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Peter Kiel würdigt im Rathausfoyer Wiesbaden das Werk von Cato – Irmela Diez. Torsten Anstädt begleitete den Weg der Ausstellung ins Rathaus.

Farben gegen das Verstummen: Ausstellung von Cato in Wiesbaden

Mit klarem Blick und großer Wertschätzung würdigte Peter Kiel am Montagabend im Rathausfoyer die Ausstellung von Cato – Irmela Diez. Er beschrieb 18 Werke als Ausdruck eines gelebten Lebens zwischen Krankheit, Sehnsucht, Hoffnung und ungebrochener Gestaltungskraft.

Volker Watschounek 2 Monaten vor 0

In seiner Laudatio deutet Peter Kiel Catos Werk als gelebte Biografie in Farbe – kraftvoll, ehrlich, bewegend.

Als Cato – Irmela Diez ihre Ausstellung „Gefühlen Farbe verleihen“ im Rathausfoyer eröffnete, sprach sie von Dankbarkeit, von Unterstützung, von einem Traum, der sich erfüllte. Doch die gedankliche Tiefe des Abends entfaltete sich in der Laudatio von Peter Kiel. Der Leiter des Servicewohnen für Senioren und Quartiersentwicklung bei EVIM ordnete das Werk ein – ruhig, präzise und mit spürbarer Wertschätzung.

Neues Rathaus, kurz gefasst

Ausstellung – Gefühlen Farbe verleihen
Eintritt: frei
Wann: Montag, 23. Februar bis Freitag 27. Februar 2026
Öffnungszeiten: Mo–Fr 7:00 – 18.30 Uhr, Sa 9:00 – 15:00 Uhr
Wo: Rathaus, Rathausfoyer, Schloßplatz 6, 65183 Wiesbaden

Vom 23. bis 27. Februar 2026 zeigt Cato – Irmela Diez ihre Arbeiten im Wiesbadener Rathaus. Wer Peter Kiel zuhörte, begriff rasch: Diese Ausstellung erzählt kein isoliertes Kapitel. Sie erzählt ein ganzes Leben.

„Kunst entsteht nicht im luftleeren Raum“

Peter Kiel begann mit einer persönlichen Verortung. Warum halte ausgerechnet er die Laudatio? Weil Kunst nicht im luftleeren Raum wachse, sagte er. Cato – Irmela Diez lebe seit mehr als sieben Jahren im Servicewohnen. Dort gestalte sie Gemeinschaft, diskutiere, widerspreche, bringe sich ein. Sie ziehe sich nicht zurück. Sie nehme teil.

Genau diese Haltung erkenne man in ihren Bildern. Wer sie betrachte, sehe keine dekorative Oberfläche. Man sehe Prozesse. Man sehe Bewegung. Man sehe eine Persönlichkeit, die sich nicht versteckt. Kiel beschrieb sie als lebendig, diskussionsfreudig, im besten Sinn kritisch – und zugleich herzlich. Ihre Kunst speise sich aus dieser Spannung. Sie male nicht, um zu gefallen. Sie male, um sichtbar zu machen.

18 Werke – eine Skala menschlicher Erfahrung

Im Rathausfoyer hängen 18 Arbeiten. Für Kiel bilden sie eine emotionale Landkarte. Empörung steht neben Verliebtheit, Trauer neben Glück, Müdigkeit neben Hoffnung. Er zitierte die Künstlerin: „Ich konnte es nicht in Worte fassen, deshalb habe ich es gemalt.“ Genau darin liege die Kraft dieser Ausstellung. Die Bilder sprechen dort, wo Sprache versagt.

Kiel spannte einen Bogen vom expressiven „Der Himmel ist rot“ – ursprünglich „Der Himmel brennt“ – bis zum Werk „Ruhe“, das nach schwerer Krankheit entstand. Zwischen diesen Polen liege ein gelebter Weg. Krankheit, Angst, Genesung, Neubeginn – all das dränge in Farbe nach außen.

„Die frühen 2000er Jahre, die waren sehr prägend. Eine eigene, schwere Erkrankung, die Erkrankung in der Todesfahrt. In dieser Zeit wurde ihr die Malerei Stütze und Ventil zugleich,“ so Peter Kiel ©2026 Wiesbaden lebt!

Autodidaktin mit innerem Antrieb

Seit 1987 malt Cato – Irmela Diez. Sie hat keine Akademie besucht. Sie folgte keiner Schule. Sie folgte einer inneren Notwendigkeit. Kiel hob genau diesen Punkt hervor. Ihre Malerei entstehe nicht aus Kalkül, sondern aus Dringlichkeit.

Sie begann mit Wasserfarben, griff später zu Acryl, Ölkreide, Mischtechniken, zuletzt sogar zum Künstlerfilzstift. Immer gehe es um das Innere, das sich Bahn breche. Ihre Pinselstriche wirbeln, stoßen an, verdichten sich. Kiel fühlte sich stellenweise an den abstrakten Expressionismus erinnert und nannte Vincent van Gogh – betonte jedoch sofort: Ihre Bildsprache bleibe unverwechselbar.

Im Foyer des Neuen Rathauses begegnet man keiner statischen Komposition. Man begegnet Energie.

Begegnung, die den Weg ins Rathaus ebnete

Dass diese Ausstellung im Rathausfoyer überhaupt zustande kam, verdankt sich auch einer Begegnung mit Torsten Anstädt. Über das digitale Kulturformat „Die Gute Stunde“ lernten sich Anstädt und Cato kennen. Ein Gespräch führte zum nächsten, schließlich besuchte er sie zuhause und sah ihre Werke im privaten Umfeld. Für ihn stand schnell fest: Diese Bilder müssen aus dem Wohnzimmer hinaus in die Öffentlichkeit. Er initiierte den Kontakt ins Rathaus, begleitete die Bewerbung und setzte den entscheidenden Impuls. In seiner kurzen Ansprache bei der Vernissage würdigte er Catos Beharrlichkeit und ihre Dankbarkeit – und erinnerte daran, dass Kultur nur dann wirke, wenn Menschen sie möglich machen.

Symbole, die tragen

In seiner Laudatio lenkte Peter Kiel den Blick dann auf wiederkehrende Motive: Augen, maskenhafte Gesichter, Kreise, Herzen, Eiformen. Gold und Silber verweisen auf eine spirituelle Dimension, auf etwas Universelles. Besonders hob er die blaue Blume hervor. Sie taucht in mehreren Werken auf. Sie steht für Sehnsucht, für Erfüllung, für einen inneren Ort. „Wenn ich sie gefunden habe, kann ich gehen“, zitierte Kiel die Künstlerin.

Auch der „Drache der Sehnsucht“ erhielt besondere Aufmerksamkeit. Er verkörpert Mut. Er steht für die tägliche Kraft, weiterzugehen, selbst wenn körperliche Grenzen enger werden. Cato – Irmela Diez ist über 80 Jahre alt. Und sie malt weiter.

Ein Name als Haltung

Kiel erinnerte währedn der Vernissage auch an die Entscheidung der Künstlerin, 1999 den Namen „Cato“ anzunehmen – in Erinnerung an Cato Bontjes van Beek, die im Widerstand gegen das NS-Regime ihr Leben verlor. Freiheit, Frieden, Aufrichtigkeit – diese Werte stehen für Cato – Irmela Diez nicht im Abstrakten. Sie lebt sie. Und sie malt sie.

Ein Satz bleibt

Am Ende seiner Laudatio ließ Peter Kiel einen einfachen Satz im Raum stehen: „You have one life – live it.“

Wer die Ausstellung im Rathausfoyer Wiesbaden besucht, begegnet daher nicht nur 18 Bildern. Man begegnet einer Biografie, die sich in Farbe übersetzt. Und einer Frau, die zeigt, dass Kunst Haltung braucht – und Mut.

Die Künstlerin Cato – Irmela Diez im Austausch mit einer Besucherin der Vernissage. ©2026 Wiesbaden lebt!

Foto – Ausstellung im Rathausfoyer Wiesbaden ©2026 Volker Watschounek

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