Die Internationalen Maifestspiele 2026 starten in die zweite Hälfte – mit Musik, Theater und Tanz, die Grenzen sprengen und Wiesbaden verwandeln.
Die Internationale Maifestspiele kennen kein Durchatmen. Wer dachte, nach einem starken Auftakt lehnt sich das Festival entspannt zurück, irrt. Die zweite Hälfte dreht auf, mischt Genres, wirbelt Erwartungen durcheinander – und macht Wiesbaden endgültig zur Bühne der Möglichkeiten.
Wenn Beats auf Beethoven treffen
Am 23. Mai vibriert das Große Haus. Das Trio Brandt Brauer Frick greift tief in die Trickkiste und lässt Techno und Klassik miteinander tanzen. Die Bühne wird zum Club, das Publikum zum Kollektiv. Licht flackert, Beats treiben, Streicher ziehen nach. Wer hier still sitzt, hat vermutlich den falschen Abend erwischt.
Ein Konzert, das Geschichte atmet
Ganz anders – und doch ebenso elektrisierend – klingt es eine Woche später. Maki Namekawa greift Keith Jarretts legendäres „Köln Concert“ auf. Sie rekonstruiert nicht nur, sie belebt. Sie lässt improvisierte Geschichte wieder entstehen. Jeder Ton atmet, jeder Moment wirkt frisch, obwohl er längst Musikgeschichte geschrieben hat.
Theater, das denkt – und trifft
Das Burgtheater Wien bringt Thomas Manns „Zauberberg“ nach Wiesbaden. Kein leichter Stoff, aber genau der richtige für ein Publikum, das mehr will als schnelle Unterhaltung. Hier wird gedacht, gespürt, hinterfragt. Parallel taucht das Digitale Theater mit „[EOL] End of Life“ in virtuelle Welten ein – und stellt eine Frage, die hängen bleibt: Was bleibt, wenn alles gespeichert werden kann?
Große Namen, große Abende
Wenn Bjarne Mädel liest, hört man plötzlich mehr als Worte. Wenn Wolfram Koch spielt, tanzt und erzählt, verschwimmen Grenzen zwischen Bühne und Leben. Beide bringen Humor, Tiefe – und dieses leise Zwinkern mit, das große Kunst oft begleitet.
Tanz, der Geschichten neu erzählt
Dada Masilo dreht „Hamlet“ auf links. Sie erzählt aus Ophelias Perspektive, mischt afrikanische Rhythmen mit klassischem Ballett und schafft Bilder, die nachhallen. Die Compagnie People Watching setzt dagegen auf Körper, Bewegung, Skurrilität – und zeigt, wie seltsam, schön und komisch wir Menschen eigentlich sind.
Finale mit Haltung und Herz
Zum Abschluss öffnet „Visions of Venus“ die Türen weit. Wallis Bird und das Spark-Ensemble verbinden Jahrhunderte, Stile, Stimmen. Hildegard von Bingen trifft auf Kate Bush, Vergangenheit auf Gegenwart. Das klingt nicht nur mutig – das ist es auch.
Und wer zwischendurch Luft holen will, taucht in Klangwelten für die Jüngsten ein. „Ears of the Soul“ verwandelt Alltagsgegenstände in Instrumente und zeigt: Fantasie braucht manchmal nur einen kleinen Anstoß.
Fazit?
Die Internationalen Maifestspiele kennen keine Halbzeitpause. Sie spielen weiter. Laut, leise, klug, wild – und immer mit dem Anspruch, mehr zu sein als nur ein Festival.
Foto – Maifestspiele Eröffnung ©2026 Staatstheater Wiesbaden
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