Das Neujahrskonzert im Jagdschloss Platte vereint Jagdmusik, Architektur und Geschichte. Zwei Bläsercorps gestalten den besonderen Jahresauftakt.
Wiesbaden wagt am 1. Januar den Blick nach vorn – und hört zugleich tief in die Vergangenheit hinein. Das Neujahrskonzert im Jagdschloss Platte, längst ein atmosphärischer Fixpunkt im städtischen Kulturleben, bringt Tradition, Landschaft und Musik in ein selten harmonisches Zusammenspiel. Wer den Anstieg auf die Platte bewältigt, erlebt nicht nur ein Panorama über die Stadt, sondern auch ein Ritual, das jede Silvestermüdigkeit hinwegbläst.
Neujahrskonzert, kurz gefasst
Wann: Donnerstag, 1. Januar 2025, 15:00 Uhr,
Führung 13:00 und 14:00 Uhr
Wo: Jagdschloss Platte, An der B417, 65195 Wiesbaden
Eintritt und Führung: frei
Ab 15 Uhr füllt das Parforcehorncorps Jagdschloss Platte unter Hornmeister Karl-Heinz Kliegel den offenen Schlosssaal mit historischen Jagdklängen. Die Musiker greifen zu Naturhörnern ohne Ventile – Instrumenten, die fordern, fordern, fordern: Luft, Präzision, Haltung. Die Töne springen direkt aus der Handarbeit der Spielenden, sie formen sich im Raum, ohne mechanische Hilfe, nur durch Technik und Erfahrung.
In diesem Jahr antwortet ein zweites Ensemble: Das Bläserkorps Jagdverein Untertaunus unter Leitung von Stefan Ochs erweitert den Klangraum, setzt Akzente, treibt den Dialog zwischen den Gruppen voran. Wo das eine Corps Tradition pflegt, setzt das andere zeitgenössische Akzente. Gemeinsam beleben sie eine Musik, die früher Jagdsignale über Wälder schickte und heute ein Publikum begrüßt, das sich nach Ursprünglichkeit sehnt.
Ein Ort, der nur selten seine Türen öffnet
Bevor die ersten Hörner erklingen, führen Wiesbadens Gästeführer um 13 und 14 Uhr durch das Schloss. Die historischen Mauern erzählen von Jagdgesellschaften, höfischer Repräsentation und der offenen Stahl-Glas-Konstruktion, die das Haus heute trägt. Bürgermeisterin Christiane Hinninger nennt diese seltenen Stunden einen „offenen Jahresauftakt für alle“ – ein Versprechen, das das Gebäude zuverlässig einlöst.
Da jeweils nur 30 Personen teilnehmen können, stellt das Jagdschloss-Team ab dem 27. Dezember, 10 Uhr, ein Online-Kontingent bereit –, und bittet das Jagdschloss Platte-Team um Anmeldung (maximal vier Karten pro Person). Wer eine Karte ergattert, begegnet einem Bauwerk, das sich nur wenige Tage im Jahr zeigt und gerade deshalb fasziniert.
Atmosphäre zwischen Wind, Wald und metallenen Bögen
Wenn gegen 14.45 Uhr der Einlass beginnt, füllt sich der Schlosshof schnell. Vor allem Stehplätze bestimmen das Bild, doch das Publikum schätzt die Nähe zur Musik. Die Hörner tragen über die offenen Ebenen, treffen auf den Winterhimmel, verlieren sich kurz im Wald und kommen kraftvoll zurück.
Tradition, die Zukunft gewinnt
Die Veranstaltung beweist jedes Jahr, wie stark sich Traditionen entwickeln können, wenn sie sich öffnen. Das Zusammenspiel beider Bläsercorps bildet diesmal das Herzstück. Es verbindet historisches Handwerk mit lebendiger Gegenwart und schenkt Wiesbaden einen Jahresauftakt, der weder altmodisch noch aufgesetzt wirkt. Er lebt, er klingt, er bleibt.
Archivfoto oben ©2019 Volker Watschounek
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Die Internetseite zum Jagdschloss Platte finden Sie unter wiesbaden.de.
Karten fürs die Führungen im Rahmen des Neujahrskonzert.



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