Nach zehn Jahren trennt sich der SV Wehen Wiesbaden von Sascha Mockenhaupt. Eine Ära endet, die den Verein nachhaltig prägt.
Der SV Wehen Wiesbaden schlägt ein neues Kapitel auf – und verabschiedet zugleich eines seiner prägendsten Gesichter. Nach zehn intensiven Jahren wird der Vertrag von Sascha Mockenhaupt nicht verlängert. Eine Entscheidung, die der Klub nach offenen, vertrauensvollen Gesprächen trifft – und die dennoch spürbar nachhallt.
Der Mann mit der Nummer 4
Sascha Mockenhaupt (*10. September 1991 in Kirchen/Sieg) entwickelte sich über mehrere Stationen zu einer festen Größe im deutschen Profifußball. Er startete bei der JSG Weitefeld, wechselte früh in die Jugend von Bayer 04 Leverkusen und sammelte anschließend Spielpraxis bei der SG 06 Betzdorf.
2012 schloss er sich der zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern an. Dort arbeitete er sich Schritt für Schritt nach oben und feierte 2014 sein Profidebüt gegen den FSV Frankfurt. Es folgten Stationen beim VfR Aalen und erneut in Kaiserslautern, wo er weitere Erfahrung sammelte.
Ein Auslandsabenteuer führte ihn 2016 zum norwegischen Erstligisten FK Bodø/Glimt. Seit Januar 2017 trägt Mockenhaupt das Trikot des SV Wehen Wiesbaden und prägt dort über Jahre hinweg die Defensive.
Sportgeschäftsführer Uwe Stöver würdigt die Verdienste des Verteidigers deutlich. Mockenhaupt habe den Verein nicht nur stabilisiert, sondern geprägt, geformt, mitgetragen. Er habe Verantwortung übernommen, wenn es schwierig wurde, und Ruhe ausgestrahlt, wenn es hektisch zuging. Genau deshalb wirkt dieser Abschied wie ein Einschnitt – ruhig beschlossen, aber emotional aufgeladen.
Rekordspieler mit Haltung
Als Mockenhaupt 2017 vom norwegischen Klub FK Bodø/Glimt nach Wiesbaden wechselt, beginnt eine Geschichte, die kaum planbar erscheint. Er erarbeitet sich seinen Platz, bleibt konstant, führt die Mannschaft – Woche für Woche.
351 Pflichtspiele sammelt er im Trikot der Rot-Schwarzen. Im Oktober 2024 erreicht er einen besonderen Meilenstein: Er steigt zum Rekordspieler des Vereins auf. Zwei Aufstiege in die 2. Bundesliga, vier Hessenpokalsiege – Erfolge, die er nicht laut begleitet, sondern mit Leistung unterfüttert. Mockenhaupt sucht nie die große Bühne, aber er steht immer im Mittelpunkt, wenn Stabilität gefragt ist.
Emotionen zum Abschied
Der 33-Jährige blickt mit spürbarer Dankbarkeit zurück. Er erinnert sich an besondere Momente: das Einlaufen mit seinem Sohn, das Pokalspiel gegen seinen Lieblingsverein Borussia Dortmund, die gemeinsamen Siege, die schwierigen Phasen. Seine Worte klingen ehrlich, fast leise – und genau deshalb so eindrücklich.
Er bedankt sich bei seiner Familie, bei Wegbegleitern, bei Fans und Mitarbeitenden. Er nennt sie den Grund, warum diese Zeit so erfüllend war. Am Samstag möchte er sich persönlich verabschieden – ein letztes Mal auf dem Rasen, ein letztes Mal vor den Menschen, die ihn begleitet haben.
Ein Abschied mit Perspektive
Die offizielle Verabschiedung erfolgt vor der Partie gegen Hoffenheim II. Rund 20 Minuten vor Anpfiff wird Mockenhaupt den Rasen der BRITA Arena betreten – diesmal nicht als Abwehrchef, sondern als Spieler, der verabschiedet wird.
Und doch endet die Geschichte hier nicht vollständig. Verein und Spieler bleiben im Austausch, sprechen über eine mögliche Rolle nach der Karriere. Vielleicht wechselt Mockenhaupt die Perspektive, vielleicht bleibt er dem Klub in neuer Funktion erhalten.
Der SV Wehen Wiesbaden verliert einen Führungsspieler – aber nicht zwingend einen Teil seiner Identität. Denn manche Verbindungen lösen sich nicht, sie verändern nur ihre Form.
Archivfoto – Fatih Kaya auswärts ©2026 Volker Watschounek
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