25 Jahre junges Staatsmusical Wiesbaden: Bei der großen Musical Gala im Kleinen Haus wurde gesungen, gelacht und erinnert.
Als die ersten Takte von „Freedom“ aus dem Musical „Hair“ durchs Kleine Haus hallen, hält es kaum noch jemanden auf den Sitzen. Einige klatschen im Rhythmus, andere stehen längst zwischen den Reihen, tanzen, rufen Bravo. Auf der Bühne schwitzen Sängerinnen, Tänzer und Musiker bei Temperaturen jenseits der 30 Grad – und wirken selbst bei der zweiten Aufführung am Sonntag so, als wollten sie genau diesen Moment nie enden lassen.
Die große Musical Gala im Rahmen der Internationale Maifestspiele war weit mehr als eine nostalgische Rückschau. Sie wurde zu einer Liebeserklärung an 25 Jahre junges Staatsmusical am Hessisches Staatstheater Wiesbaden – an ein Projekt, das Generationen geprägt und viele Talente auf die großen Bühnen Deutschlands geführt hat.
Eine rote Couch voller Geschichten
Zwischen Songs aus „Hair“, „Blues Brothers“, „Jekyll & Hyde“, „Flashdance“, „Fame“ oder „Sister Act“ stand immer wieder eine rote Couch im Mittelpunkt. Dort nahmen ehemalige Ensemblemitglieder Platz, erzählten von ihren Anfängen in Wiesbaden – und davon, wie sehr diese Zeit ihren Weg geprägt hat.
Die Musicaldarstellerin Nina Links erinnerte sich an Sommerproben, Zeltlager und gemeinsame Abende am Lagerfeuer. „Man versteht hier zum ersten Mal wirklich, wie Theater funktioniert“, sagte sie. Nicht nur die Menschen auf der Bühne seien wichtig, sondern auch Werkstätten, Technik, Licht oder Kostüm. „Es ist eine riesige Teamleistung.“
Viele der Ehemaligen zog es später an renommierte Ausbildungsstätten nach Frankfurt, Mainz oder Essen. Andere standen inzwischen in Produktionen wie „Elisabeth“, „Ghost“, „Hair“, „The Pirate Queen“ oder „Harry Potter und das verwunschene Kind“ auf der Bühne. Doch fast alle erzählten von denselben Gefühlen: Zusammenhalt, Leidenschaft – und diesem besonderen Wiesbadener Geist.
„You are not alone“, kommentierte Klaus Krückemeyer, der als Moderator durch die zweieinhalb Stunden Progarmm führte. Und Nina Links stimmte lachend mit ein. Denn in der Musicalbranche treffe man immer wieder Menschen, „deren Wurzeln hierher führen“.
Zwischen Lampenfieber und offenen Mikrofonen
Dass Theater nicht nur aus Glamour besteht, zeigte der Abend ebenfalls. Immer wieder erzählten die Gäste von Pannen, Blackouts und chaotischen Momenten hinter der Bühne.
Luisa Heiser erinnerte sich daran, wie sie einst nach einem schnellen Kostümwechsel backstage plötzlich bemerkte, dass ihr Mikrofon noch eingeschaltet war. Aus dem Zuschauerraum hörte man damals unfreiwillig jedes panische „Shit!“. Das Publikum im Kleinen Haus lachte, mancher unterTränen.
Auch Patrick L. Schmitz sprach offen über seinen legendären Blackout bei „Fame“. „Ich kam auf die Bühne und wusste plötzlich gar nichts mehr“, erzählte er grinsend. Gerade diese Geschichten machten den Abend nahbar. Hier standen keine unerreichbaren Stars auf der Bühne, sondern Menschen, die einmal genau dort begonnen hatten, wo heute die jungen Darsteller stehen.
Eine Schule fürs Leben
Und immer wieder fiel an diesem Abend ein Wort: Gemeinschaft. Das junge Staatsmusical sei nie nur ein Nachwuchsprojekt gewesen, sondern vielmehr eine Art zweite Familie. Sänger Florian Klaus, heute mit Voxxclub international unterwegs, und eigens aus Mallorca angereist sprach von Disziplin und Verlässlichkeit. „Theater kann man nicht alleine machen“, sagte er. Genau das habe er in Wiesbaden gelernt.
Auch Leonhard Linzer erklärte, dass ihm die Arbeit am jungen Staatsmusical einen Vorsprung im Studium verschafft habe. Scheinwerfer, Probenstress, Bühnenabläufe – all das lerne man nicht im Seminarraum, sondern nur live vor Publikum.
Und genau dieses Publikum ging am Ende begeistert mit. Beim Finale standen fast alle im Saal, sangen mit, klatschten, tanzten. Aus einzelnen Bravo-Rufen wurde minutenlanger Applaus.

Ein Abend für Iris Limbarth
Im Zentrum des Jubiläums stand immer wieder Iris Limbarth. Seit 25 Jahren prägt sie das junge Staatsmusical als Regisseurin, Organisatorin und Förderin junger Talente.
Kurz vor Schluss überraschte das Ensemble sie mit einem riesigen Mosaikbild, zusammengesetzt aus 2464 Fotos vergangener Produktionen. Ein Bild aus tausenden Erinnerungen – und ein sichtbares Zeichen dafür, wie viele Menschen diese Theaterarbeit geprägt hat.
„Danke für 25 Jahre junges Staatsmusical“, hieß es am Ende auf der Bühne. Und das Publikum antwortete sofort: laut, begeistert und im Stehen.
Auf die nächsten 25 Jahre.




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