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Erster Auftritt mit großer Wirkung: Das Kinderparlament in Kastel konstituiert sich – und macht den Stadtteil aus Kinderperspektive zum Thema.

Kastel gründet Wiesbadens erstes Kinderparlament

Kastel startet mit dem ersten Kinderparlament Wiesbadens in eine neue Form der Beteiligung. Grundschulkinder geben sich Regeln, wählen Sprecher – und bringen Anliegen aus ihrem Alltag direkt in den Ortsbeirat. Sozialdezernentin Patricia Becher wirbt für weitere Stadtteile.

Volker Watschounek 3 Stunden vor 0

In Kastel tagt erstmals das Kinderparlament. Grundschulkinder formulieren Anträge für den Ortsbeirat – und zeigen, wo Demokratie vor Ort beginnt.

Im Sitzungssaal von Kastel sitzt an diesem Donnerstag etwas, das kommunale Gremien selten erleben: ungefilterte Ehrlichkeit. Die konstituierende Sitzung des ersten Wiesbadener Kinderparlaments beginnt am 5. Februar nach langer Vorbereitung mit einer Kennenlerrunde – und plötzlich wirken die Stühle ein wenig zu groß, die Frage und Ideen aber keineswegs. Und Ortsvorsteher Hartmut Bohrer spricht von einem historischen Moment für Kastel und für Wiesbaden. Politik, so zeigt sich, beginnt nicht mit Grundsatzreden, sondern mit dem Blick aus Kinderhöhe auf den eigenen Lebensraum.

Budget für eigene Ideen

Für eigene Projekte stehen dem Kinderparlament im Jahr 2026 finanzielle Mittel aus dem Budget des World-Design-Capital-Projekts Auf die Plätze los zur Verfügung. Auch der Ortsbeirat unterstützt das neue Gremium mit einem eigenen Budget. Kastel, so die Hoffnung, könnte Vorbild für weitere Stadtteile werden. Entsprechende Mittel sollen für den nächsten Haushalt angemeldet werden

Grundschulkinder aus vier Einrichtungen nehmen Platz: aus dem Kinder-, Jugend- und Stadtteilzentrum Reduit sowie aus der Berta-von-Suttner-, der Krautgarten– und der Gustav-Stresemann-Schule. Sie geben sich nach dem Pressetermin vor verschlossenen Türen eine Satzung, wählen einen Sprecher – und zeigen, wie Politik klingt, wenn noch niemand an Koalitionen oder Haushaltslinien denkt.

Ein Signal für Demokratie – von Anfang an

Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher ordnet für uns den Moment ein. Wiesbaden kenne Beteiligungsformate wie Jugendparlament und StadtschülerInnenrat. Doch ein Kinderparlament setze ein eigenes Zeichen. Es sage Kindern im Grundschulalter: Eure Stimme zählt – nicht irgendwann, sondern jetzt. Was sie einbringen, soll Wirkung entfalten. Becher erklärt auch den Weg der Beschlüsse: Anträge des Kinderparlaments gehen in den Ortsbeirat, stehen dort auf der Tagesordnung wie andere Vorlagen auch. Die Sitzungen sind öffentlich. Die Kinder dürfen dabei sein, zuhören, nachfragen. Demokratie wird sichtbar – und greifbar.

Politik auf Augenhöhe

Vor der formalen Gründung kippt die Szene in eine offene Fragerunde: Es geht es um den Alltag. Um Wege, die matschig werden, wenn man zum Mittagessen läuft. Um Sauberkeit im Stadtteil. Um Spielgeräte, denen Farbe fehlt. Um ein abgebranntes Gebäude, das jemand endlich wieder instand gesetzt sehen möchte, weil „die Straße dann schöner aussieht“. Es sind kleine Sätze mit großer Wirkung. Politik beginnt hier nicht mit Grundsatzreden, sondern mit dem Blick aus Kinderhöhe auf den eigenen Lebensraum.

Nachwuchs erklärt Beteiligung

Mit dabei sind Vertreter des Stadtschülerrats, unter ihnen Logan-Joshua Schuh, sowie Benjamin Knoll als Grundschulbeauftragter der Jusos. Sie erzählen, wie Engagement weitergehen kann: über Schulvertretungen, Jugendparlament, vielleicht später in der Stadtpolitik. Die Kinder hören zu – und fragen. Direkt, offen, ohne Scheu. „Wer ist jünger als elf?“, fragt die Presse zwischendrinnen, alle Hände gehen hoch. „Wer ist älter?“ Keiner. Gelächter. Ein Schüler fragt die Vertreten des Stadtschülerrats nach deren Alter: Benjamin ist 15 und wird 16; Jogan ist 16 und wird 17. Nachdem die beiden Ihr Alter nennen, kommt prompt der Kommentar: „Du siehst aus wie 40.“ Politik bekommt an diesem Vormittag etwas Seltenes: Leichtigkeit, ohne an Ernst zu verlieren.

Wenn Wünsche sichtbar werden

Zusammen den Vertretern des Stadtschülerrats verweist Wiesbadens Sozialdezernentin auf Beispiele, die in AKK bereits Realität sind. Eine Solarbank am Messerschmittgelände, entstanden aus Ideen junger Menschen, lädt heute Handys und leuchtet in den Abend. Auch der neue Bolzplatz in den Krautgärten geht auf Wünsche von Jugendlichen zurück. In Kastel lernen Kinder an diesem Donnerstag, dass Anträge mehr sein können als Papier. Sie können den Stadtteil verändern. Manchmal reicht dafür ein Satz, der im Rathaus sonst zu selten fällt: Schaut einmal mit unseren Augen.
Und Dr. Becher betont, dass das Kinderparlament in Kastel erst der Anfang sei. Auch in anderen Stadtteilen seinen Kinderparlamente denkbar und das Projekt in Kastell soll Schule machen.

Foto – Fragerunde im Kinderparlament ©2026 Volker Watschounek / Wiesbaden lebt!

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