Ein neues Buch macht Wiesbadens unscheinbare Orte sichtbar – und zeigt, warum gerade sie das Gesicht der Stadt formen.
Wiesbaden kann glänzen. Kurhaus, Wilhelmstraße, Staatstheater – Postkarten lieben diese Kulisse. Doch an diesem Abend im Literaturhaus Villa Clementine rücken andere Orte ins Licht. Orte, die sonst schweigen. Orte, an denen man eher parkt als verweilt.
Literaturhaus Wiesbaden, kurz gefasst
Lesung – „Stadtbildprägende Bauten“
Eintritt: 12,00 Euro, ermäßig 9,00 Euro (günstiger im Vorverkauf)
Wann: Mittwoch, 20. Mai 2026, 19:30 Uhr
Wo: Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65183 Wiesbaden
Die Buchvorstellung „Stadtbildprägende Bauten“ dreht den Blick einmal um 180 Grad. Und plötzlich steht man nicht mehr vor Säulen und Stuck – sondern vor Kiosken, Tankstellen, Schulen. Die heimlichen Hauptdarsteller der Stadt.
Vom Übersehen zum Erzählen
Zehn Semester lang haben mehr als 300 Studierende der Hochschule RheinMain genau hingesehen. Sie haben nicht weg-, sondern hingeschaut. Sie haben fotografiert, gesammelt, sortiert. Und sie haben gefragt: Warum prägt uns gerade das, was wir kaum bemerken?
Das Ergebnis: eine visuelle Reise durch Wiesbaden, die nicht geschniegelt daherkommt, sondern ehrlich. Ein Parkhaus bleibt ein Parkhaus – und wird gerade dadurch interessant.
Worte, die Wände zum Sprechen bringen
Auf der Bühne treffen sich an diesem Abend kluge Köpfe und neugierige Blicke. Herausgeber Georg Ebbing bringt das Projekt auf den Punkt. Architekturfotograf Maximilian Meisse zeigt, wie man das Unspektakuläre inszeniert, ohne es zu verkleiden.
Und dann kommt Frank Witzel. Der Wiesbadener Autor liest, denkt, spaziert – zumindest literarisch. In seinem Text „Wiesbadener Orthometrie“ schlendert er durch Straßen, die jeder kennt. Und entdeckt sie neu. Zwischen Rheinstraße und Hauptpost, zwischen Künstler- und Dichterviertel wächst eine Stadt, die plötzlich erzählt.
Man könnte sagen: Witzel lässt Asphalt atmen.
Architektur mit Augenzwinkern
Was diesen Abend besonders macht? Er nimmt die Stadt ernst – aber nicht zu ernst. Wer kommt, wird vielleicht nie wieder achtlos an einer Tankstelle vorbeigehen. Oder an einem Schulgebäude. Oder an einem dieser Orte, die man sonst nur im Vorbeigehen wahrnimmt. Die Buchvorstellung zeigt: Architektur ist mehr als große Geste. Sie ist Alltag. Sie ist Gewohnheit. Und manchmal ist sie genau deshalb spannend.
Am Mittwoch, 20. Mai, um 19.30 Uhr öffnet das Literaturhaus seine Türen. Der Eintritt ist frei. Der Perspektivwechsel nicht.
Foto – Villa Clementine ©2026 Benjamin Dahlhoff, CC BY-SA 3.0 / Elena Ternovaja, CC BY-SA 3.0
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Mehr über die Autor Frank Witzel.
Erstveröffentlichung: 15.05.2026



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