Kein Moratorium für die Schwalbacher Straße: Die Mehrheit hält am Umbau fest und setzt auf Verkehrswende statt Stillstand.
Die Stadtverordnetenversammlung lehnt das beantragte Moratorium zur Umgestaltung der Schwalbacher Straße ab. CDU und FDP wollten das Projekt aussetzen – mindestens so lange, wie für die Mauritiushöfe ein Baustopp gilt. Doch mit 39 Stimmen der Kooperation gegen 35 der Opposition bleibt der Umbau auf Kurs.
Im Zentrum der Debatte steht eine Straße, die täglich bis zu 45.000 Fahrzeuge zählt. Die Opposition warnt vor einem planerischen Schnellschuss. Wenn die Mauritiushöfe ruhen und der Baubeginn am Walhalla-Theater weiter offenbleibt, entfalle ein zentrales Argument der ursprünglichen Planung. Wer jetzt umgestalte, riskiere später erneute Baustellen, Rückbau und zusätzliche Kosten. CDU-Stadtverordneter Marc Dahlen spricht von einer Verkehrspolitik, die Staus verschärfe und Unzufriedenheit fördere. Wer glücklich sein wolle, solle CDU wählen, sagt er – Wahlkampf in Reinform.
Innenstadt schützen, Verkehr verlagern
Verkehrsdezernent Andreas Kowol kontert mit Sachargumenten und einem Augenzwinkern. Wiesbaden leide seit Jahrzehnten unter massivem Durchgangsverkehr. Drei Bundesstraßen endeten in der Innenstadt, täglich strömten Pendler durch Quartiere, die sie gar nicht als Ziel hätten. Die Schwalbacher Straße zerschneide das historische Fünfeck vom Westend. Diese Trennwirkung wolle man schrittweise überwinden und abbauen.
A 66, A 3, A 671, A 643 sowie die B 42
Kowol verweist auf Alternativen: A 66, A 3, A 671, A 643 sowie die B 42 könnten Verkehr aufnehmen. Bereits der Abriss der Hochbrücke 2001 habe gezeigt, dass Prognosen nicht immer eintreffen. Damals sei das befürchtete Chaos ausgeblieben. Nun beginne man zwischen Rheinstraße und Luisenstraße, parallel zu Fernwärme- und Leitungsarbeiten. Erst danach folge die eigentliche Neugestaltung, so die Pläne.
Stadtentwicklung oder Stillstand?
Volt verteidigt den Kurs. Eine Stadt sei nicht nur für Autos da, sondern für Menschen – für Bus, Bahn, Rad und Fußverkehr gleichermaßen. Stillstand löse kein Problem. Die Schwalbacher Straße stehe für Sanierungsstau und fehlende Aufenthaltsqualität. Wer Innenstadtentwicklung ernst nehme, müsse handeln.
Skeptischer äußert sich BLW-Vertreterin Renate Kienast-Dittrich. Sie zweifelt am Zeitplan der Mauritiushöfe und fragt, ob Investoren wirklich bald bauen. Wenn Projekte kippen, stehe auch die Straßenplanung auf wackligem Fundament.
Am Ende entscheidet die Mehrheit: kein Moratorium, kein Aufschub. Die Umgestaltung der Schwalbacher Straße geht weiter. Die Frage bleibt, wie sich der Verkehr tatsächlich verlagert – und ob die Innenstadt am Ende gewinnt.
Foto – Schwalbacher Straße ©2025 Volker Watschounek
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