Für eine, die nie Pfarrerin werden wollte, hat Dorothea Hess 22 Jahre lang einen guten Job gemacht. Immer offen für Gespräche, immer bereit weiter zu helfen. Und wenn sie nur zugehört hat.

Eigentlich wollte sie nie Pfarrerin werden, erzählt Dorothea Heß. Sie erinnert sich an ihre Studienzeit und ihre Angst vor dem Predigen. Bis zum Ersten Staatsexamen konnte sie sich nicht vorstellen auf eine Kanzel zu steigen. Am Ende ist sie es dann aber doch geworden – ein ganzes Berufsleben lang mit großer Leidenschaft – zuletzt in der Evangelischen Versöhnungsgemeinde im Wiesbadener Aukammviertel. Mit einem kleinen Gottesdienst hat sich Pfarrerin Heß vergangene Woche , weil die Corona-Auflagen es nicht anders zuließen, verabschiedet.

„Es gab intensive Begegnungen, es gab kurze Gespräche, es gab Nachhaltiges und Oberflächliches – die Menschen und ihre Lebensgeschichten haben mein Leben hier reich gemacht. Das werde ich vermissen.“ – Pfarrerin Dorothea Heß

Aus familiären Gründen gibt Heß ihr Amt und ihre Aufgaben als Pfarrerin ab, um künftig mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen zu können, der bereits seit zwölf Jahren im Ruhestand ist.  Der Abschied fällt der 60-jährigen Theologin nicht leicht: Die Jahre in der Versöhnungsgemeinde hätte sie mit vielen Menschen verbunden“, sagt sie.

„Ich kann zuhören, ohne zu werten, ohne zu beurteilen und trotzdem Anteil nehmen – am Gartenzaun kann ich mich auch auf einen Small-Talk einlassen – ebenso wie auf ein intensive Gespräch mit Menschen in Not.“ – Pfarrerin Dorothea Heß

Vor mehr als 22 Jahren ist Heß in das Pfarrhaus in der Wiesbadener Kirchbachstraße gezogen. Zunächst hat sie sich die Stelle in der Versöhnungsgemeinde mit ihrem Mann, Pfarrer Rainer Heß, geteilt, seit 2008 ist sie alleine auf der Pfarrstelle. Nach dem Theologiestudium und einigen Jahren als Pfarrerin in Gießen kam die gebürtige Bielefelderin nach Wiesbaden: Erst war sie mit halber Stelle an der Ringkirche, später an der Marktkirche. Die Vielfalt und große Bandbreite an Aufgaben, die in einer Kirchengemeinde zu tun sind – egal ob es eine Innenstadtkirche oder eine Stadtteilgemeinde ist – hat sie immer begeistert.

„Ich wünsche mir, dass die Menschen die Liebe Gottes, von der ich in den Gottesdiensten spreche, erleben. Dass sie erfahren, dass sie im Leben trägt. Ohne dieses Urvertrauen in Gott, könnte ich nicht leben.“ – Pfarrerin Dorothea Heß

Ihre große Stärke ist und war immer die Seelsorge und im Viertel ist sie immer mit dem Fahrrad unterwegs. Da kann es schon mal sein, dass ich nur schnell zur Post will und unterwegs so vielen Menschen begegne, dass ich erst ne Stunde später nach Hause komme, erzählt die Pfarrerin. Die existenziellen Sorgen und Nöte der Menschen hören und wenn nötig Trost spenden – das hat sie immer als ihre wesentliche Aufgabe als Pfarrerin wahrgenommen. Wie die Zeit jetzt nach ihrem Ausscheiden aus dem Pfarrdienst wird, kann sich Dorothea Heß noch nicht vorstellen: Sie habe noch kein Gefühl dafür, denn der Pfarrberuf sei ja sehr vereinnahmend. Man sei eigentlich nie fertig, sagt sie und fügt lachend hinzu: Deswegen bin ich mir sicher, es wird jetzt sehr anders. (Foto: Andrea Wagenknecht/Dekanat Wiesbaden)

 Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Bierstadt lesen Sie hier.

Die offizielle Internetseite der Versöhnungsgemeinde finden Sie unter www.ev-versoehnungsgemeinde-wiesbaden.de.

 

Sie möchten keinen Beitrag mehr verpassen und stets aktuell informiert sein? Dann bestellen Sie doch gleich unseren Newsletter oder folgen uns auf Twitter, Instagram und werden Sie Fan von Wiesbaden lebt!