Würdevolles Leben, bezahlbarer Wohnraum und soziale Gerechtigkeit waren die bestimmenden Themen der Bürgersprechstunde am vergangenen Freitag im Rathaus.

Immer mehr Menschen stehen mit dem Rücken zur Wand. Ganz gleich welche Altersgruppe, viele wissen einfach nicht wohin sie gehen sollen oder an wen sie sich wenden können. Bei Mietpreisen die drei-viertel des Nettoeinkommens auffressen fehlt jeglicher Handlungsspielraum. Wenden sie sich an Ämter, die ihnen eigentlich helfen oder zumindest Wege aufzeigen sollten, wird das Dilemma nur klarer.

Miete als Schuldenfalle

Da ist C. aus Delkenheim. Wegen gesundheitlicher Probleme kann sie nicht mehr arbeiten. Ihr soziales Umfeld möchte die 51-Jährige verständlicherweise nicht verlassen. Sie hat zwei Kinder groß gezogen, Geld in die gesetzlichen Versicherungen einbezahlt. Aufgrund privater Umstände haben sich in den letzten Jahren Mietschulden angesammelt. Die Schuldenspirale dreht sich immer weiter – doch  bezahlbaren Wohnraum scheint es für sie in Delkenheim nicht zu geben.

Oberbürgermeistersprechstunde im Rathaus. Bild: Volker Watschounek

Oberbürgermeistersprechstunde im Rathaus. Bild: Volker Watschounek

Innerlich verzweifelt habe sie sich hilfesuchend an das Amt für Soziales gewendet. „Die verstehen oder wollen auch ihre Situation nicht verstehen,“ ergänzt eine Nachbarin, die C. während der Bürgersprechstunde bei Sven Gerich zur Seite steht. Beim Amt habe man gesagt: „Wenn sie keinen Wohnraum finden, können wir Ihnen einen Platz in einem Frauenwohnheim suchen.“ Das könne doch nicht ernst gemeint gewesen sein.

Von einem Problem zum nächsten

Auch Bettina sucht eine Wohnung. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern bemüht sich seit Monaten um eine neue Wohnung – dort wo ihre Kinder groß geworden sind. Dort, wo ihre Kinder Freunde haben und ein intaktes soziales Umfeld genießen – dort, wo sie zur Schule gegangen sind und gehen. Maximal 600 bis 700 Euro sind in Kostheim, Kastel oder Amöneburg einfach zu wenig für eine 3-Zimmer-Wohnung. Mehr habe sie nicht.

„Das Leben wird immer schwerer“

Etwas anders sieht die Situation von Elisabet aus. Die Rentnerin ist vor 58 Jahren als Flüchtklingskind nach Wiesbaden gekommen, zeigt ihre mitgenommenen Hände und erzählt: „Ich habe Wiesbaden nach dem Krieg mit aufgebaut. Ich habe mein ganzes Leben nur gearbeitet.“ Eine gewisse Bitterkeit schwingt in ihrer Stimme mit. Ein wenig Unverständnis. Sie habe im Grunde alles schon einmal erlebt, erzählt sie. “Ich kenne das alles.“ Jetzt aber, als 85-jährige Rentnerin könne sie nicht mehr, falle ihr das Leben immer schwerer. Sie sei zu der Bürgersprechstunde gekommen, um den Oberbürgermeister um Rat zu fragen.

Letzter Lebensabschnitt

Elisabet möchte in ein Pflegeheim. Sie sucht für sich und ihren letzten Lebensabschnitt einen Platz, „an dem ich meine letzte Ruhe finde und diese mit Anstand und Würde erleben darf.“ Von 640 Euro im Monat ist das aber nicht zu bezahlen. Sie wisse nicht, was sie tun könne – wie sie es anstelle, dass Sie in das Heim komme, in welches sie wolle: ein Pflegeheim – am Rande der Stadt. Nicht direkt in Wiesbaden. Vom Oberbürgermeister erhofft sich Elisabet einen Ratschlag, wie sie da am besten vorgeht.

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