Die Stadt Wiesbaden verlieh die Stadtorden AKK und würdigte Ehrenamtliche, die das närrische Brauchtum.
Die kleine Bütt stand am Donnerstagabend nicht für Programm, sondern für Respekt. Im Festsaal des Wiesbadener Rathauses ging es nicht um Sitzung, Umzug oder Kampagne. Die Landeshauptstadt Wiesbaden verlieh die Stadtorden AKK – eine Auszeichnung für Menschen, die das närrische Brauchtum tragen, organisieren und ermöglichen. Für Ehrenamt, das meist im Hintergrund wirkt und im Festsaal bewusst ins Licht rückte.
Prinz Noah I. und Prinzessin Viktoria I.
Bevor Namen verlesen und Verdienste gewürdigt wurden, gehörte der erste Moment dem Nachwuchs. Prinz Noah I. und Prinzessin Viktoria I., das Kinderprinzenpaar der DACHO, traten an die kleine Bütt. Sie gaben sich die Ehre, nicht als Programmpunkt, sondern als Gruß. Ihre kurze Ansprache blieb karnevalistisch im Ton, gereimt, freundlich, leicht. Sie sprachen über Gemeinschaft, über Freude am Miteinander, über Dank – und trafen damit den Kern des Abends.
Der Applaus war ruhig, aber ehrlich. Kein Sitzungsjubel, kein Klamauk. Die kleine Bütt markierte keinen Rollenwechsel, sondern einen Übergang. Sie schlug die Brücke von der Symbolik zur Substanz, vom närrischen Gruß zur formellen Ehrung. Dass die Stadt diese Verleihung mit jungen Stimmen eröffnete, wirkte. Brauchtum lebte davon, dass er weitergegeben wird.
Würdigung statt Bühne
Erst danach begann die eigentliche Verleihung der Stadtorden AKK. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende überreichten die Auszeichnungen zusammen. Es war eine bewusste Geste. Ehrenamt gehörte in Wiesbaden nicht an den Rand, sondern ins Zentrum des öffentlichen Lebens.
Mende sprach ruhig, ohne große Gesten. Er würdigte die Fastnacht nicht als Folklore, sondern als soziale Praxis. „Wer organisiert, probt, plant und Verantwortung übernimmt, stärkt den Zusammenhalt weit über die Kampagne hinaus.“ Gerade in politisch unruhigen Zeiten brauche eine Stadt Orte, an denen Menschen sich begegneten, miteinander lachten und Unterschiede aushielten. Die Fastnacht, so Mende, habe genau das geleistet – getragen vom Ehrenamt.
Die Fastnacht als demokratische Übung
Auch der Vorsitzende der DACHO, Simon Rottloff, ordnete den Abend ein. Er dankte der Stadt für die verlässliche Unterstützung und hob die Besonderheit Wiesbadens hervor: mehrere große Umzüge, viele Stadtteile, zahlreiche Vereine – „und eine Verwaltung, die nicht fragt, ob etwas möglich ist, sondern wie es gemeinsam gelingt“.
Rottloff sprach offen über die Anforderungen hinter der Leichtigkeit. Sicherheitskonzepte, Auflagen, Kosten und Verantwortung hätten die Arbeit in den vergangenen Jahren komplexer gemacht. Fastnacht sei nicht aus dem Bauch heraus entstanden. Sie habe Struktur, Vertrauen und Menschen gebraucht, die bereit gewesen seien, Zeit zu investieren – oft über Jahrzehnte hinweg. Die Stadtorden AKK ehrten genau diese Haltung.
Gesichter hinter den Orden
In den Laudationes wurde das Ehrenamt konkret. Geehrt wurden Menschen, die seit vielen Jahren aktiv gewesen waren, ebenso wie solche, die früh Verantwortung übernommen hatten. Einer hatte über lange Zeit Musik und Abläufe bei Umzügen koordiniert, Lieder ausgewählt und für Stimmung gesorgt. Eine andere hatte Organisation, Schminken und Betreuung übernommen – oft an mehreren Tagen hintereinander. Wieder andere hatten Wagen gebaut, Technik betreut oder Küchen am Laufen gehalten.
Auffällig war, wie häufig die Geschichten von Kontinuität erzählten. Von Engagement, das weitergegeben worden war – in Familien, Vereinen und Freundeskreisen. Viele Geehrte hatten nie im Rampenlicht gestanden. Sie hatten dort gearbeitet, wo Veranstaltungen funktionierten oder scheiterten. An diesem Abend erhielten ihre Aufgaben Namen, Gesichter und Anerkennung.
Ein Detail mit Bedeutung
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der diesjährige Stadtorden selbst. Er zeigt einen Fastnachtszug – und am Ende eine orangefarbene Kehrmaschine. Mende griff dieses Motiv in seiner Ansprache auf. Er sprach von Respekt vor harter Arbeit und von Wertschätzung für jene, die nach dem Feiern aufräumten. Das Detail wirkte. Es machte deutlich, dass Ehrenamt nicht hierarchisch gedacht wurde. Jeder Beitrag zählte.
Nachwuchs, der Verantwortung zeigte
Später richtete sich der Blick erneut auf den Nachwuchs. Das Kinderprinzenpaar erhielt zusätzlich den Jugendverdienstorden der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval. Die Auszeichnung würdigte nicht Kostüm oder Auftritt, sondern Haltung: Offenheit, Freude und Verlässlichkeit. Die Botschaft blieb eindeutig. Ehrenamt begann früh – wenn jungen Menschen zugetraut wurde, Teil des Ganzen zu sein.
Ein Abend mit Haltung
Am Ende blieb mehr als eine Liste von Namen. Die Stadtorden AKK standen für ein Versprechen. Für eine Stadt, die Engagement ernst nahm. Für eine Fastnacht, die sich selbst reflektierte. Und für ein Ehrenamt, das verband – Generationen, Stadtteile und Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien.
Der Abend hatte leise begonnen, an der kleinen Bütt, und von dort seine Kraft entfaltet. Wiesbaden hatte gezeigt, dass Anerkennung nicht laut sein musste, um zu wirken. Und dass Brauchtum stark blieb, wenn es jene ehrte, die es trugen.
Impressionen

Bild – OB Gert-Uwe Mende überreicht kleine Präsente ©2026 JL Wiesbaden leibt
Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Mitte lesen Sie hier.
Mehr zur Wiesbadener Fastnacht hier.


Wiesbaden empfängt junge Stimmen aus Dubrovnik
Bürgersprechstunde mit Oberbürgermeister Mende im Rathaus
„Mensch bleiben“: Künstler setzen im Rathaus Zeichen der Hoffnung
Vortrag: „Integration durch Bildung“
Wiesbaden erlebt den Wahlabend live, im Rathaus?
Wiesbaden stärkt die Kindertagespflege – Austausch im Rathaus 
