Ausschuss startet: Spiel- und Aktionsflächen sowie die Rahmenbeduingungen der Berufsfeuerwehr und Bauprojekte prägen die erste Sitzung.
Am Dienstagabend kam der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Sicherheit erstmals in neuer Besetzung im Rathaus zusammen – und arbeitete sich zügig durch eine umfangreiche Tagesordnung. Nach den Wahlen, bei denen Christa Gabriel (SPD) als Vorsitzende bestätigt wurde und Dorothea Agnes-Müller (Grüne) zur Stellvertreterin aufrückte, ging es in die Inhalte.
Und die reichten von ganz konkreten Bauprojekten, Berufsfeuerwehr Wiesbaden bis zu grundsätzlichen Fragen der Stadtentwicklung.
Spiel- und Aktionsflächen im Fokus
Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte das Grünflächenamt. Es präsentierte die Ergebnisse einer umfassenden Analyse zu den Spiel- und Aktionsflächen in Wiesbaden – eine Art Inventur der städtischen Spielräume, allerdings keine, die sich mit dem Abhaken von Schaukel und Rutsche zufriedengibt. In den vergangenen anderthalb Jahren ließ die Verwaltung sämtliche 171 Flächen systematisch erfassen. Mitarbeiter fuhren die Orte ab, kartierten Wege, prüften Zugänge, beobachteten Nutzungen. Spielplätze, Aktionsflächen, kleinere Spielpunkte – alles floss in eine Bewertungsmatrix ein, die nicht nur Größe und Ausstattung berücksichtigte, sondern auch Gestaltung, ökologische Qualität, soziale Funktion und Barrierefreiheit.
Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick solide, beinahe beruhigend: Rund 64 Prozent Versorgungsgrad, eine durchschnittliche Qualitätsnote von 2,66 – das klingt nach „läuft“. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Diese Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte.
Denn die Stadt zeigt sich in der Fläche ungleich verteilt. Während einige Stadtteile gut versorgt sind und kurze Wege zum nächsten Spielangebot bieten, entstehen andernorts regelrechte Versorgungslücken. Dort fehlen nicht nur Quadratmeter, sondern oft auch gut erreichbare Orte, die Kinder selbstständig erreichen können. Gerade in dicht bebauten Quartieren, in denen Wohnraum jeden freien Meter beansprucht, stößt die Stadt an ihre Grenzen. Neue Flächen lassen sich hier kaum erschließen – der Spielraum wird im wörtlichen Sinne eng.
Die Analyse legt damit nicht nur Defizite offen, sondern zwingt auch zu einer strategischen Antwort: Wenn Fläche nicht wächst, muss Qualität wachsen.

Qualität als Schlüssel
Die Konsequenz daraus formulierte das Grünflächenamt überraschend klar – und zugleich pragmatisch: Nicht mehr Fläche ist das Ziel, sondern bessere. Ein Satz, der in einer wachsenden Stadt fast wie ein leiser Perspektivwechsel klingt. Denn wo Boden knapp ist, verschiebt sich der Fokus zwangsläufig vom „Mehr“ zum „Besser“.
Konkret bedeutet das: Bestehende Spielplätze sollen nicht nur erneuert, sondern neu gedacht werden. Mehr Spielwert heißt dann nicht einfach ein zusätzliches Klettergerüst, sondern Angebote, die Bewegung herausfordern, Kreativität anstoßen und unterschiedliche Altersgruppen gleichzeitig ansprechen. Aufenthaltsqualität meint Sitzmöglichkeiten im Schatten, klare Sichtachsen, sichere Wege – kurz: Orte, an denen man bleiben will, nicht nur vorbeigeht. Und mehr Grün ist längst kein dekoratives Extra mehr, sondern Teil einer Antwort auf heiße Sommer, versiegelte Flächen und das Bedürfnis nach Natur im Alltag.
Gleichzeitig rücken Themen in den Vordergrund, die früher oft als Zusatz galten. Barrierefreiheit wird zur Grundvoraussetzung, nicht zur Ergänzung. Wege sollen erreichbar sein, Geräte nutzbar, Räume verständlich – für möglichst viele. Auch die soziale Nutzung wird stärker gewichtet: Spielplätze sollen Begegnung ermöglichen, Nachbarschaften vernetzen, im besten Fall sogar Konflikte entschärfen. Und mit Blick auf den Klimawandel gewinnen Beschattung, Wasserelemente und ökologische Gestaltung an Bedeutung – nicht als Trend, sondern als Notwendigkeit.
Denn Spielplätze sind längst mehr als Orte für Kinder. Sie funktionieren als Bewegungsräume, Treffpunkte, Rückzugsorte – manchmal alles gleichzeitig. Hier sitzen Eltern nebeneinander, während Kinder spielen. Hier treffen Jugendliche auf Senioren, hier entstehen Gespräche, wo sonst vielleicht nur Durchgang wäre. Wer solche Orte plant, gestaltet nicht nur Freizeit, sondern Stadtgesellschaft im Kleinen.
Besonders betonte das Grünflächenamt dabei den Anspruch der Inklusion. Spiel- und Aktionsflächen sollen für alle zugänglich sein – unabhängig von Alter, Herkunft oder körperlichen Voraussetzungen. Das bedeutet: weniger Hürden, mehr Teilhabe. Oder anders gesagt: Ein Spielplatz, der nicht für alle funktioniert, funktioniert am Ende für zu wenige.
Stadtentwicklung zwischen Sandkasten und Bauplan
Neben diesem Schwerpunkt behandelte der Ausschuss weitere zentrale Themen der Stadtplanung. So standen unter anderem der Bauhof in Delkenheim, der Neubau von Sporthallen sowie der Bebauungsplan „Aukammallee / Kirchbachstraße“ auf der Agenda. Diese Projekte zeigen, wie breit Stadtentwicklung gedacht wird: von der Infrastruktur über den Sport bis hin zur Wohn- und Flächenplanung.
Ein Blick nach vorn
Die Analyse der Spiel- und Aktionsflächen liefert dem Ausschuss weit mehr als Zahlenkolonnen – sie liefert ein Steuerungsinstrument. Sie zeigt nicht nur, wo Wiesbaden heute steht, sondern vor allem, wo die Stadt hinmuss. Zwischen gut versorgten Quartieren und spürbaren Lücken entsteht ein klares Bild von Prioritäten, Handlungsdruck und Chancen.
Dabei geht es längst nicht mehr um die einfache Frage, ob ein Spielplatz vorhanden ist. Es geht darum, wie er funktioniert. Wie er erreichbar ist. Ob er Schatten bietet, Begegnung ermöglicht, Bewegung fördert – und ob er für alle zugänglich ist. Die Analyse zwingt dazu, genauer hinzusehen und Entscheidungen nicht nach Gefühl, sondern nach Daten zu treffen.
Der Ausschuss nahm die Ergebnisse zur Kenntnis – nüchtern im Ton, aber mit spürbarer Tragweite. Denn schnell wurde deutlich: Die Diskussion über Spiel- und Aktionsflächen ist kein Nebenschauplatz. Sie berührt zentrale Fragen der Stadtentwicklung – von sozialer Teilhabe über Klimaanpassung bis hin zur Lebensqualität im Quartier.
Gerade dort, wo Verdichtung wächst und Freiräume schrumpfen, gewinnen diese Flächen an Bedeutung. Sie sind oft die letzten offenen Räume im Stadtteil. Orte, an denen Kinder spielen, Nachbarn sich begegnen und Stadt erfahrbar wird. Wer also verstehen will, wie eine Stadt funktioniert, der muss nicht zwingend ins Rathaus gehen. Ein Blick auf den nächsten Spielplatz reicht. Und wer sehen möchte, wie die Stadtteile hier abschneiden, kann den Bericht digital einsehen und herunterladen. Für jeden Stadtteil gibt es hier Profile und Kennzahlen Stadteilgröße, Bevölkerungwsgröße, Spiel- und Aktionsflächen, Gesamtfläche, Gesamtzahl der Kinder von 0 bis 14 Jahre, Gesamtzahl der Jugendlichen von 15 bis 17 Jahre, Antei der Kinder in der Gesamtbevölkerung des Stadtteils – zahlen die über eine Matrix eine vergleichbare Durchschnittsnote ergeben.
Übersicht der Spielplatz- & Aktionsflächenverfügbarkeit
| Stadtteil | EW gesamt | EW Kinder | Ist-Spielfläche | m² je EW | Soll je EW | Soll gesamt | Defizit / Überschuss | Versorgung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamtstadt | 300.089 | 42.319 | 524.960 m² | 1,9 | 3,00 | 921.399 m² | -294.552 m² | 64,1% |
| Amöneburg | 1.831 | 356 | 1.384,6 m² | 0,8 | 3,75 | 6.866 m² | -5.481,6 m² | 20,2% |
| Auringen | 3.296 | 474 | 13.460,6 m² | 4,1 | 3,00 | 9.888 m² | +3.572,6 m² | 136,1% |
| Biebrich | 39.543 | 5.578 | 65.038,1 m² | 1,6 | 3,00 | 122.229 m² | -57.190,9 m² | 53,2% |
| Bierstadt | 12.934 | 1.819 | 19.118,2 m² | 1,4 | 2,25 | 31.802 m² | -12.683,3 m² | 60,1% |
| Breckenheim | 3.314 | 439 | 23.587,4 m² | 7,1 | 2,25 | 7.457 m² | +16.130,9 m² | 316,3% |
| Delkenheim | 5.044 | 834 | 20.056,8 m² | 3,5 | 2,25 | 13.023 m² | +7.033,8 m² | 154,0% |
| Dotzheim | 28.694 | 4.573 | 37.313,2 m² | 1,3 | 3,00 | 86.082 m² | -48.768,8 m² | 43,3% |
| Erbenheim | 10.660 | 1.730 | 18.456,8 m² | 1,7 | 3,00 | 31.980 m² | -13.523,2 m² | 57,7% |
| Frauenstein | 2.327 | 282 | 5.315,5 m² | 2,3 | 2,25 | 5.236 m² | +79,8 m² | 101,5% |
| Heßloch | 672 | 80 | 578,5 m² | 0,9 | 2,25 | 1.512 m² | -933,5 m² | 38,3% |
| Igstadt | 2.216 | 333 | 1.241,9 m² | 0,6 | 3,00 | 6.648 m² | -5.406,1 m² | 18,7% |
| Kastel | 14.114 | 2.102 | 33.037,2 m² | 2,3 | 3,00 | 42.342 m² | -9.304,8 m² | 78,0% |
| Klarenthal | 11.086 | 1.803 | 21.554,4 m² | 1,9 | 3,00 | 33.258 m² | -11.703,6 m² | 64,8% |
| Kloppenheim | 2.289 | 339 | 4.534,9 m² | 2,0 | 3,00 | 6.867 m² | -2.332,1 m² | 66,0% |
| Kostheim | 14.984 | 2.186 | 43.183,3 m² | 2,6 | 3,00 | 44.952 m² | -1.768,8 m² | 96,1% |
| Medenbach | 2.575 | 387 | 8.558,1 m² | 3,3 | 2,25 | 5.794 m² | +2.764,4 m² | 147,7% |
| Mitte | 22.977 | 2.578 | 9.449,9 m² | 0,4 | 3,00 | 68.931 m² | -59.481,1 m² | 13,7% |
| Naurod | 4.377 | 559 | 5.604,3 m² | 1,3 | 2,25 | 9.848 m² | -4.244,0 m² | 56,9% |
| Nordenstadt | 9.451 | 1.577 | 12.567,9 m² | 1,3 | 2,25 | 21.265 m² | -8.696,8 m² | 59,1% |
| Nordost | 23.022 | 2.627 | 80.308,5 m² | 3,5 | 2,25 | 51.800 m² | +28.509,0 m² | 155,0% |
| Rambach | 2.135 | 269 | 3.015,8 m² | 1,4 | 2,25 | 4.804 m² | -1.787,9 m² | 62,8% |
| Rheingauviertel / Hollerborn | 23.045 | 3.412 | 18.305,9 m² | 0,8 | 3,00 | 69.135 m² | -50.829,1 m² | 26,5% |
| Schierstein | 11.178 | 1.478 | 21.444,6 m² | 1,9 | 3,00 | 33.534 m² | -12.089,4 m² | 63,9% |
| Sonnenberg | 7.801 | 931 | 13.071,9 m² | 1,7 | 2,25 | 17.552 m² | -4.480,4 m² | 74,5% |
| Südost | 22.521 | 3.033 | 30.008,0 m² | 1,2 | 2,25 | 50.672 m² | -20.664,3 m² | 59,2% |
| Westend / Bleichstraße | 18.003 | 2.540 | 14.764,2 m² | 0,8 | 3,75 | 67.511 m² | -52.747,1 m² | 21,9% |
Archivfoto – Neu gestalteter Kinderspielplatz in der Carl-von-Osietzky-Straße ©2026 Volker Watschounek
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