Collien Fernandes berichtet, Caren Miosga fragt nach Schutz, Verantwortung und Reformen – auch für Nicht-Prominente.
„Ich habe gemerkt, dass jemand in meinem Namen Fake-Profile erstellt hat“, erzählt die Schauspielerin. Mit ihrem Interview im Spiegel habe sie eine Lawine von Emotionen und Meinungen ausgelöst, breite Zustimmung erhalten. „Fotos, Videos, sogar erotische Geschichten – alles sollte so wirken, als hätte ich das selbst gemacht. Für mich war das Gewalt.“
Miosga fragt nach der Reaktion darauf. Fernandes antwortet: „Zuerst erstarrt man, dann wird man wütend. Ich konnte kaum ins Internet gehen. Aber ich wusste: Ich muss reden, sonst passiert nichts.“
Talkshow als Bühne für reale Erfahrungen
Fernandes berichtet von der Resonanz auf ihre Veröffentlichung: „Nach dem Spiegel-Artikel war ich überwältigt. Nachrichten, Anrufe, Hinweise von Menschen, die selbst betroffen waren. Zehntausende gingen auf die Straße, demonstrierten für Schutz und Aufmerksamkeit. Ich hätte nie gedacht, dass meine Geschichte so eine Welle auslöst.“
Sie betont: „Digitale Gewalt trifft nicht nur Prominente. Jede Frau kann Opfer werden. Und oft bleibt sie allein, weil das Problem hinter geschlossenen Türen oder hinter Bildschirmen verborgen bleibt.“
Miosga ergänzt: „Das Problem ist strukturell, nicht individuell. Anzeigen werden häufig eingestellt, Verfahren verzögern sich, Zuständigkeiten zwischen Plattformen, Polizei und Justiz bleiben unklar. Täter handeln anonym und oft über Jahre hinweg.“ Sie hebt hervor, dass die Talkshow mehr als ein Interview ist: „Hier bekommen Betroffene eine Bühne, ihre Stimmen erreichen das Publikum direkt. Es entsteht Druck auf Politik und Gesellschaft, endlich zu reagieren.“
Fernandes erklärt, wie wichtig Sichtbarkeit ist: „Wenn wir darüber reden, sehen Menschen, dass es ein systemisches Problem ist. Jede Meldung, jede Anzeige, jede öffentliche Diskussion hilft, Druck zu erzeugen und Schutzmechanismen zu verbessern.“
Deepfakes, Pornografie, gefälschte Inhalte
Fernandes berichtet, dass es manchmal um Deepfakes gehe, künstlich erzeugte Videos, in denen ihr Gesicht auf fremde Körper montiert werde. „Es ist erschreckend, wie realistisch diese Videos wirken und wie schnell sie sich verbreiten können“, sagt sie. In anderen Fällen handle es sich um echte pornografische Inhalte, die bewusst in ihrem Namen verschickt würden, sodass es so wirke, als hätte sie sie selbst produziert. Zudem würden Täter gefälschte Profile erstellen, um Männer oder Kollegen anzuschreiben und in sexuelle Kontexte zu ziehen.
Sie beschreibt, wie belastend das sei: Die psychische Wirkung sei massiv, Vertrauen werde zerstört, Angst und Ohnmacht dominierten. Gleichzeitig erschwere diese Mischung aus Deepfakes, echten Videos und Fake-Profilen die rechtliche Einordnung enorm, denn die bestehenden Gesetze seien oft unzureichend.
Fernandes fordert deshalb klare Regeln. Sie erklärt, dass nicht jeder Fall in die bestehenden juristischen Kategorien passe: „Ob Deepfake, manipuliertes Video oder gefälschtes Profil – jeder Vorfall muss erfasst und geahndet werden.“ Sie fordert Schulungen für Polizei und Justiz, damit Anzeigen ernst genommen werden, Prävention in Schulen, damit junge Menschen die Gefahren verstehen, und wirksame Strafen, um deutlich zu machen, dass digitale Gewalt kein Kavaliersdelikt sei.
Gleichzeitig betont sie, dass es nicht nur Prominente treffe. Jede Frau könne Opfer werden, oft ohne dass jemand davon erfahre. Fernandes macht klar, dass Aufmerksamkeit, Bildung und rechtlicher Schutz essenziell seien: Man müsse den digitalen Raum genauso ernst nehmen wie reale Tatorte.
Politik und Reformbedarf
Fernandes verweist auf das spanische Modell, das ihr als Vorbild dient. Sie erklärt, dass dort Polizei und Schulen systematisch geschult werden, damit Anzeigen von Betroffenen ernst genommen und Täter konsequent verfolgt werden. „Dort spüren die Frauen, dass ihr Anliegen nicht auf taube Ohren stößt. Täter wissen, dass Verstöße harte Konsequenzen haben“, sagt die Schauspielerin. Gleichzeitig betont sie, dass Deutschland in vielen Punkten noch hinterherhinke. Sie fordert deshalb ähnliche Maßnahmen: längere Fristen für Anzeigen, sensiblere Ermittlungen und klare juristische Rahmenbedingungen, die auch digitale Gewalt eindeutig erfassen.
Caren Miosga und Justizministerin Stefanie Hubig diskutieren die Lage. Sie erkennen, dass der Wille zur Reform vorhanden sei, die Umsetzung jedoch oft stocke. Miosga fasst zusammen, dass Betroffene schnelle und wirksame Hilfe bräuchten, um nicht zwischen bürokratischen Hürden und rechtlichen Grauzonen zerrieben zu werden. Hubig ergänzt, dass die Justiz an Prozessen und Abläufen arbeite, die Frauen künftig stärker schützen sollen, doch bis dahin bleibe noch viel zu tun.
Fernandes macht klar, dass die gesetzlichen Lücken reale Folgen für Betroffene haben: „Ohne Reformen bleibt vieles ein Papierprozess. Frauen müssen spüren, dass ihre Beschwerden ernst genommen werden, sonst bleibt die digitale Gewalt unsichtbar – und die Täter ungeschoren.“
Gesellschaft im Zwiespalt
Fernandes weist darauf hin, dass die mediale Aufmerksamkeit häufig auf prominente Fälle konzentriert sei. Sie berichtet, dass digitale Gewalt jedoch Millionen Frauen in Deutschland täglich treffe – weit über die Schlagzeilen hinaus. „Wir dürfen nicht wegsehen“, sagt sie, „wir müssen hinschauen, die Geschichten hören, darüber reden und aktiv handeln.“
Miosga ergänzt, dass digitale Gewalt kein Randthema sei, sondern eine Realität mit tiefgreifenden Konsequenzen. Sie betont, dass die Taten strafbar sind und eine Reaktion von Gesellschaft, Justiz und Politik verlangen. Der Schlussappell ist klar: Nur durch sichtbare Solidarität, politische Reformen und Aufklärung könne der Schutz von Frauen im digitalen Raum gewährleistet werden. Es gehe nicht mehr nur um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem, das Aufmerksamkeit, Engagement und entschlossenes Handeln erfordere.
Damit endet die Diskussion mit einer klaren Botschaft: Digitale Gewalt ist real, sie trifft Menschen unabhängig von Status oder Bekanntheit, und sie verlangt sichtbare, wirksame Antworten von allen gesellschaftlichen Ebenen.
Foto – , „Digitale Gewalt – wie können Frauen besser geschützt werden?“ © 2026 NDR/Claudius Pflug,



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