Am Anfang steht die „Glücksparade“. Dafür erhielt Widmen den Mara-Cassens-Preis 2013. Ob sein neuer Roman in die Fußstapfen passt? Er ist sechs Monate auf dem Markt.

Paul Helmer heißt der Protagonist in Andreas Martin Widmanns Roman Messias. Er pendelt zwischen zwei Welten. Die eine: das Geschäft der Werbung in London. Die andere: ein deutscher Vorort am Taunus mit Frau und einer erwachsenen Tochter.

LesungMessias
Wann: Donnerstag, 21. Februar 2019, um 19:30 Uhr
Wo: Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65183 Wiesbaden (Anfahrt planen!)
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr.
An der Abendkasse 11 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Gespräch Christoph Schröder, SZ und Die ZEIT

Widmann macht in der Banalität des Alltags eine apokalyptische Endzeitstimmung kenntlich. Er erzählt die Geschichte einer Familie auf der Suche nach Erlösung, mit klarem Blick für die gesellschaftlichen Zusammenhänge und deren Hineinwirken in unsere privatesten Beziehungen.

Kunst und Ironie

In Messias erzählt Widmanndie Geschichte eines Werbenden, seiner Frau im Selbstoptimierungswahn, und der gemeinsamen künstlerisch ambitionierten Tochter, die aus dem Leben aussteigt. Es zieht sie in eine Kommune in Dänemark, vor der sie schon bald zurück ins Haus der Eltern im Taunus flieht – im Gepäck bringt Judith eine Reihe von Schwierigkeiten mit, die mit Geld, vielleicht aber auch mit einer größeren Schuld zu tun haben.

Konflikte und Träume

Inge schlägt sich mit Judith und diversen Handwerkern herum, die das Dach ihres Hauses reparieren sollen. In ihren Sitzungen bei Marian versucht sie, ihrem Unbehagen mit ihrer Ehe und ihrer Mutter-Tochter-Beziehung auf den Grund zu gehen. Judith hängt ihren Träumen nach, eine erfolgreiche Künstlerin oder mindestens Kuratorin zu werden. Unterdessen wird Paul von seiner Firma nach England geschickt, wo er die Geschäfte mit der neuen Airline Oman Airways vorantreiben soll. Doch der geheimnisvolle Auftraggeber namens Faisal lässt immer wieder die gemeinsamen Termine platzen. Für Paul  wird die Suche nach Faisal zur Hoffnung auf ein anderes Leben.

Leseprobe

Mehr als drei Minuten dauert es, bis ein Punkt zu einemKopf wird. Jenseits einer breiten Sandbank, an der dieSchaumwalzen der Wellen sich halbieren, bevor sie zurückin den Ozean gezogen werden, tanzt ein Fleck auf einerschwankenden Linie. Schaukelnd treibt er auf den Strandzu, wo nur ein einzelner Mann dieser Verwandlung zusieht.Er läuft den Strand entlang und scheint genauso aus demNichts zu kommen wie der Kopf im Wasser. Das Meer zuseiner Rechten und zur Linken die stumpfen, von Sandgras-büscheln bewachsenen Kuppen und Mulden, bewegt er sichauf dem Streifen, den die See hart und glatt hinterlässt.Er trägt ein verwaschenes Trikot mit Palmenaufdruck, sei-ne Sporthosen enden weit über den Knien; sein Brustkorbwölbt sich nach vorne, und er schwitzt. (online weiter lesen)

Zur Person Andreas Martin Widmanns

1979 in Mainz-Kastel geboren, promovierte Andreas Martin Widmann in Neuerer Deutscher Literatur und unterrichtete mehrere Jahre Deutsche Sprache und Literatur am University College in London. 2010 erhielt er den Robert-Gernhardt-Preis, für seinen Debütroman „Die Glücksparade“ 2013 den Mara-Cassens-Preis. Seit 2016 lebt er in Berlin und unterrichtet dort am Bard College.

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