Am Montagmorgen haben die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut 8685 Neuinfektionen gemeldet – im Vergleich zum 19. Oktober sind das 100 Prozent mehr.

Die Corona-Infektionszahlen steigen immer schneller. Die ARD-Polittalkerin kehrte daher gestern Abend, 26. Oktober, ein Wochenende früher als geplant auf die Bildschirme der Nation zurück. Zusammen mit Armin Laschet(CDU), Michael Müller (SPD), Gerhart Baum (FDP),  Helga Rübsamen-Schaeff (Virologin) und Julian Nida-Rümelin (Professor für Philosophie und politische Theorie) diskutierte Anne Will darüber, ob Deutschland noch die richtige Strategie verfolge; ob die Kontakt-Nachverfolgung von den Gesundheitsämtern überhaupt noch zu bewältigen sei? Um der Frage auf den Grund zu gehen, war Kaschlin Butt, die Leiterin des Wiesbadener Gesundheitsamtes aus dem HR-Studio in Frankfurt zugeschaltet.

„Die App ist bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung.“ – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

Ein Einspieler beschreibt die Situation, lässt eine Containment-Managerin aus NRW zu Wort kommen: Wir jagen Corona hinterher, erzählt sie. Wenn sie zehn Kontakte angerufen habe, lägen 40 neu anzurufende Kontakte in ihrem Postfach. Das Konzept der Nachverfolgung kollabiert. Die technischen Möglichkeiten werden bei weitem nicht genutzt. Der Datenschutz verhindere dies.

„Personen die einen positiven Bescheid bekommen haben, sollen in Berlin alle Kontakte selbst informieren.“Michael Müller (SPD, Regierender Bürgermeister von

In Wiesbaden ist die Situation ganz ähnlich, bestätigte die Leiterin des Gesundheitsamts. Die Nachverfolgung aller Kontakte seie zeitnah nicht mehr zu leisten. Es dauere unter Umständen mehrere Tage, bis alle Personen erreicht worden wären – da ist es dann häufig schon zu spät. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht. Deshalb hatte Wiesbaden in der vergangenen Woche auch die Bundeswehr um Hilfe gebeten (wir berichteten). Für Butt ist es schwer nachzuvollziehen, warum die technischen Möglichkeiten bei der Nachverfolgung nicht ausgeschöpft würden. Die aktuelle Warn App liefert in der Praxis keine Daten und ist in der Personen-Nachverfolgung keine Unterstützung für die Gesundheitsämter. Es fehlt eine verwertbare Anbindung an die Systeme der Gesundheitsämter. So richtete Butt in der Sendung einen Appell an die Politik, den Datenschutz nicht so dermaßen vor den Infektionsschutz zu stellen. Es gelte jetzt das funktionierende System vor dem Kollaps zu schützen. Daher sei die Zeit reif für für einen Strategiewechsel. Das vollständige Video können sie sich hier und in der ARD-Mediathek ansehen.

Kaschlin Butt zu Gast bei Anne Will

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Die offizielle Internetseite von Anne Will finden Sie unter daserste.ndr.de.

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