Ein leerstehendes Kaufhaus wird Zukunftslabor: Der WerkRaum Wiesbaden startet mit Musik, Mode und vielen Ideen für die Stadtgesellschaft.
Die Türen stehen offen, die Rolltreppen schweigen – und doch pulsiert Leben im Erdgeschoss des ehemaligen SportScheck-Gebäudes in der Langgasse. Wo einst Sportschuhe über den Ladentisch wanderten, entfaltet sich ab dem 2. Mai ein Experiment: Der WerkRaum Wiesbaden zieht und lädt ein, sich selbst neu zu denken.
WerkRaum Wiesbaden, kurz gefasst
Visionen entwickeln – ins Gespräch kommen und austauschen
Teilnahme: frei
Wann: Samstag, 2. Mai 2026 bis 31. Oktober 2026
Wo: WerkRaum, Außenstelle Sport Scheck, Langgasse 5-9, 65183 Wiesbaden
Ein Haus, das sich neu erfindet
Das Projekt will mehr sein als eine Zwischennutzung. Der WerkRaum versteht sich als temporärer „Vierter Ort“ – ein Raum jenseits von Zuhause, Arbeit und Konsum. Hier sollen Ideen entstehen, Konflikte sichtbar werden und Lösungen wachsen. Sechs Monate lang öffnet sich das Gebäude für Initiativen, Projekte und Diskussionen, die sich mit den drängenden Fragen der Gegenwart beschäftigen.
Das Vorhaben steht im Kontext der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 – ein Rahmen, der nicht nur Kreativität fordert, sondern auch Haltung. Wiesbaden nutzt die Bühne, um Stadtentwicklung nicht hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, sondern mitten im Alltag sichtbar zu machen.
Auftakt mit Rhythmus und Haltung
Der Eröffnungstag setzt bewusst auf Vielfalt. Zwischen 11 und 22 Uhr entfaltet sich ein Programm, das die Spannbreite des Projekts spiegelt: Musik, Mode, Tanz, Gespräche. Künstler aus Wiesbaden und der Region bespielen den Raum, während Formate wie Motion Creation Design – eine Kooperation zwischen dem Hessischen Staatsballett und der Hochschule Darmstadt – Bewegung und Gestaltung zusammenführen.
Auch die Modenschau des Projekts Wiesbaden – Dreh dein Ding zeigt, wie kreativ sich junge Perspektiven entfalten. Wer durch die Räume geht, begegnet nicht nur fertigen Ergebnissen, sondern Prozessen: Ideen, die noch ringen, Formen, die sich erst finden.
Am Abend folgt der offizielle Teil. Grußworte, musikalische Beiträge und ein Apéro führen in Gespräche, die vermutlich länger nachhallen als geplant. Denn genau das ist die Idee: Der WerkRaum will keine fertigen Antworten liefern, sondern Fragen stellen – und sie gemeinsam aushalten.
Beteiligung statt Beobachtung
Der Anspruch wirkt ambitioniert, aber nicht abgehoben. Der WerkRaum richtet sich ausdrücklich an alle. Er lädt ein, mitzudenken, mitzugestalten, mitzureden. Wer kommt, soll nicht nur konsumieren, sondern beitragen.
Das passt zu einem Wandel, der sich in vielen Städten zeigt: Leerstände werden nicht mehr nur als Problem betrachtet, sondern als Möglichkeit. Räume öffnen sich, wenn Nutzung neu gedacht wird. Wiesbaden reiht sich mit dem WerkRaum in diese Entwicklung ein – und testet, wie viel Offenheit eine Stadt verträgt.
Ein Projekt mit Rückhalt
Dass ein solches Experiment nicht im luftleeren Raum entsteht, zeigt die Unterstützung durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Als Hauptförderer ermöglicht er, dass Ideen nicht nur formuliert, sondern auch umgesetzt werden.
Ob der WerkRaum langfristige Spuren hinterlässt, wird sich zeigen. Sicher ist: Für ein halbes Jahr verschiebt sich der Blick auf die Innenstadt. Ein Gebäude, das leer stand, wird zum Treffpunkt. Und eine Stadt, die sich oft selbst beobachtet, beginnt, sich aktiv zu verändern
Symbolfoto – Der WerkRaum Wiesbaden entsteht im ehemaligen Sportscheck in der Wiesbadener Innenstadt und wird sechs Monate lang zum Treffpunkt für Stadtentwicklung, Design und gesellschaftliche Projekte. ©2026 Stefanie Lindinger
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