Es werde ernst. Der Ortsbeirat Schierstein diskutuert im Haus der Vereine über neue Büros, einen Schulcampus und eine große Sporthalle im Schiersteiner Osthafen.

Rückblick. Das Grundstück am Osthafen gehörte vor rund zwanzig Jahren dem Bund. Der Bund hatte dort den Neubau einer Außenstelle des damaligen Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen vorgesehen. Entstanden wäre wahrscheinlich eine Backstein-Industriearchitektur mit Tonnen- und Bojenlager, hohen Zäunen, großen Stegen und einem ungestörten Zugang des Amtes zum Wasser. Eine durchgängige Promenade am Hafenbecken wäre so – zumindest während der Arbeitszeiten des Amtes – unmöglich gewesen. 

Chemikalien stoppen Pläne

Der damalige Ortsbeirat von Schierstein war entsetzt und hat die Stadt um Hilfe gebeten. Diese hat daraufhin Geld in die Hand genommen, das Grundstück gekauft und mit Hilfe der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) das Wasser- und Schifffahrtamt an der alten Stelle gegenüber auf der Bismarksaue neu gebaut. Zum Ausgleich wurde der SEG damals vertraglich zugesagt, das Grundstück entwickeln und vermarkten zu dürfen. Dazu hat es bereits im Juli 2009 eine Bürgerversammlung gegeben. In der Einladung hieß es damals Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauleitplanung wird das Dezernat für Stadtentwicklung und Verkehr über die Aufstellung eines Bebauungsplanes im Planbereich „Osthafen, westlich des Hafenweges“ im Ortsbezirk Schierstein informieren. Bekannterweise wurden dann aber alle Aktivitäten wegen der auf dem Gelände der Firma A.+E. Fischer gelagerten Chemikalien gestoppt. 

Aktueller Stand 

Nach längeren und offenbar nicht immer gut geführten Verhandlungen hat sich die Stadt vor einigen Jahren mit der Firma Fischer geeinigt, dass die Firma die Lagerung von Chlorchemie in Schierstein aufgibt. Neben einer Ausgleichszahlung musste die Stadt sich vertraglich verpflichten, in großen Teilen des betreffenden Gebiets keine Nutzung mit viel Publikumsverkehr zuzulassen. Wohnbebauung, Restaurants oder Hotels sind dort also beispielsweise nicht möglich. Auch eine attraktive Grün- oder Freizeitanlage könnte an diesen Einschränkungen scheitern. Die neue Sommergastronomie durfte im vergangenem Jahr auch nur aufmachen, weil sie außerhalb des Vertragsgebiets liegt, nämlich zwischen der Promenade und dem Hafenbecken. 

Alter Bebauungsplan 

Es ist richtig, dass es einen alten Bebauungsplan gibt, in dem dort eine Grünfläche vorgesehen ist. Allerdings ist es auch üblich, dass man sich rund vier Jahrzehnte später, wenn sich endlich die Gelegenheit ergibt, aktiv zu werden, die städtebaulichen Rahmenbedingungen neu ansieht und die Pläne anpasst. 

Gefährdungslage am Osthafen

Kürzlich wurden Beirut-Explosions-Assoziationen geweckt. Die Firma Fischer handelte schließlich unter anderem mit Ammoniumnitrat. Reine Spekulation und Assoziation. Auch wenn Fischer mit der Ware handelt, wird die Ware doch aber direkt von dem jeweiligen Lieferanten an den Kunden durchgeleitet. Sie lagerte und lagert daher keinesfalls in Schierstein. Am Standort Schierstein gibt es keine Genehmigung, Explosivstoffe zu lagern. Die Firma Fischer verweist in diesem Zusammenhang auch auf ihre Informationen zum Qualitätsmanagement.

Bedarf an Büroflächen 

Sicher gibt es in Wiesbaden auch andere Stellen, an denen man Büroflächen schaffen kann, sofern in und nach Corona-Zeiten überhaupt noch ein großer Bedarf besteht. Allerdings ist ein attraktiver Standort für die städtische Wirtschaftsförderung gelegentlich ganz wichtig. So ist die Deutsche An-lagen-Leasing (DAL), ein offenbar guter Steuerzahler mit 200 Arbeitsplätzen, für Wiesbaden verlo-ren gegangen und hat ihren Sitz nach Mainz verlegt, weil sie damals am Schiersteiner Hafen nicht bauen durfte und am Petersweg nicht wollte. Die DAL-Arbeitsplätze in Kastel sind ebenfalls dort hingewandert.

Klima am Osthafen

Die Frage der klimatischen Auswirkungen ist der entscheidende Punkt und muss eindeutiger beantwortet werden. Selbst ein Entgegenkommen, die SEG dort Bürogebäude bauen zu lassen, darf keine Lizenz zur Gewinnmaximierung sein. Die Kriterien des Wiesbadener Klimanotstands müssen in jedem Fall voll umgesetzt werden. Ausgleichsmaßnahmen in einer Kiesgrube in Wiesbadens Osten sind da nicht wirklich hilfreich. Daher steht die Forderung der Grünen in Wiesbaden-Schierstein: Wenn gebaut wird, dann nur „niedriger, luftiger, schmaler, grüner, also klimafreundlicher für die Häuser in der Umgebung und für das Hafenbecken, so Walter RichtersMitglied des Ortsbeirats Stellvertretender Ortsvorsteher. (Foto: Landeshauptstadt Wiesabden)

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Die offizielle Internetseite der Grünen in Schierstein finden Sie unter www.gruene-schierstein.de.

 

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