Ein historisches Foto zeigt die Langgasse, als Pferdebahnen durch Wiesbaden fuhren und Kurgäste flanierten – lange bevor die Fußgängerzone entstand.
Wer heute durch die Langgasse schlendert, bewegt sich durch eine Fußgängerzone. Menschen tragen Einkaufstaschen, sitzen in Straßencafes, bleiben vor Schaufenstern stehen oder eilen durch die Innenstadt. Doch lange bevor moderne Geschäfte und Einkaufsströme die Straße prägen, pulsiert hier bereits das Leben der Kurstadt. Ein historisches Foto zeigt die Langgasse aus einer Zeit, als Pferdebahnen über die Straße rumpelten und die Stadt ein anderes Tempo kannte.
Promenade der Kurstadt
Die Langgasse gehört zu den ältesten Straßen Wiesbadens. Sie verbindet seit Jahrhunderten die Thermalquellen rund um den Kochbrunnen mit den Badeanlagen am Schützenhof. Schon früh flanieren hier Gäste, die wegen der warmen Quellen in die Stadt reisen.
Die Straße wird zur Bühne des Kurlebens. Damen mit Sonnenschirmen und Herren mit Zylinder spazieren entlang der Häuser. Man begegnet Bekannten, tauscht Neuigkeiten aus und genießt das Schauspiel der Stadt.
Ihren Namen erhält die Straße im Mittelalter – es ist eine schlichte Beschreibung für einen außergewöhnlich langen Straßenzug. Doch hinter dem einfachen Namen verbirgt sich ein bedeutender Ort.
Spuren der Römer
Archäologen stoßen in der Langgasse auf deutlich ältere Geschichten. Bereits im Jahr 121 nach Christus entsteht hier ein römisches Bad –. Römische Soldaten suchen dort Erholung in den warmen Quellen. Später besiedeln Alemannen die Gegend, danach folgen die Franken. Die Thermalquellen bleiben jedoch über Jahrhunderte der Grund, warum Menschen nach Wiesbaden kommen.
So wächst rund um die Quellen langsam eine Stadt.
Als Pferdebahnen durch die Straße zogen
Das historische Foto zeigt die Langgasse um 1900, zu einer Zeit, als sie noch eine Verkehrsstraße ist. Schienen durchziehen die Fahrbahn. Eine Straßenbahn fährt hier – allerdings ohne elektrische Oberleitung. Der Grund wirkt heute fast nostalgisch: Die Wagen werden von Pferden gezogen. Die Bahn rumpelt durch die Straße und bringt Kurgäste, Händler und Bewohner durch die Stadt.
Das Bild wirkt lebendig. Menschen stehen auf dem Gehweg, Kutschen passieren die Straße, Händler bieten Waren an.
Die Geburt der Fußgängerzone
Erst im 20. Jahrhundert verändert sich die Langgasse grundlegend. Zwischen 1969 und 1974 baut die Stadt Wiesbaden ihre neue Fußgängerzone. Langgasse und Kirchgasse werden zum Zentrum des Einkaufs. Mit der Fertigstellung feiert Wiesbaden am 14. September 1974 erstmals auch das Schloßplatzfest. Später erweitern Planer die Fußgängerzone um Goldgasse, Neugasse und weitere kleine Straßen der Altstadt.
Heute schlendern Besucher durch eine moderne Einkaufsstraße, die mal zu den meist frequentiertesten Deutschlands zählte – laufen dabei über eine Straße, die schon Römer, Kurfürsten und Kurgäste geprägt haben.
Das Foto erinnert daran, dass Wiesbaden schon immer eine Stadt der Begegnungen ist. Nur das Tempo hat sich verändert.
Foto – Langgasse um 1900 ©2026 Stadtarchiv
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