50 Jahre steht er auf der Bühne. Mit „Tür an Tür mit Alice“ trat Howard Carpendale 1977 in der ZDF Hitparade auf. 2021 bei den Strandkorbkonzerten in der Brita Arena.

Schon als wir unsere Tickets beim Einlass in die Wiesbadener Brita Arena vorzeigen mussten, war mir bei einem umherschweifendem Blick klar, dass selbst ich mit meinen 42 Jahren dazu beitragen würde den Altersdurchschnitt des Abends zu senken. Meine gleichaltrige Freundin ist bekennende Sympathisantin des Schlagers und hatte die Tickets zum Geburtstag bekommen. Da ich die Schenkende war und sich sonst niemand sonderlich für Howard Carpendale begeistern konnte, übernahm ich auch die Begleitung und freute mich letztlich sogar darauf.

Kindheit, geprägt von Schlager

Die Aussicht nach fast zwei Jahren endlich wieder ein Konzert besuchen zu können und dann auch noch eines der momentan so angesagten Strandkorbkonzerte war für mich Anreiz genug. Und Howard Carpendale? Ein Fan des Schlagers war ich nie, aber dieser Name projiziert für mich meine heile Kindheitswelt der 80er Jahre zurück, als Dieter Thomas Heck noch monatlich samstagabends die Hitparade moderierte, in der Carpendale nur allzu häufig Gast war und ich dadurch noch heute zumindest den Refrain von Ti Amo und Hello Again jederzeit auf Zuruf mitträllern kann. Zudem standen diverse LP’s des Künstlers bei meiner Mutter ordentlich aufgereiht neben denen von Udo Jürgens, Roland Kaiser und Bernhard Brink, um nur einige zu nennen (Anm. d. Redaktion, LP’s, das sind die schwarzen Venyl-Scheiben, die sogenannten Langspielplatten mit einer Umdrehungsgeschwindigkeit von 33 pro Minute). Schlager war also unweigerlich Bestandteil meiner Kindheit.

Zu langes Vorprogramm

Auf meinem Platz sitzend fragte ich mich, um wen es sich bei dem Special Guest handeln könnte und befürchtete gar, es würde Kerstin Ott sein, die sicherlich sehr nett, aber so gar nicht mein Fall ist. Zu der Reihe hinter uns war diese Info schon durchgesickert. Es wurde ein mit Herzen umrandetes Eloy Plakat des scheinbar letzten verbliebenen Caught in the Act Fanclubs Wiesbadens hochgehalten. Eloy de Jong – es hätte weitaus schlimmer kommen können. Erster Künstler des Abends war jedoch Julian David als Publikumsanheizer. Zu Beginn unterhaltsam geriet dessen Performance jedoch in meinen Augen zu langatmig. Überhaupt begann ich mich ernsthaft zu fragen, ob Herr Carpendale überhaupt noch auf der Bühne erscheint. Und just in dem Moment, als auch der charmante Eloy de Jong anfing mein Nervenkostüm zu strapazieren, war es dann gegen 20:40 Uhr endlich soweit.

„Hello Again“

Mit dem oben bereits erwähnten Hello Again leitete Howard Carpendale sein Programm ein. Die textsichereren älteren Zuschauer schmetterten angenehm ansteckend ebenfalls erwähntes Ti Amo, sowie Das schöne Mädchen von Seite eins und Dann geh’ doch mit. Gesanglich gab es nichts auszusetzen. Der Interpret selber wirkte sympathisch und in Plauderlaune. Trotzdem, auch einem Howard Carpendale merkte man seine 75 Jahre an, was weniger am Hocker auf der Bühne, sondern vielmehr an einer wahrnehmbaren Kurzatmigkeit und dem als Kontrast recht jungem Backgroundensemble lag. Aber ich muss ihm zugute halten, dass er nicht wie ein verzweifeltes, sich an die Bühne klammerndes Schlagerfossil rüberkam. Älter werden wir alle und Howard Carpendale tut dies recht charmant und mit ein wenig Selbstironie. Nach knapp 70 Minuten, die schon zwei Zugaben enthielten, verabschiedete der Künstler sich dann aber doch sehr abrupt von der Bühne. Nichtsdestotrotz behalte ich einen unterhaltsamen, lustigen und für mich mit einer gewissen Nostalgie behafteten Abend in Erinnerung. Was will man mehr?

Bildergalerie, Howard Carpendale Konzert

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Gute Nacht!

Fotos ©2021 Volker Watschounek

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Die offizielle Internetseite von Howard Carpendale finden Sie unter www.howard-carpendale.de.

 

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