Am Freitag gefällt und verzurrt liegt der Wiesbadener Weihnachtsbaum auf einem Tieflader in der Nähe von Kiedrich. In der Nacht zum Dienstag wird er nach Wiesbaden gebracht.

Wenn der Vater mit dem Sohne loszieht, wird im Dezember schon mal ein Baum geschlagen. Einige kennen das von zu Hause. Nicht ganz so einfach ist es, wenn die Stadt sich im November ihren Weihnachtsbaum aussucht. 18 Jahre lang hat das Clemens Fuidl für Wiesbaden gemacht. Im zweiten Jahr nacheinander ist sein Sohn Stefan Fuidl in seine Fußstapfen getreten. Zusammen mit Erik Ohler und ein paar anderen sind sie nahe dem Weihersberg bei Kiedrich fündig geworden.

„Als wir die alte Weihnachtsbaumkultur vor 40 Jahren aufgegeben haben, habe ich einfach mal ein paar Bäume stehen gelassen, weil ich wusste, dass Weingüter oder Firmen durchaus noch Bedarf an großen Bäumen haben.“ – Gunnar Wippel

Handwerker unter sich – Freunde eben, saßen zusammen. Da fragte Christian Mucke, Inhaber der Firma Mucke Elektrotechnik und Nachfolger der Firma von Clemens Fuidl so unverblümt in die Runde, ob jemand eine schöne Tanne für den Wiesbadener Sternschnuppenmarkt bei sich im Garten stehen habe – überhaupt, wo mann einen schönen Weihnachtsbaum herbekomme. Im Garten, nicht wirklich. Aber ich kann ja mal den Revierleiter von Erbach fragen. Das ist ein guter Bekannter von mir, sagte Rüdiger Grund. So kam das Ganze ins Rollen. So standen Erik und Stefan wenig später zusammen mit Gunnar Wippel in einer alten Weihnachtsbaumkultur und nickten anerkennend. Da wurde nicht zu viel versprochen: Ein schöner Baum! Schnell ist klar: Dieser Baum wird sich bestimmt gut vor dem Rathaus machen.

„Bei den Bäumen handelt es sich um sogenannte Küstentannen. Die Küstentanne hat enorme Zuwächse wobei der Stamm über die Jahre gut an Durchmesser gewinnt. Das ist bei anderen Baumarten nicht so stark ausgeprägt. Darüber hinaus wird ihr im Klimawandel eine besondere Bedeutung beigemessen.“Laura Konrad

Der Baum ist etwa 36 Jahre alt, 28 Meter groß und wiegt 3,5 Tonnen. Auch wenn er, wie die Baumscheibe erzählt, in den vergangenen Jahren ein wenig gelitten hat, ist er wie alle Bäume hier kerngesund. Die neue Revierleiterin Laura Konrad freut sich, dass der Baum geschmückt mit vielen LEDs und golgdenen Schleifen, wenn auch nur für fünf Wochen, auf dem Sternschnuppenmarkt in Wiesbaden zum Glanz vieler Kinder- und Erwachsenenaugen beitragen wird. Und auch darüber, dass die Bäume rechts und links jetzt mehr Platz haben, um sich besser zu entfalten.

„Die normalerweise im Westen Nordamerikas beheimatete Küstentanne kommt gut mit Hitze und Trockenheit zurecht. Sie zeichnet sich durch eine breite Standortpalette, hohe Produktivität und ein geringes Invasionspotenzial aus. Die Baumart lässt sich vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels gut als Mischbaumart integrieren.“ – Laura Konrad

Am 4. November wurde der Baum gefällt. Gleich am Morgen haben sich ein 50 Tonnenschwerer Kranwagen der Firma Eisele, Tieflader, ein kleinerer Kranwagen, ein Traktor und verschiedene PKWs und Transporter an einem Parkplatz getroffen, von wo aus der Baum in etwa 800 Meter zu Fuß hinzu erreichen war. Der Regen hätte das Projekt fast zum scheitern gebracht. Mehrfach war man zusammen die Strecke abgelaufen um einen Plan für den Fall zu entwickeln, dass sich einer der schweren LKWs festfahre. Dass man diesen dann mit dem bereit stehenden Traktor weiter schleppen könne – und das immer wieder, auch für die nachfolgenden Fahrzeuge. Sicher eine Stunde später als gedacht kam dann das „Go“. Was alle vermutet hatten, passierte gleich beim ersten schwer beladenen Tieflader. Es war die reinste Schlammschlacht. Jede normale Mensch hätte abgebrochen. Keiner wäre das mit seinem privaten Auto reingefahren. Wir haben uns das gut überlegt und nach allem Abwägen nicht zuletzt wegen dem Termin am Dienstag gehandelt. So schnell sind wir alle nicht wieder zusammen zu bekommen, sagte Stefan Fuidl.

„Holz wird immer geliefert. Das hier ist jetzt eine andere Art der Holzlieferung. Auf der einen Seite ist der Wald ein Wirtschaftsfaktor auf derangieren Seite steht der Naturschutz – Landschaftsschutz. Im Moment ist der Blickwinkel auf diese Fläche, dass man die Bäume ernten kann wenn das gewünscht wird.“ – Gunnar Wippel

Bis alle Fahrzeuge ihren Platz gefunden hatten und alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und Landwirtschaftsmeister Bernhard Stritter die Motorsäge für den erste Schnitt angesetzt hatte, waren vier Stunden vergangen. Die wenigen Minuten die vergingen, bis die Tanne am Kranwagen baumelte, stehen in keinem Verhältnis zu dem ganzen Aufwand. Und wer meint, dass die meiste Arbeit jetzt erledigt gewesen sei, der irrt. Der drei Tonnen schwere Baum wurde mit einem Hilfskran vorsichtig auf den Tieflader gelegt und dort für den Transport zusammengebunden werden. Die ausladenden Äste zu binden ohne dass sie brechen, damit haben Fuidl und und Co bereits viel Erfahrung. Und bricht am Ende doch ein schöner Ast, dann wissen sich Wiesbadens Weihnachtsbaum-Experten zu helfen.

„Wenn die Tannen nicht geerntet werden, wachsen sie eben wie im normalen Wald weiter. Hier reguliert sich die Natur von selbst. So wie diese Fichten, Lerchen und Buchen hier. Sie sind von alleine ausgetrieben. Hier findet eine natürlich Waldverjüngung statt. Es genügt das Geschehen zu beobachten und zuzugucken, was die Natur daraus macht.“ – Gunnar Wippel

Am frühen Abend ist alles verzurrt. Wie reinfährt merkt, auch zurück geht nichts ohne Schlepper. Nach und nach zieht Rüdiger die schweren Fahrzeuge rückwärts aus dem Waldweg heraus auf den Parkplatz. Übers Wochenende liegt der Baum dort gut. In der Nacht von Montag auf Dienstag geht es für ihn dann an seinen Bestimmungsort. Gegen Mittag wird der 28 Meter hohe Baum dann vor dem Wiesbadener Rathaus stehen.

Impressionen

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Foto oben ©2022 Volker Watschounek

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Die Internetseite von Mucke Elektrotechnik finden Sie unter www.mucke-elektrotechnik.de.

 

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