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Dunkle Ecken, klare Stimmen: Junge Frauen fordern mehr Sicherheit

Junge Frauen fordern mehr Sicherheit in Kastel und Kostheim

Junge Frauen aus Kastel und Kostheim nehmen die Stadt kritisch in den Blick. Gemeinsam mit Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher begehen sie Wege, die ihnen im Alltag Unbehagen bereiten. Der Rundgang öffnet Räume für klare Beobachtungen, neue Perspektiven und konkrete Schritte zu mehr Sicherheit.

Grafik: Kathleen Rother Redaktion 1 Monat vor 0

Mädchen zeigen bei einem Dunkelspaziergang welche Orte Unsicherheit erzeugen – und welche Veränderungen nötig sind, um Ängste zu lindern.

Kastel und Kostheim wirken an diesem Dezembernachmittag vertraut, doch der Rundgang der jungen Frauen rückt die Stadtteile in ein anderes Licht. Sie gehen Wege, die sie täglich nutzen – und sagen offen, wo sie sich unwohl fühlen. Das Gespräch mit Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher beginnt ohne Umwege: Die Mädchen zeigen Orte, die ihr Sicherheitsgefühl nachhaltig prägen. Je dunkler die Ecken, desto klarer die Worte.

Der Termin entstand aus der Arbeit im Jugendpavillon Krautgärten und im Kinder-, Jugend- und Stadtteilzentrum Reduit. Die Mädchen wollten nicht länger abstrakt über Angsträume sprechen, sie wollten sie zeigen. Genau hier setzt die Initiative an: Sie dokumentiert Alltagserfahrungen und formuliert Wünsche, die in der städtischen Planung oft übersehen werden.

Dunkle Wege, deutliche Beobachtungen

Der Rundgang beginnt an einem schmalen Verbindungsweg zwischen Wohnhäusern. Die Laternen spenden nur punktuell Licht, Hecken schieben sich nah an den Weg. „Hier sehe ich erst sehr spät, wer mir entgegenkommt“, sagt Ashanti, 16 Jahre alt. Sie nutzt den Weg täglich. Alle nicken. Fehlende Einsehbarkeit gehört zu den häufigsten Punkten, die die Mädchen benennen.

An anderen Stellen wirkt die bauliche Enge bedrückend. Verengte Unterführungen, Zäune, die Sichtachsen brechen, Ecken, die kaum jemand nutzt. Immer wieder schildern die Jugendlichen, wie sie Wege meiden, Umwege gehen oder ihre Schritte beschleunigen. Sie erzählen von Abenden, an denen sie das Gefühl hatten, unsichtbar zu sein – oder zu sichtbar für die Falschen.

Sicherheit entsteht nicht zufällig

Dr. Patricia Becher hört zu, fragt nach und ordnet ein. „Die Jugendlichen zeigen uns, was planerische Zahlen nicht abbilden“, sagt sie. „Ihr Blick macht Unsicherheiten sichtbar. Genau das brauchen wir, um sinnvoll zu handeln.“ Der Rundgang führt die Beteiligten zu Stellen, die bereits seit der Jugendkonferenz 2025 diskutiert werden. Doch die Eindrücke der Mädchen verleihen den bekannten Punkten eine neue Dringlichkeit.

Auch Vertreter von Polizei, GWW, Tiefbau- und Vermessungsamt sowie Ortsbeirat begleiten den Weg. Erste Polizeihauptkommissarin Sabine Bornberg betont, wie wertvoll Rückmeldungen aus der tatsächlichen Nutzungsperspektive sind. „Viele Situationen erlebt man im Einsatz nicht“, sagt sie. „Die Mädchen zeigen uns, wo sich Unsicherheit verdichtet.“

„Meine Stadt, mein Gefühl“ – die Sicht junger Frauen

Die Mädchen präsentieren zusätzlich ihre eigene Dokumentation. Unter dem Titel Meine Stadt, mein Gefühl haben sie Beobachtungen, Fotos und Wünsche gesammelt. Die Präsentation zeigt Muster: Dunkelheit, fehlende soziale Kontrolle, schlechte Sichtbarkeit, unklare Wegeführungen. Alles Faktoren, die Angsträume verstärken.

Rahel Kizina von der Reduit sieht in dem Projekt mehr als nur eine Analyse: „Solche Beteiligungsformate stärken das Vertrauen der Jugendlichen. Sie erleben, dass ihre Einschätzungen Konsequenzen haben.“

Was sich ändern muss

Die Mädchen sprechen nicht nur über die Probleme, sondern auch über Lösungen. Sie wünschen sich Orte, die Sicherheit und Offenheit verbinden: Wege, die gut beleuchtet sind, Plätze, die Menschen anziehen, Strukturen, die Orientierung schaffen. Ein Stadtraum, der gesehen werden lässt, ohne zu überwachen.

Nun fließen die Hinweise in weitere Planungs- und Präventionsmaßnahmen ein. Die städtischen Stellen prüfen, welche Schritte kurzfristig möglich sind und welche langfristig greifen müssen. Der Rundgang zeigt: Sicherheit entsteht, wenn man sie gemeinsam gestaltet – und wenn die Perspektive junger Frauen endlich gehört wird.

Foto – Momentaufnahme vom Spatiergang @2025 LH Wiesbaden

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