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Digitalisierung in Wiesbadener Schulen

Digitalisierung an Wiesbadens Schulen: Zwischen Anspruch und Realität

Der Stadtelternbeirat Wiesbaden und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßen das Engagement der Stadt für die Schul-Digitalisierung, doch kritisieren erhebliche Mängel. iPad-Ausstattung führt zu Zwangssituationen und Druck auf Schulen. Man dürfe die Augen nicht vor Fehlern anderer verschließen.

Volker Watschounek 3 Monaten vor 0

iPad-Projekt gerät zum Fiasko! Eltern und Lehrer schlagen Alarm: Stadt ignoriert fehlende pädagogische Konzepte und macht Druck. Experten warnen vor digitalem Blindflug!.

Der Stadtelternbeirat Wiesbaden und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßen das Engagement der Stadt Wiesbaden für die Digitalisierung und Medienerziehung in Schulen. Doch trotz dieser Unterstützung sehen sie erhebliche Defizite in der Umsetzung.

Die Entscheidung der Stadt, allen weiterführenden Schulen eine 1:1-Ausstattung mit iPads anzubieten, bringt die Schulen in eine Zwangssituation, so der Stadtelternbeirat. Schulen stünden vor einem Konkurrenzkampf um Schüler und würden vor die Wahl gestellt, am Projekt teilzunehmen oder nicht. Dadurch werden Schulen und Lehrkräfte unter Druck gesetzt, ohne dass sie ausreichend Entscheidungsprozesse in die konzeptionell einbezogen wurden.

Das Projekt, das mit einem Start im Sommer 2022 avisiert war, ist immer noch nicht in den Schulen angekommen. Auslöser sind Verzögerungen bei der Ausschreibung, der Vergabe, der Bestellsysteme usw.

Stdatelternbeirat Wiesbaden

Wie sich herausgestellt habe, gebe es kein pädagogisches oder didaktisches Konzept für das Ausstattungsvorhaben. Weder seien die Geräte in den Schulen angekommen, noch sein verbindliche Konzepte für den Umgang mit den iPads festgelegt worden.

Die Stadt Wiesbaden scheint trotz fehlender Konzepte und Verzögerungen an ihrem Kurs festzuhalten. Dieser Ansatz wird von Experten zunehmend kritisch betrachtet, da er die pädagogischen Aspekte vernachlässigt und die Schulen zu Experimentierfeldern degradiert.

Im Ausschuss Schule, Kultur und Städtepartnerschaften vom 07.03.2024 konnten die Stadtverordneten auf eine Anfrage im Rahmen der Bürgerfragestunde keine einzige Schule benennen, die ein solches Konzept hat.

Stadtelternbeirat Wiesbaden

Der Stadtelternbeirat und die GEW fordern eine Verschiebung des Projekts auf die Klassenstufe 7, aktive Unterstützung der Schulen bei der Konzeptentwicklung, sowie nur die Ausstattung von Schulen mit dedizierten Konzepten und unabhängigen Fortbildungen für Lehrkräfte. Zudem soll eine daten- und medienschutzsichere Auslieferung der Geräte sowie eine Einschränkung der Nutzung auf schulische Zwecke gewährleistet werden. Zusammen appellieren Sie an die Stadtverordnetenversammlung, diesen Aspekt zu berücksichtigen.

Aus der Praxis

Dieses Just Do It-Prinzip im Bereich der Digitalisierung hat den dänischen Minister für Kinder und Bildung jüngst zu einer öffentlichen Entschuldigung gegenüber den Jugendlichen veranlasst: Er erläuterte dazu in der Tageszeitung Politiken, die Schulen müssten das Klassenzimmer als Bildungsraum zurückerobern. Tesfaye hatte sich bereits im vergangenen Dezember in einem Interview bei den dänischen Jugendlichen dafür entschuldigt, dass man sie zu Versuchskaninchen in einem digitalen Experiment gemacht habe, dessen Ausmaß und Folgen wir nicht überblicken können. Das Klassenzimmer sei nun mal keine „Erweiterung des Jugendzimmers, in dem gestreamt, gespielt und geshoppt wird. Nun schrieb er, die Schulen hätten sich den großen Tech-Konzernen zu lange unterworfen, man sei als Gesellschaft zu verliebt gewesen in die Wunder der Digitalwelt. (https://www.sueddeutsche.de/politik/digitalisierung-daenemark-schule-handy-pisa-tablet-1.6344670)

In Schweden stellt das angesehene, wissenschaftliche Karolinska-Institut gegenüber den dortigen Bildungsverantwortlichen fest, dass die Hauptproblematik der nun nachträglich zu korrigierenden Digitalisierung in Schulen vor allem in der fehlenden Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse (z.B. hinsichtlich des Alters der Schüler*innen und den Auswirkungen der Digitalisierung) sowie eben nicht vorhandener, konkreter Konzepte für die Schulen liege (deutsche Übersetzung bei: https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/karolinska-institut-schweden-stellungnahme-zur-nationalen-digitalisierungsstrategie-in-der-bildung.html). Solche Erkenntnisse und Erfahrungen europäischer Vorreiter sollten berücksichtigt werden, um dieselben Fehler in Wiesbaden von vornherein zu vermeiden.

Foto oben ©2024 Pixabay

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Weitere Informationen vom Stadtelternbeirat in Wiesbaden finden Sie unter www.steb-wiesbaden.de

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Geschrieben von

Volker Watschounek lebt und arbeitet als freier Fotograf und Journalist in Wiesbaden. SEO und SEO-gerechtes Schreiben gehören zu seinem Portfolio. Mit Search Engine Marketing kennt er sich aus. Und mit Tinte ist er vertraut, wie mit Bits und Bytes. Als Redakteur und Fotograf bedient er Online-Medien, Zeitungen, Magazine und Fachmagazine. Auch immer mehr Firmen wissen sein Know-how zu schätzen.