieder begeistern. Ich liebe es, einen Blick „von oben“ auf die Stadt zu werfen. Bei meinen Städtetrips bin ich daher immer auf der Suche nach geeigneten Aussichtspunkten. In Wiesbaden ist es der Neroberg, gerade im Herbst, wenn der darunterliegende Weinberg bei Sonnenschein in ein goldenes Licht getaucht wird.

Wie viel Zeit verbringst du regelmäßig mit dem Aufbau und der Organisation der Seite? Hat der Aufwand zugenommen?

Tatsächlich hat der Aufwand für die Auswahl der Motive und passenden Texte zugenommen. Ich mache mir viel mehr Gedanken über die Auswahl der Bilder, die passenden Jahreszeiten oder anstehende Events. Praktisch und hilfreich zugleich sind Storys, da man hier verschiedene Eindrücke und Motive schnell und unkompliziert posten kann. Sie müssen auch nicht immer perfekt oder abgestimmt sein – die Spontanität steht im Vordergrund.

Wie sieht die Zukunft der Seite aus? Hast du neue Projekte?

Ich möchte demnächst eine fotografische Reise durch die einzelnen Ortsteile Wiesbadens unternehmen. Das ganze läuft unter dem Namen Wiesbadener Stadtfacetten. Das wird sicher ziemlich interessant. Die Vororte sind ja für sich genommen eine Art Mikrokosmos mit vielen lohnenswerten Motiven. (Titelfoto: © Nicole Gutsche)

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Den offiziellen Instagram Account von Anne-Sophie (@mywiesbadenmoments) finden Sie unter www.instagram.com.

 

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