1302-1307, 1540 und 1766 waren in Mitteleuropa Phasen der Trockenheit. Alle 250 Jahre scheint sie wiederzukehren: Forscher der Leibniz-Institute sind sich einig, dass das nicht so ist. An der Trockenheit ändert das nichts.

Hochwasser, Dauerregen und Schneemassen sind die Wetterthemen, die uns in den letzten Wochen präsent gewesen sind. So mag es überraschend sein, dass das Thema Trockenheit weiter an Brisanz zunimmt. Regenmengen mit etwas mehr als 100 Prozent dessen was im Winter üblich ist, kamen im zurückliegenden Winter und 84 Prozent im Herbst des letzten Jahres zusammen. Unterm Strich war die Zeit demnach von September bis Februar im Landesmittel also mit 90 Prozent der Regenmenge etwas trockener als im Durchschnitt. Im ersten Moment erscheint das gar nicht so wenig bis ausreichend Niederschlag zu sein. Aber der Schein trügt. Der Erdboden gibt Auskunft über die tatsächliche Trockenheit, erklärt Björn Goldhausen, Meteorologe von WetterOnline.

Trockene Böden

Goldhausen: Wenn man sich die Oberböden bis 25 Zentimeter Tiefe ansieht, zeigt sich, dass sie fast im ganzen Land – zumindest was das Mittel anbetrifft – ausreichend nass sind. Wenn wir aber den ganzen Boden von den obersten Schichten bis weit runter untersuchen, dann sieht das Ganze in der Tat anders aus. Denn vor allen Dingen in den tieferen Schichten bis 1,8 Meter Tiefe ist es im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich trockener als im Schnitt. Besonders in der Nordhälfte herrscht im Unterboden verbreitet immer noch eine schwere bis außergewöhnliche Trockenheit.

Was ist zu erwarten?

Eine Aussage darüber, wie es in Punkto Trockenheit im Frühling und Sommer weitergeht, sind unter Zuhilfenahme von Langfrist-Wettermodellen nur vage zu treffen. Der Meteorologe erläutert: Das europäische Modell gibt bis Mai eher durchschnittliche Mengen an. Den Juni zeigt es deutlich trockener. Ähnlich sieht es auch das amerikanische Modell. Dort folgt einem durchschnittlich nassen Frühling ein trockenerer Frühsommer und Sommer.

Schlechte Voraussetzungen für 2021 

Viel kann man aus solchen modellierten Prognosen natürlich nicht ableiten, da genau diese zuletzt häufig daneben lagen, schränkt der Pressesprecher ein. Eines ist ihm aber sicher: Auch im Jahr 2021 starten wir mit eher schlechten Voraussetzungen ins Sommerhalbjahr, in dem die Trockenheit naturgemäß auch viel schneller sichtbar wird. Betrachtet man rein die Jahressummen der Niederschläge der Jahre 2018 bis 2020, so war es mit 75 bis 94 Prozent zwar trockener als im Schnitt, jedoch abgesehen von 2018 eigentlich gar nicht viel. Wenn man aber die Sommer und Winterhalbjahre einzeln betrachtet, wird schnell klar, wo das Problem liegt. In allen drei Jahren war es in der Zeit von Ende März bis Ende September mit 61 bis 78 Prozent der durchschnittlichen Regensumme viel trockener als im Mittel.

Bleibt auf ein nasses Frühjahr und einen nassen Sommer zu hoffen, damit sich die Trockenheit der letzten Jahre nicht ungehindert fortsetzen wird.

(Foto: ©2021 Wetteronline)

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