Fünf Jahre vertrat Seda Başay-Yıldız vor dem Oberlandesgericht München in  einer Nebenklage Angehörige der Opfer der NSU-Mordserie. Die Stadt würdigt ihre Zivilcourage.

Enver Şimşek ist das erste Opfer der Mordserie der terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Der Inhaber eines Blumenhandels in Schlüchtern wurde am 9. September 2000 an seinem mobilen Blumenstand niedergeschossen. Von 2013 bis 2018 vertrat die Frankfurter Seda Basay-Yildiz die Familie des Opfers. Auch wenn sie während des Prozesses die Hauptfragen nach den Helfershelfer nicht klären konnte, ließ sie nicht locker – und warf den Ermittlern schwere Fehler vor. Basay-Yildiz kritisierte, dass Spuren zum Unterstützernetz des NSU-Trios und möglichen Mittätern nicht nachgegangen worden sei.

„Solche Drohungen zielen ja darauf ab, die Adressaten einzuschüchtern. Sie zu zermürben. Sie mundtod zu machen. Sie zum Rückzug zu bewegen.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Seit August 2018 erhielt sie zahlreiche Morddrohungen gegen sich und ihre Familie, allesamt mit „NSU 2.0“ unterzeichnet. Mit der Verleihung des Ludwig-Beck Preises würdigt die Stadt den mutigen, entschlossenen und bemerkenswerten Umgang von Seda Basay-Yildiz mit den rechtsextremistischen Bedrohungen, nach dem Eintreten als Anwältin für die Familie eines Opfers der NSU-Opfers. Nach der Einleitung durch Mende und Obermayr hat Dunja Hayali die Laudation gehalten. Sie fühlte sich geehrt, die Laudatio für die Verdienste von Basay-Yildiz gehalten zu haben – stellte gleich aber auch in Frage, ob sie dieser würdig sei. Die Antwort darauf gab sie selbst.

Laudatio von Dunja Hayali

Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage (Komplett)

Über den Ludwig-Beck Preis

Mit dem Ludwig-Beck-Preis ehrt die Landeshauptstadt Wiesbaden Menschen, Institutionen oder Vereinigungen aus aller Welt, die sich mit besonderer Zivilcourage für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben der Menschen, die soziale Gerechtigkeit und die Grundprinzipien der Demokratie und des Rechtsstaates eingesetzt haben. Die Stadtverordnetenversammlung hat am 4. Dezember 2003 beschlossen, zu Ehren von Ludwig Beck den Ludwig-Beck-Preis einzurichten. Der in Biebrich geborene Widerstandskämpfers Generaloberst Ludwig Beck, der sich in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes mutig Adolf Hitler und seinem rassistischen Machtwahn widersetzt hat, bleibt auch in der heutigen Zeit ein Beispiel für besondere Zivilcourage. Er hätte nach dem Gelingen des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 deutsches Staatsoberhaupt werden sollen. Die erstmalige Verleihung des Preises erfolgte am 29. Juni 2004 anlässlich des 60. Jahrestages des Hitler-Attentats. Verliehen wurde der Preis in einer Feierstunde durch die damalige Stadtverordnetenvorsteherin Angelika Thiels und den damaligen Oberbürgermeister Hildebrand Diehl im Biebricher Schloss.

Foto oben ©2021 LH Wiesbaden

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Weitere Informationen zum Ludwig-Beck Preis finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

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