Verbraucherzentrale: Wiesbaden droht der Verlust zentraler Beratung – Proteste begleiten Haushaltsdebatte.
Die Nachricht kommt nüchtern daher, ihre Folgen wären es nicht: Die Verbraucherzentrale Hessen steht vor massiven Einschnitten. Wie die hessenschau am 30. Januar berichtet, plant das Land Kürzungen in Höhe von 600.000 Euro. Das entspricht rund einem Sechstel der jährlichen Mittel. Vorstandssprecher Philipp Wendt spricht von einem Kahlschlag: Drei von sieben Beratungsstellen – Darmstadt, Gießen und Wiesbaden – müssten schließen, Öffnungszeiten würden schrumpfen, Stellen wegfallen.
Sparen mit Nebenwirkungen
Mindestens zehn Vollzeitstellen stünden zur Disposition. Weil viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten, träfe es mehr Menschen, als die Zahl vermuten lässt. Zugleich sehe das Ministerium nach Informationen der hessenschau einen geringeren Beratungsbedarf: nicht zuletzt, weil die die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Energiepreise inzwischen eingedämmt seien. Trotzdem sei aber der Beratungsbedarf weiterhin gegeben: Energiepreise, dubiose Verträge, digitale Abos – die Themen drängen, die Nachfrage wächst. Sparen wirkt hier wie ein Bummerang.
Wiesbaden im Fokus
Die Landeshauptstadt reagiert prompt. Die Existenz der Wiesbadener Beratungsstelle steht auf der Kippe. Dezernentin Milena Löbcke warnt: Präsenzberatung sei unverzichtbar, um der Marktmacht großer Unternehmen etwas entgegenzusetzen. Verbraucherschutz funktioniere als unabhängiger Anwalt der Konsumentinnen und Konsumenten – und zwar vor Ort, nicht nur online.
Politik auf dem Prüfstand
Das Landwirtschafts- und Verbraucherministerium verweist darauf, dass die fragliche Summe in den Jahren der Energiekrise zusätzlich bewilligt worden sei. Doch das Argument überzeugt die Verbraucherschützer nicht. Am Dienstag demonstrieren sie in Wiesbaden, parallel zur Haushaltsdebatte im Landtag (3. Februar). Eine Entscheidung soll im Frühjahr fallen.
PRO AUTO mischt sich ein
Als erste Partei bezieht PRO AUTO – Die Bürgerlichen! Stellung. Parteivorsitzender und Stadtverordneter Christian Hill nennt eine Schließung „unsocial“ und „bürgerfeindlich“. Er fordert Lösungen von den Wiesbadener Ministern Ingmar Jung und Alexander Lorz. In Zeiten hoher Preise und dreister Abzocke sei analoge Beratung oft unabdingbar. Eine Landeshauptstadt ohne Verbraucherzentrale? Für Hill ein Armutszeugnis.
Die stille Frage
Bleibt die Kernfrage: Spart das Land hier am falschen Ende? Wenn Beratung schwindet, zahlen Verbraucher am Ende doppelt – mit Geld und Vertrauen. Wiesbaden wartet auf Antworten. Und auf eine Entscheidung, die mehr bewahrt als nur einen Haushaltsposten.
Symbolbild ©2026 KI-generiert
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