Angefangen hat alles mit einem Lebensraumkonzept für ihre 24 Reviere. Entstanden ist daraus ein Feldflurprojekt mit 94 Einzelflächen – getragen vom Land Hessen.

Die Hegegemeinschaft Wiesbaden-Ost und Umweltdezernent Andreas Kowol haben Mitte Juli zusammen mit dem Biologen Dr. Matthias Kuprian vom Hessischen Umweltministerium eine von 94 Wiesbadener Blühflächen im Ortsbezirk Erbenheim vorgestellt. Gemeinsam mit Claus Deuser und Frank Heeser von der Hegegemeinschaft Wiesbaden-Ost haben sie den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten insbesondere in der Ackerbaulandschaft als Ziel erklärt – und so dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken. Nicht nur die Tiere profitieren von dem Engagement der Jäger, sondern auch die Landwirte.

„Die Anlage von Blühflächen auf Ackerland erzeigt eine doppelte Wirkung: Das Nahrungsangebot für bestäubende Insekten sorgt gleichzeitig für die dringend benötigte Nahrung für den Nachwuchs von Bodenbrüter, die ohne Insekten nicht überleben können.“ – Claus Deuser

Hegegemeinschaft : Vorstellung einer von 94 Blühflächen der Hegegemeinschaft Wiesbaden

Hegegemeinschaft: Vorstellung einer von 94 Blühflächen der Hegegemeinschaft Wiesbaden. ©2020 Volker Watschounek

Bereits 2015 hat die Hegegemeinschaft Wiesbaden/Ost (HGO) ein Lebensraumkonzept für ein 11ooo Hektar großes Gebiet im Osten von Wiesbaden erstellt. Anlass gab der Rückgang von Arten wie Rebhuhn, Feldlerche, Hase, Grauammer und Wachtel. Das, so war man sich vor fünf Jahren einig, läge an den zunehmend fehlenden Blüh- und Rückzugsflächen im Umkreis der Landeshauptstadt. Über die Zeit von zwei Jahren hatte der Zusammenschluss von 25 Jagdvereinen seine Erkenntnisse zusammengetragen und in einer Broschüre zusammengefasst. Vor drei Jahren wurde sie der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. (Die Broschüre können Sie hier herunterladen,)

Insekten sind die Lebensgrundlage für Küken von Bodenbrüter wie dem Rebhuhn, die in den ersten zwei bis drei Lebenswochen auf tierisches Eiweiß angewiesen sind. – Claus Deuser

Diese erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit führte vor zwei Jahren dazu, dass der HGO vom Land Hessen die Projektträgerschaft für das Feldflurprojekt Wiesbaden-Ost übertragen wurde. Ziel des Projektes ist, bedrohten Arten wie Rebhuhn, Grauammer, Feldlerche usw. artgerechten Lebensraum in Form von Blühflächen auf Ackerland zur Verfügung zu stellen. Seit den 1980er Jahren sei die Zahl der Insekten um 70-80 Prozent zurückgegangen. Beim Rebhuhn sei sogar ein Rückgang von fast 90 Prozent zu verzeichnen. Anderen Bodenbrüter wie Feldlerche, Kiebitz und Wachtel ergeht es nicht besser. Die biologische Vielfalt, auch an Pflanzen, gehe immer mehr zurück, so Deuser und Heeser.

“Es bleibt zu hoffen, dass die Finanzierung dieses für die Natur so wichtigen Projektes auch in Anbetracht der aktuellen Lage für die nächsten Jahre gesichert ist.“ – Claus Deuser

Die Produktionsmethoden in der Landschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Wo früher zu unterschiedlichen Zeiten Feldfrüchte wie Luzerne, Kartoffeln, Raps und Wiesen für länger andauernde Blühzeiten sorgten, ist es heute meist nur noch die kurze Zeit der Rapsblüte. 80 Prozent unserer Kultur- und Wildpflanzen wie Obstbäume usw. benötigen Fremdbestäubung durch Insekten wie zum Beispiel Bienen und Hummeln. Bestäubende Insekten wie Honig- und Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen benötigen als Nahrungsgrundlage nektarreiche heimische Kräuter, Stauden und Blühsträucher.

Vorstellung einer von 94 Blühflächen der Hegegemeinschaft Wies

Projekte wachsen

Nachdem zu Beginn des Projektes 2018 in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft insgesamt 14 Hektar Blühflächen angelegt wurden, waren es 2019 bereits 20 Hektar. In diesem Jahr sind es 34 Hektar, aufgeteilt auf 94 Einzelflächen. Mehr als 12 Hektar davon haben Jagdausübungsberechtigte kostenlos zur Verfügung gestellt.

„Das Feldflurprojekt im Osten Wiesbadens ist eine richtige Erfolgsgeschichte und zeigt, was alles möglich ist, wenn die Jägerschaft, die Landwirtschaft, Stadt und Land im Sinne des Artenschutzes zusammenarbeiten.“ – Andreas Kowol, Umweltdezernent

In den Blühflächen wimmelt es von Insekten. Die Feldlerchen haben zugenommen, und auch der Wachtelschlag ist hier und da zu hören. Das Rebhuhn braucht einen längeren Atem, ist aber auch im Aufwind. Ein Rebhuhn-Monitoring mit Zählungen im Frühjahr und im Herbst in verschiedenen Revieren begleitet dieses Projekt.

Möglich gemacht hat das die Landeshauptstadt Wiesbaden anfangs mit einem eigenen Förderprogramm. Mittlerweile finanziert das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Rahmen der Hessen Biodiversitätsstrategie sogenannte Feldflurprojekte in Hessen.

Feldflurprojekte in Hessen

Mit dem Sonderprogramm Förderung der Leitarten der Feldflur wirkt das Land Hessen dem gravierenden Rückgang von Arten wie Feldhamster, Rebhun und Feldlerche in landwirtschaftlich genutzten Gebieten in bis zu 10 Schwerpunkträumen entgegen. Hierfür standen für das Haushaltsjahr 2018 zusätzliche Mittel in Höhe von 300000 Euro zur Verfügung und für das Haushaltsjahr 2019 in Höhe von 400000 Euro. Zum einem werden ehrenamtliche Helfer mit diesem Geld unterstützt, zum anderen Landwirte dafür entschädigt, dass Sie Land zur Verfügung stellen.

Ziel des Sonderprogramms ist es, die verschiedenen Schutz-Instrumente in den Projektkulissen so einzusetzen und zu konzentrieren, dass günstige Erhaltungszustände der voran genannten Zielarten erreicht werden. Es gilt möglichst alle Kräfte zu bündeln und die Kooperation möglichst vieler Akteure in den Projektkulissen auf den Weg zu bringen.

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Die offizielle Internetseite des Landesjagdverband Hessen finden Sie unter ljv-hessen.de

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